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Jubiläum

Brücke überspannt seit 300 Jahren in Gamburg die Tauber

Ein kleiner Blick in die Historie des Bauwerks. Heimat- und Faschingsverein veranstaltet Fest

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Rundes Jubiläum: Seit 300 Jahren überspannt eine Brücke in Gamburg die Tauber. © Joachim Müller

Gamburg. Seit 300 Jahren überspannt die Brücke in Gamburg die Tauber. Das Jubiläum nahm Joachim Müller zum Anlass für einen kleinen Blick in die Geschichte. Als Basis diente ihm dabei eine Arbeit des Gamburgers Helmut Martin, die dieser 1977 zum Erwerb der Fachhochschulreife im Fach Deutsch erstellt hat. Das Thema lautete: „Die Entwicklung des Brückenbaus im Taubertal, dargestellt am Beispiel der Gamburger Brücke“.

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Auf einem Bergsporn, oberhalb der Tauber, kontrollierten die Bewohner der Burg Gamburg die vielfältige Benutzung des Tauberübergangs. Urkunden aus den Jahren 1219 und 1223 erwähnen den von einem Schultheißen geleiteten Weiler Gamburg „der zu Füssen der Burg gelegen ist“. Dass die Tauberüberquerung dort war, wo sie sich heute befindet, beweisen Reste von pflasterähnlichen Befestigungen des Flussbetts.

Mit dem Beginn des zwölften Jahrhunderts wurden Schloss und Dorf Gamburg in einer Urkunde erstmals erwähnt. Drei Jahrhunderte später findet sich im Lehensbuch des Wertheimer Grafen eine Eintragung, die eine Furt in dieser Zeit bestätigt. Gegen 1454 ist nicht mehr von einer Furt, sondern von einer „brukken“ die Rede. Diese Eintragung lässt den Schluss zu, dass zwischen 1444 und 1454 eine überdachte hölzerne Brücke entstanden ist, die für die Bevölkerung einen großen Fortschritt bedeutete. So konnte der Fluss ohne großen Aufwand und weniger Gefahr als zuvor überquert werden.

Sage vom Hokemo

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Die Sage vom Hokemo (Hakenmann), der unter der Brücke hausen sollte, nahm Gestalt an. Der Wassergeist, mit menschlichen Gliedmaßen und einem Froschkopf, hat es vor allem auf die kleinen Kinder abgesehen, um sie zum Ufer zu locken, damit er sie mit seinem Haken in die Tiefe der Tauber ziehen kann.

Zu dieser Zeit wurde eine Ringmauer erstellt, die das Dorf mit integriertem Brückentor umfasste. Damit entwickelte die Brücke sich zu einem strategisch wichtigen Punkt des Dorfs. Auf einer Skizze aus dem 18. Jahrhundert ist zu entnehmen, dass sich das Brückentor unmittelbar vor der Tauberbrücke am linken Brückenkopf befand und somit unausweichlich für Ankommende im Wege stand. Hier konnte überwacht werden, wer kam und ging. „Vorbeiziehendes Volk und Gesindel“ wurde an der Brücke abgewehrt und nicht eingelassen. Wie eine Gemeinderechnung von 1632 zeigt, wurde diese Aufgabe einem Brückentorwächter übertragen.

Als Brückenmeister fungierte der jeweilige Bürgermeister, der dafür eine jährliche Besoldung bezog. Aufgrund vieler Reparaturen mussten die Gamburger zur „Brückenunterhaltung“ eine Steuer zahlen.

Das Brückentor wurde im Dreißigjährigen Krieg mehrfach ruiniert, wie etwa aus einer Rechnung hervorgeht: „1640/41 lässt ein Zimmermann zur Erneuerung des Tores Holz anfahren.“ Die Franzosen warfen 1674/75 das Bauwerk ein, so dass sie vollkommen neu aufgebaut werden musste.

Witterungseinflüsse

Die Holzbrücke war auch starken Witterungseinflüssen – unter anderem bei Hochwasser – sowie der alltäglichen Belastung ausgesetzt, was Ausbesserungsarbeiten nötig machte. Somit bestand 1689/90, nachdem eine Flut Schlamm und Gehölz angespült hatte, die Gefahr, dass die schlecht verankerten Holzpfeiler umgedrückt werden. Das Holz für die Reparaturen wurde im gemeindeeigenen Wald geschlagen. In Rechnungen heißt es dazu: „Fünf Batzen den jenigen so die vom wilden Wasser an die Eißbalcken der brücken geführten Muths undt gehöltzes außerm Wasser zu räumen, zu verzehr geben“. 1721 wurde die überdachte Holzbrücke mit Ziegeldach ein Opfer des Hochwassers.

Der Wunsch nach einem stabilen Bauwerk nahm Form an. Laut einer Rechnung von 1722 wurde mit dem Massivbau einer Steinbrücke mit vier Bogen und vier Pfeilern begonnen. Schon ein Jahr später waren die ersten beiden Bogen fertig. Auf einem Furtbogenstein unterhalb des Brückenbogens ist zu lesen: „1723 A G BM“ (vermutlich Albert Georg BürgerMeister). Bei der Renovierung 1971 wurde in einem Quader des Eisbrechers zwischen dem dritten und vierten Bogen die eingemeißelte Jahreszahl 1744 entdeckt. Diese verweist auf die Fertigstellung dieser Bogen. Erst 54 Jahre nach Beginn der Baumaßnahmen wurde der Schlussstein im letzten Gewölbe gesetzt. Er trägt die Inschrift „HH ML 1776“.

Nepomuk-Statue

Die von der Gemeinde 1724 errichtete Nepomuk-Statue wurde durch Hochwasser vernichtet. Der von Gamburg nach Wien ausgewanderte Bildhauer Johann Kaltwasser stiftete 1730 einen neuen Brückenheiligen, den er selbst anfertigte. Die Statue wurde mit einem Pferdegespann von Wien nach Gamburg transportiert. Seinerzeit war der Nepomuk eine Seltenheit, denn erst fünf Jahre später, nach der Erstellung dieser Skulptur, wurde der Märtyrer seliggesprochen. Eine Übersetzung der Inschrift im Sockel der Statue gibt Auskunft über den Spender: „Aus Liebe zur Heimat und zu Ehren des Heiligen Nepomuk hat dieses Standbild errichten lassen Johann Bernhard Kaltwasser im Jahre des Herrn 1730.“ Die renovierte Sandsteinfigur, die aufgrund der Witterung stark beschädigt war, befindet sich nun im Heimatmuseum Tauberbischofsheim. Der jetzige Brückenheilige ist eine originalgetreue Kopie aus wetterbeständigem Muschelkalk, gefertigt vom Gerlachsheimer Bildhauer Otto Lieb.

Nur kurz dauerte im 18. Jahrhundert die Freude über die neue Brücke. Beim großen Tauberhochwasser am 29./30. September 1732 wurden – mit nur wenigen Ausnahmen – alle Brücken im Taubertal weggerissen. Auch der Gamburger Übergang wurde so stark beschädigt, dass man sich mehrere Jahre lang mit einer notdürftigen Floßbrücke behelfen musste. Rechnungen von 1733 enthalten Beträge von 54 Gulden, die für „Zimmerleut, Maurer und andere bei der vom großen Wasser ruinierten Brücken bezahlt und ausgelegt worden seindt“. Bis 1739 finden sich zur Wiederherstellung der zerstörten Brücke laufend Eintragungen im Rechnungsbuch. Ein hölzerner Aufbau der Brücke wird 1774/75 dokumentiert: „Valtin graser zu üssigheim bekommt vier Gulden für Höltzernen Brücken aus zu bessern.“ Beim starken Hochwasser im Winter 1775/76 wurden die hölzernen Überbauten der Brücke komplett weggerissen.

Verhindert werden konnte eine Sprengung der Brücke am 30. März 1945. Die Amerikaner standen kurz vor Gamburg. „Zum Schutze der Dorfbewohner“ wollte ein deutsches Abwehrkommando den Übergang zerstören. Alles war vorbereitet, nur fehlte es an Brennstoff. Der damalige Geschäftsmann Fiederlein weigerte sich, das notwendige Benzin zum Zünden abzugeben, so dass die Gamburger Brücke erhalten blieb.

Die 1722 gemauerten Gewölbe der Brücke hielt allen Unwettern und Hochwassern bis 1970 in ihrer ursprünglichen Form stand. Notwendig waren allerdings ständig Instandsetzungsarbeiten am Gemäuer und an Uferbefestigungen. Das Fundament wurde im Laufe der Jahrhunderte ausgeschwemmt und unterhöhlt. Im Frühjahr 1970 zerstörte ein ungewöhnlich starkes Hochwasser das Wehr oberhalb der Mühle auf einer Breite von zwölf Metern. Daraufhin senkte sich der Wasserspiegel der Tauber um über einen Meter. Das Fundament der Brücke wurde durch die reißenden Fluten unterspült, sodass eine permanente Einsturzgefahr für das Bauwerk bestand. Da die Tragfähigkeit durch den vermehrten Lastenverkehr auch nicht mehr gegeben war, entschloss sich der Kreis Tauberbischofsheim, in dessen Besitz sich die Tauberbrücke befindet, zu Sanierungsarbeiten.

Neubau

Im Herbst 1970 wurde zunächst oberhalb der Anlage für den Verkehr eine Behelfsbrücke errichtet. Danach hob eine Baufirma per Kranen die schweren Begrenzungssteine zur Seite, räumte Schutt und Geröll ab und ersetzte die beiden kleinen Bogen, die den Wasserdurchfluss teilweise behinderten durch große Bogen. Die Gewölbe wurden freigelegt und gründlich saniert. Bei der Freilegung des Fundaments bestätigte sich die Annahme, dass die Brückenpfeiler nur noch lose auf der Flusssohle aufsaßen. Die Gewölberücken sowie das gesamte Fundament wurden mit Stahlbeton erneuert und die Stirnwände mit den alten Steinen neu aufgemauert. In der Mitte der Brücke wurde eine Ausweichstelle für Fußgänger geschaffen, wo auch der renovierte Brückenheilige Nepomuk seinen Platz fand. Die Baukosten beliefen sich damals auf annähernd 700 000 Mark. Am 12. Juni 1972 waren an der Brücke die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen.

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