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Heimatforschung - Kurt Schüll kann mit Hilfe des Zeitzeugen Horst Schwab bislang noch offene Fragen beantworten

Absturzort bei Bestenheid ermittelt

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Zeitzeuge Horst Schwab aus Grünenwört (rechts) zeigte Heimatforscher Kurt Schüll die Flugrichtung der Me 110 kurz bevor sie am 14. Oktober 1943 im Wald zwischen Bestenheid und dem Wartberg abstürzte. Mit dieser Information konnte Schüll den genauen Absturzort ermitteln. © Birger-Daniel Grein

Bestenheid. Kurt Schüll spürt Flugzeugabstürzen im Zweiten Weltkrieg nach (wir berichteten bereits). Momentan beschäftigt er sich mit dem Absturz einer deutschen Messerschmitt Me 110 bei Bestenheid. Deren genauen Absturzort konnte er zunächst nicht lokalisieren. Nun wurde er fündig.

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„Messerschmitt in Bestenheid abgestürzt“ lautete die Überschrift eines am 25. Februar in den Fränkischen Nachrichten erschienenen Artikels. Daraufhin meldete sich bei Schüll Zeitzeuge Horst Schwab aus Grünenwört. Dieser hatte als Kind den Flugzeugabsturz beobachtet.

„Aufgrund der Beschreibung des Flugs durch Schwab konnte ich die Lage der Absturzstelle ermitteln“, zeigte sich der Hobbyforscher dankbar für die Unterstützung: „Ohne ihn hätte ich nicht gewusst, wo ich suchen musste.“ Nun trafen sich Kurt Schüll und Horst Schwab nahe der Absturzstelle und tauschten Erinnerungen und Erkenntnisse aus.

Wie Schüll erklärte, sei in den vorhandenen Wehrmachtsunterlagen vermerkt, dass das Flugzeug am 14. Oktober 1943 bei Wertheim, 71 Kilometer südöstlich von Frankfurt am Main, abstützte. Flugzeugführer Gottlied Braun und Bordfunker Kurt Schirrmeister verloren dabei ihr Leben.

Die damalige Feststellung ,bei Wertheim’ bedeute ein Umkreis von 30 Kilometern“, beschrieb der Heimatforscher die Schwierigkeit, die genaue Stelle zu finden. Die Suche nach den Leichenpässen habe ihm etwas weitergeholfen: „Beim Leichenpass des Bordfunkers stand beim Sterbeort Wertheim noch das Wort Bestenheid dabei.“ Ein Wertheimer Verwaltungsangestellter werde es wohl dazugeschrieben haben. Doch auch dieses Gebiet sei noch groß.

Der zum Zeitpunkt des Absturzes acht Jahre alte Horst Schwab berichtete: „Ich war mit meiner Mutter und meiner Schwester bei der Kartoffelernte auf dem Feld.“ Dieses habe sich im Bereich von Fahrzeug Dinkel in der heutigen Schwarzwaldstraße in Bestenheid befunden.

„Um die späte Mittagszeit hörten wir Brummen und Lärm aus der Ferne und fragten uns, was da ist.“ Sie hätten dann schnell ihre Kuh vom Arbeitsgerät befreit und angetrieben. „Wir flüchteten in den etwa 150 Meter entfernten Wald“, erinnerte sich Schwab.

Von dort aus habe er die Messerschmitt Me 110 sowie viele amerikanische Jagdflugzeuge Boeing-B 17- Bomber gesehen, erinnerte sich Schwab weiter. Diese seien aus Flugrichtung Frankfurt über das Haslochtal gekommen. Er habe ein Schimmern am Himmel gesehen. „Später erfuhr ich, dies waren die amerikanischen Patronenhülsen.“ Er habe an der Me schwarzen Rauch des brennenden Motors entdeckt, als sie über den Main flog. Als die Maschine an der Familie vorbeigeflogen sei, habe er die beiden Piloten sehen können, die in der Maschine hintereinander saßen. „Zwei bis drei Minuten später hörten wir einen Schlag und sahen nur noch Rauch.“ Dieser schwarze Rauch habe sich im Wald verbreitet, und es habe nach Öl gerochen. „Zur Absturzstelle durfte man nicht“, ergänzte er.

Anhand von Schwabs Beschreibung konnte Schüll den Absturzort eingrenzen und fand so im Wald-Areal tatsächlich Aluminiumteile der Maschine. Er werde die Suche vor Ort noch ausweiten, erklärte er.

„Die konkrete Absturzstelle liegt etwa 300 Meter vom Waldrand an den Feldern von Grünenwört und Bestenheid entfernt“ im Gewann „Seelesschlag.“ Von der heutigen „Ponderosa Ranch“ an der Gemeindeverbindungsstraße Bestenheid – Wartberg sei es etwa ein Kilometer Luftlinie entfernt. „Es waren nur noch zwei Kilometer bis zum Fliegerhorst, wo die Maschine hätte landen können“, stellte Schüll fest.

Er wollte die Nachfahren der Soldaten gerne über seine Erkenntnisse informieren. Dies sei jedoch nicht so einfach gewesen.

Flugzeugführer Gottlieb Braun wurde in Straubing beigesetzt. „Die katholische Friedhofsverwaltung weigerte sich, mir Auskunft darüber zu geben, wer der heutige Nutzungsberechtigte seines Grabs ist.“ Daraufhin habe er einen Bischof an den Bischof von Regensburg geschrieben. Darin betonte er, dass Braun von 80 Jahren durch einen Unrechtsstaat missbraucht worden sei und dabei sein junges Leben verloren habe. Diejenigen, die sein Grab pflegten, sollten Auskunft über die Erkenntnisse zu Brauns Tod bekommen.

Schüll: „Prompt wies der Bischof die Friedhofsverwaltung an, meine Anfrage zusammen mit dem Zeitungsartikel dem Nutzungsberechtigten des Grabs von Braun zu übergeben.“ Wenige Tage später habe ihm eine ältere Verwandte von Braun geantwortet. Mit ihr stehe er heute noch in Kontakt.

Bordfunker Kurt Schirrmeister wurde in Konstanz beerdigt. Die dortige Friedhofsverwaltung sei hilfsbereit gewesen, so Schüll. In deren „Unterlagen steht fälschlicherweise, dass der Bordfunker bei einem Terrorangriff bei Stuttgart starb.“ Angehörige von Schirrmeister habe man leider nicht finden können.

„Ich werde mich dafür einsetzen, dass am Absturzort nach Möglichkeit ein Gedenkstein gesetzt wird“, betonte der Heimatforscher. Eine Akte von etwa zwei Zentimeter Dicke über diesen Absturz könne er nun schließen, freute er sich.

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