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Invasive Pflanzen im Main-Tauber-Kreis

Jakobskreuzkraut und Kleeseide unerwünscht

Einzelne Landwirte reagieren. Vergiftungserscheinungen bei Pferden und Rindern. Klimawandel und andere Faktoren

Von 
Tillmann Zeller
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Die Kleeseide ist ein Parasit, der bevorzugt Wirtspflanzen wie Luzerne, Rot- oder Alexandrinerklee heimsucht. © Zeller

Main-Tauber-Kreis. Schon vor einigen Jahren musste sich Landwirt Eberhard Ehrmann in Weikersheim-Bronn auf seinen Wiesen und Weiden um einen unerwünschten pflanzlichen Gast kümmern. Es war das Jakobskreuzkraut. Jetzt hat er wieder in seinen ökologischen Vorrangflächen, seinen Blüh- und Schutzstreifen, mit einem ungeladenen Besucher, der Kleeseide, seine Schwierigkeiten.

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Momentan blüht wenig an unseren Straßenrändern, aber eine gelb blühende Pflanze erfreut das Auge, aber leider nicht den Tierhalter und Pflanzenfreund. Ein unterschiedlich starker Bestandteil der blühenden Straßenbegleitflora ist das Jakobskreuzkraut. Diese Pflanze ist anders als Ambrosia oder Bärenklau kein Neophyt, also kein pflanzlicher Neubürger mit Migrationshintergrund, sondern eine alte heimische Pflanze, die von Botanikern als Kennart der Weidelgras-Weißkleeweide, einer häufigen Pflanzengesellschaft, charakterisiert wird. Ihr Erscheinen ist keine Überraschung, denn in alten Vegetationsaufnahmen wurde sie erwähnt. Ungewöhnlich ist jedoch ihr teilweise häufiges Auftreten,so etwa als Straßenbegleitgrün oder auf lückigen Pferdeweiden.

Lücken auf den Weiden

Die Verbreitung des Jakobskreuzkrautes nimmt zu, dies hat mit dem Klimawandel und der geänderten Bearbeitung des Straßenbegleitgrüns zu tun.

Früher herrschten weniger Trockenperioden, die zu Lücken auf den Weiden führten und wurden die Straßenränder gemäht und nicht gemulcht.

Wenn die Pflanzen immer kurz gehalten werden, haben sie eine längere Lebenszeit als wenn sie gemäht werden. Beim Mähen wird das Mähgut abgefahren, beim Mulchen verbleibt das Mähgut auf der Fläche.

Das Jakobskreuzkraut mit dem botanischem Namen Senecio jacobaea tritt inzwischen verstärkt auf. Verbreitet ist es besonders auf Stilllegungsflächen, extensiv genutzten Weiden, insbesondere Pferdeweiden, Extensivgrünlandflächen, Wegrändern und Böschungen. Auf gepflegten Rinderweiden wird es bislang zwar noch seltener, jedoch immer häufiger angetroffen. Die vergangenen Trockenjahre haben die Ausbreitung gefördert. Die wärmeliebende Pflanze wandert aus dem warmen Taubertal auf die ehemals kühleren Hochflächen.

Diese Ausbreitung birgt eine Gefahr, weil das Jakobskreuzkraut als Giftpflanze nicht verfüttert werden sollte. Die Giftigkeit geht auf der Wirkung verschiedener Pyrrolizidin-Alkaloide zurück, diese verursachen chronische Lebervergiftungen. Diese Gefahr wird leicht unterschätzt, weil die Auswirkungen der Vergiftung sich mit der Summe der aufgenommen Pflanzenmenge verstärken und dadurch chronische Erkrankungen folgen können. Vor allem Pferde, aber auch Rinder reagieren empfindlicher als Schafe und Ziegen. Die Giftstoffe reichern sich in der Leber langsam an und führen dann zu den chronischen Krankheitsprozessen.

Die Pflanze ist nicht nur im frischen Zustand giftig, die Alkaloide werden auch nach Heu- und Silagebereitung nicht abgebaut. Zwar verschmähen Pferde und Rinder das Jakobskreuzkraut auf der Weide, aber in der Winterfütterung können sie nicht selektieren. Die Gefahr ist erheblich, wenn man sich vor Augen führt, dass ein einzelner ausgewachsener Trieb im Mittel etwa 70 Gramm wiegt.

Wenn einer Kuh, die 700 Kilogramm wiegt, diese Menge 100 Mal auf dem Futtertisch angeboten wird, ist bereits die tödliche Dosis erreicht. Deshalb darf kein Rinderfutter diese Giftpflanze enthalten, denn schon kleine Mengen führen zur schleichenden Vergiftung.

Wie sieht dieses Kraut aus? Zunächst werden im ersten Jahr die Rosette mit den typischen geschlitzten Blättern gebildet, im folgenden Jahr fällt der aufrechte Stängel, der sich in der Mitte verzweigt ins Auge. Seinen Namen Jakobskreuzkraut erhielt das Kraut vom Jacobitag am 25. Juli, denn vor dem Klimawandel lag Ende Juli die Hauptblütezeit des Korbblüters mit den goldgelben Blüten.

Weil Pferde die Pflanze eher meiden als Rinder oder Schafe, kann sie sich auf Pferdeweiden, die nicht gemäht werden besonders leicht entwickeln und zur Samenreife gelangen. Deshalb kann sich das Jakobskreuzkraut auf Pferdeweiden explosionsartig verbreiten.

Eberhard Ehrmann griff zum Spaten und grub die Pflanzen aus. Diese Methode ist angebracht, wenn es sich noch um Einzelpflanzen handelt. Anders als im Kuhmagen richten die Pflanzen in der Biogasanlage keinen Schaden an, denn die Samen überstehen die Biogasgärung nicht.

Entscheidend bei der Bekämpfung ist, dass die Pflanze keine Samen bilden kann. Dementsprechend muss die Mahd vor Blühbeginn erfolgen. Zudem sollen Fehlstellen durch Nachsaat vermieden werden, denn wenn die Samen keinen offenen Boden entdecken, können sie nicht keimen.

Hilflos?

Um die Artenvielfalt auf den Äckern zu steigern, wurden unsere Landwirte seit 2013 von der EU verpflichtet, so genannte ökologische Vorrangflächen anzusäen. Dazu müssen auf Betrieben mit mehr als 15 Hektar fünf Prozent der Ackerflächen eingesetzt werden. Blüh- und Schutzstreifen sind wie etwa Brachflächen oder Hecken Teil der ökologischen Vorrangflächen.

Leider hat nicht nur Eberhard Ehrmann sich mit seiner Blühmischung ungebetene Gäste auf seinen Acker geholt. Die Schmarotzerpflanze Kleeseide schleicht sich über Leguminosenmischungen ein. Zum Beispiel mit Alexandrinerkleesamen aus Kasachstan. Es ist eine invasive Art, die sich jetzt gut in Beständen erkennen lässt. Aber weil die Bestände von der Agrarpolitik gefördert werden, dürfen sie in Blühflächen nicht bekämpft werden. Vor allem Biobetriebe bauen häufig Klee oder Luzerne an und fürchten zu Recht, dass ihre Kleeschläge von der Kleeseide heimgesucht werden.

Die Kleeseide ist ein Parasit, der bevorzugt Wirtspflanzen wie Luzerne, Rot- oder Alexandrinerklee heimsucht. Diese Schmarotzerpflanze kann ohne Wirtspflanze nicht überleben, weil sie selbst keine Photosynthese betreiben kann. Dementsprechend hat sie auch kaum Blätter und keine Wurzeln. Sie umfesselt dagegen ihre Wirtspflanzen auf dem Acker mit gelblichen bis rosafarbenen Stängeln. Im Extremfall ist der gesamte Bestand von einem gelblichen Netz von Kleeseide überzogen.

Die Nährstoffe nimmt die Kleeseide über Saugorgane auf. Sie blüht von Juli bis September, die Blüten sind relativ unauffällig. Der verursachte Nährstoff- und Wasserentzug kann sogar zum Absterben der Kleepflanzen führen.

Die Kleeseide kommt nach Beobachtung des Pflanzenschutzberaters Theo Bender vom Landwirtschaftsamt Bad Mergentheim gut mit jedem Wetter zurecht, sowohl im letzten relativ nassen Jahr und auch jetzt im diesjährigen trockenen Sommer.

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