"Comedy uffm Dorf" - "Gwerch" auf der Scheunenbühne: "Zugabe! Zugabe!" / Fränkisches Bardentrio begeisterte humorhungrige Hundertschaft Zuhörer biegen sich vor Lachen überm Weinglas

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"Gwerch": Texter und Sänger Bernhard Nagl beherrscht die Kunst der überraschenden Pointe perfekt. Mit Ukulele und großem Blechblaseinsatz brilliert Bernhard Regler, Klaus Regler sorgt am Regel-Pult und am Akkordeon für besten Sound.

© Inge Braune

Schäftersheim. Seit 1986 sind Bernhard Nagl, Bernhard Regler und Klaus Regler musikalisch gemeinsam unterwegs. "Gwerch" heißen sie. In fränkischer Zunge steht das für Durcheinander, Chaos, Übermaß an Sach' und Lärm. Und in Nürnberg steht "Gwerch" für die auf Ochsenmaulsalat basierende kulinarische Lokalspezialität.

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Letztere gibt es nicht in der Klosterscheuer-Scheune - hier stehen Oabatzder und Leberkässemmel auf der Scheunen-Speisekarte. Und ersteres, Chaos also, ist beim genialen fränkischen Trio "Gwerch" auch nicht zu finden: Ganz und gar wohlgeordnet platzierten sie sich und ihre Instrumente - diverse Gitrarren, Mandoline, Ukulele, Tenorhorn und Akkordeon - auf der Schäftersheimer Scheunenbühne, und die rund 100 Fans der inzwischen schon zur Kult-Tradition gewordenen Liederkranz-Veranstaltung "Comedy uffm Dorf" können alles, ganz gewiß aber kein Übermaß an Lärm wahrnehmen.

"Gwerch" selbst definiert den Bandnamen als Abkürzumg für "geniale, wunderbare, einfühlsame, richtungsweisende Chansons". Und Unrecht haben sie nicht damit, aber sie begehen eine Unterschlagung: Es fehlen Humor, Spaß, Selbstironie, Spielfreude - nur unter anderem. Geneigte Leser merken schon: es muss ein heiterer Abend gewesen sein in der Klosterscheuer-Scheune. Stimmt, denn zum Humortalent von Texter und Lead-Sänger Bernhard Nagl gesellen sich mit Berhnard Regler ein kongenial minimalistisches Komiktalent und mit Klaus Regler ein gern im Hintergrund verharrender Akkordeon-Meister, der en passent auch noch die Technik bändigt.

Sie leisten effektiv Widerstand gegen den Weltschmerz: den vielen Gründen, am Hier und Jetzt zu verzweifeln, stellen sie Wechweinsbradn mit Knödl, den Sonntagnachmittag, an dem mal keiner stört und eine AfD-Veransatltung, "und jeder sucht das Weite", entgegen, dem Alt werden - die allerjüngsten sie sie halt nicht mehr - den Plan, endlich erwachsen zu werden, und dem Rest der Welt den echten Franken gegenüber, den sie herrlich selbstironisch-lakonisch auf die Schippe nehmen: "Großzügichkeid i aa ned deneddisch anglgt." Da tanzt der fränkische "Derwischmann" durch den Orientexpress, da werden mit "St. Guillotin" und "St. Menisculus" Heilige der Kopflosen und der Fußballvereine vorgestellt, St. Georg, seines Zeichens Drachentöter, zum Schutzpatron der Schwiegersöhne erhoben, und St. Aloisius ermahnt, endlich die himmlischen Ratschläge an die bayerische Regierung weiterzugeben. "Mid a bissl guodem Willn geht alles", haben sie sich auf die Fahne geschrieben - auch das, Leben "Fern der Heimat", das Nagl inzwischen - OK, seit anderthalb Jahrzehnten, sieben Monaten und drei Tagen - in Gaukönigshofen verbringt. "Geh, schau mi ned so an, bloß weil i aus Bayern kumm, bettelt er: "Es war'n die anderern, ich hab no ned gewählt!"

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Horst Seehofer kriegt trotzdem sein Fett ab, zur Erheiterung des Publikums, das sich in manchem Text so liebevoll gespiegelt sah, dass es sich bog vor Lachen, und manchmal - Hallo! Runterkommen! - sinnierend übers Bier- und Weinglas krümmte.

Köstlich dann die Zugabenserie: unter drei lässt man in Schäftersheim nicht mal patschnass geschwitzte Sänger von der Bühne. Da drehten sie nochmal voll auf: "5000 drunken Irishmen", die an germanischen Ständen deutsche Volkslieder schmettern - ein Ohren- und ein Augenschmaus. Wärs nach dem Publikum gegangen, wär auch nach weiteren Zugaben noch lang noch nicht Schluss gewesen.

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Und gut einhundert Gäste wissen wieder: für richtig gute Unterhaltung müssen sie nicht zwingend immer in die Metropolen reisen. Manchmal nämlich liegt das Gute wirklich sehr nah. ibra