Weltgebetstag

Taiwans Frauen laden zum weltumspannenden Gebet

Kirchengemeinden feiern ökumenisch unter dem Motto „Glaube bewegt“. Umweltschutz als zentrales Thema

Von 
Inge Braune
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Das Titelbild des Weltgebetstags in diesem Jahr gestaltete Künstlerin Hui-Wen Hsiao. © Weltgebetstag

Creglingen. Seit mittlerweile fast einem Jahrhundert laden Frauen aller christlichen Konfessionen immer Anfang März zum weltumspannenden Gebet ein. Im Rahmen dieser größten und ältesten Frauenbewegung sind es in diesem Jahr Frauen aus Taiwan, die den Weltgebetstag unter dem Motto „Glaube bewegt“ vorbereitet haben.

Taiwan: Seit Jahrzehnten Spielball im Streit der Supermächte, von der Weltgemeinschaft nicht anerkannt. 1971 erklärten die Vereinten Nationen China zur legitimen Vertretung des multiethnisch geprägten Inselstaates. Die Folge ist eine weitgehende internationale Isolierung.

Taiwan: Eine zwischen Japan und den Philippinen gelegene Hauptinsel und über 100 weitere Inseln mit rund 23 Millionen Menschen, Nachfahren asiatischer und indigener Einwanderer. Das Christentum ist in der überwiegend vom chinesischen Volksglauben geprägten Region mit nur rund drei Prozent schwach vertreten; nur unter den 16 registrierten indigenen Gruppen liegt der christlich orientierte Anteil mit rund 60 Prozent deutlich höher.

Taiwan: „Ilha formosa“ – „schöne Insel“ – nannten 1583 portugiesische Seefahrer das immer wieder von Taifunen und Erdbeben gebeutelte Inselreich zwischen Pazifik, Ost- und Südchinesischem Meer. Den Portugiesen folgten niederländische, spanische, chinesische und japanische Kolonialherren, 1945 die Eingliederung in die damalige Republik China. Die demokratische Entwicklung – Taiwan gehört heute zu den vorbildlichsten asiatischen Demokratien – setzte ab 1987 ein, als die Kuomintang das Kriegsrecht aufhoben und die erste Oppositionspartei gegründet wurde. Aktuell herrscht nicht nur in Taiwan, sondern auch im Westen große Sorge vor einem Versuch Chinas, die Insel mit kriegerischen Mitteln komplett zu unterwerfen.

Taiwan: Reiche Bergwälder, die rund 55 Prozent der Landmasse einnehmen, beherbergen eine reiche Fauna und Flora, landwirtschaftliche Nutzung nimmt weitere rund 30 Prozent in Anspruch. Andererseits prägt die hohe Bevölkerungsdichte mit massiver Umweltverschmutzung und recht sorgloser Ableitung ungeklärter Abwässer in Flüsse oder direkt ins Meer das Land.

Entsprechend gehört das Thema Umweltschutz zu den zentralen Anliegen der Frauen, die den Weltgebetstag vorbereitet haben. Und natürlich: „Ping an“ – „Friede sei mit euch“. Etliche Briefe taiwanesischer Frauen werden in den Gottesdiensten verlesen. Sie sind gerichtet etwa an Pao-Chu, die sich intensiv für den Umweltschutz einsetzt, an die indigene Weberin Fen-Jiau, die Verdienst und Familie vereinbaren muss, an Jojo, die gegen alle Widerstände ein Studium absolvierte und für die gleichen Rechte von Frauen und Männern eintritt. Pearl opferte als Reinigungskraft in einem Krankenhaus aus Sorge vor Ansteckung jeden Kontakt zu ihrer Familie, Daiken, selbst Opfer sexuellen Missbrauchs, ermutigt Leidensgenossinnen. Den Mut zum Streit und offensiven Einsatz für bessere Bedingungen fanden sie auch durch ihr christliches Gottvertrauen und die weltweite Vernetzung mit der solidarischen Weltgebetstags-Gemeinschaft. „Glaube bewegt“ ist da ein passendes Motto. Die in Deutschland gesammelte Kollekte des Weltgebetstags Frauen- und Mädchenprojekten auf der ganzen Welt zugute. Insgesamt wurden mit dem seit 1975 weltweit aufgebrachten Spendenvolumen von gut 77 Millionen Euro ohne Ansehen des jeweiligen Glaubens über 6000 Projekte durch die Mithilfe von Partnerorganisationen in Asien, Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten gefördert. In Europa werden vorwiegend Projekte von und für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen gefördert. Der zentrale Weltgebetstags-Gottesdienst wird am heutigen Freitag (3. März) um 19 Uhr auf Bibel TV sowie online auf www.weltgebetstag.de und dem YouTube-Kanal des Weltgebetstags live übertragen. Bibel-TV bietet Wiederholungen am Samstag, 4. März und 14 Uhr sowie am Sonntag, 5. März um 11.30 Uhr an.

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