„Leader“-Projekt - Im Igersheimer Teilort Holzbronn erfüllen sich Jascha Derr und Ruth Langer einen Traum und realisieren in einer alten Scheune eine Brauerei mit angeschlossenem Hofladen 2022 soll der erste Gerstensaft genossen werden

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Klaus T. Mende
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In dieser Scheune wird das von „Leader“ geförderte Brauerei-Projekt in Holzbronn realisiert. © Klaus T. Mende

Was unterscheidet Distelhausen und Herbsthausen derzeit noch von Holzbronn? In erstgenannten Kommunen gibt’s bereits eine Brauerei. Der Igersheimer Teilort zieht allerdings bald nach.

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Holzbronn. Voraussichtlich 2022 soll der Igersheimer Weiler aus seinem Dornröschenschlaf erwachen. „Dann wollen wir das erste Bier brauen“, blickt Jascha Derr in die nähere Zukunft. Zusammen mit seiner Frau Ruth Langer ist der 38-Jährige gerade dabei, sich „einen Traum zu erfüllen“. Nichts werde überstürzt, jeder Schritt wolle gut überlegt sein. „Doch die Pläne für das Vorhaben liegen bereits vor, so dass wir in diesem Jahr damit beginnen können, die Scheune umzubauen.“

Hohe Förderung von „Leader“

Das Projekt werde von „Leader“ mit 40 Prozent der Nettosumme finanziell gefördert, hebt Jascha Derr hervor. Auch dank dieser Unterstützung sei es letztlich leicht gefallen, die Chance beim Schopf zu packen. „Die ,Leader‘-Verantwortlichen waren von unserer Idee gleich sehr angetan“, wirft Ruth Langer ein. Sie hätten wesentlich geholfen, ebenso sei die Zusammenarbeit mit dem Kreisbauamt sowie der Igersheimer Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Frank Menikheim an der Spitze explizit hervorzuheben. Und auch die Nachbarn in dem 30-Seelen-Weiler hätten die Pläne für gut befunden. So habe der Umsetzung dieser Maßnahme mit Alleinstellungsmerkmal nichts mehr im Weg gestanden.

Jahrelang war das Ehepaar in Niger in der Entwicklungshilfe tätig. „Als sich unser erstes Kind ankündigte, haben wir uns entschlossen, wieder nach Deutschland zu gehen“, erzählt Ruth Langer im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Für die Berlinerin seit der Wechsel auf das Land keinesfalls ein Kulturschock gewesen, schmunzelt sie.

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„Der Hof meiner 90-jährigen Oma stand leer und er hat uns auf Anhieb sehr gefallen. Deswegen sind wir hierhergezogen“, betont Jascha Derr. Hier sei man längst fest verwurzelt und fühle sich ausgesprochen wohl.

Als „langjähriger Hobbybrauer“, der seinen Gerstensaft auch schon mal „mit Hilfe von zwei Einkochtöpfen“ herstellt, wolle er mit seiner Frau nun durchstarten, um sich ein berufliches Standbein zu schaffen. Dazu solle eine zum Hof gehörende alte Scheune aus dem Jahre 1959 „im Bestand erhalten und zu einer Brauerei umgebaut werden“. Ziel sei, verschiedene Biere zu produzieren, wobei „wir sehr experimentierfreudig sind und uns auch an alten Getreidesorten wie etwa Schwarzhafer versuchen wollen“, meint Ehefrau Ruth.

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In das Gebäude mit integriert werde ein kleiner Gastraum für Verkostungen und kulturelle Veranstaltungen. Bestreben sei, das eigene Bier selbst zu vermarkten und zu verkaufen. Dies solle in einem kleinen Hofladen erfolgen, in dem in Kooperation mit weiteren landwirtschaftlichen Betrieben regionale Produkte wie Eier, Honig, Bienenwachstücher oder -pflegeprodukte angeboten werden. Jascha Derr ist im Übrigen auch passionierter Hobbyimker.

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„Wir legen nicht nur Wert auf Regionales, sondern auch auf Nachhaltigkeit und Bio“, teilt der künftige Unternehmer mit, der nach eigenem Bekunden bereits gut vernetzt sei und schon erste vielversprechende Kontakte geknüpft habe.

Inwieweit später noch eine Gastronomie in die Brauerei integriert werde, wollen sich Jascha Derr und Ruth Langer noch offen halten. Zunächst solle es bei dem kleinen Gastraum bleiben, der auch gemietet werden könne. Er diene als Probierstube, könne für Seminare genutzt werden, eigne sich aber auch zum Beispiel für kleine Lesungen.

„Bewusste Entscheidung“

Das Ehepaar spricht von einer „bewussten Entscheidung“, sich in Holzbronn niederzulassen. Sie wollten „auf und mit dem Hof arbeiten“, der sich für solch ein Projekt geradezu angeboten habe. „Wir sind eben neugierig darauf, Neues auszuprobieren“, schmunzeln die beiden, denen bei ihrem Tun sicher entgegenkomme, dass sich in der Region die Braugerste etabliert habe. Jascha Derr und Ruth Langer sind der festen Überzeugung, dass ihr Mut, solch ein Vorhaben umzusetzen, schlussendlich von Erfolg gekrönt sei, da der Main-Tauber-Kreis beste Voraussetzungen biete, diesbezüglich Fuß zu fassen.

Vor rund einem Jahr hat Jascha Derr in Igersheim das Projekt „Bürgerbacken“ mit aus der Taufe gehoben. Mittlerweile findet sich jeden ersten Samstag im Montag (das nächste Mal am 4. Januar) ein fester Stamm an Einwohnern vor dem Heimatmuseum ein, um im alten Ofen eigenes Brot zu backen.

Jetzt aber sind alle Blicke auf die Maßnahme Brauerei fokussiert, um schon bald den ersten eigenen Gerstensaft genießen zu können.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt