Galerie eröffnet - Karin Reuter präsentiert #0152vre im neuen Weikersheimer Atelier / Ehemalige Kinderarztpraxis in der Hauptstraße ist jetzt Kunstort Werke entfalten sich Raum für Raum

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Inge Braune
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"Abstrakt 2" heißt das jüngste Werk, das Karin Reuter in ihrer neuen Galerie präsentiert.

© Inge Braune

Weikersheim. Seit dem vergangenen Wochenende ist Weikersheim um einen Kulturplatz reicher: Karin Reuter, Architektin und Malerin, eröffnete in der Hauptstraße 54 ihr neues Atelier mit Galerie. Die Stimmung war leicht und heiter: Von vornherein hatte Karin Reuter ihre Eröffnungsveranstaltung ohne Reden geplant. Sie wünschte sich Gäste, die sich auf die Bilder und auf Gespräche einlassen. Genau so war es dann auch: angeregt und heiter kamen Vertreter von Stadt, Kirche, Vereinen miteinander ins Gespräch.

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Architekten plauderten mit Kunsterziehern, Maler und Malerinnen mit ehemaligen Praxismitarbeitern, interessierte Nachbarn und Zufallsbesucher genossen den Blick in die vier Ausstellungsräume und die fast schon familiär leichte Atmosphäre in der neuen Galerie. Es sind auch die Bilder von Karin Reuter, die diese Leichtigkeit prägen: Ohne jede Aufdringlichkeit blüht und leuchtet es auf Papier und Leinwand. Mit Aquarellen und Pastellen öffnet Karin Reuter den Blick auf Blüten und Landschaften, gegenständliche und abstrakte kraftvolle Öl- und Acrylarbeiten ermöglichen Begegnungen mit Innen- und Außenwelten, lassen innehalten.

Karin Reuter stammt aus Pforzheim. Künstlerisches Gestalten, berichtet sie, gehörte von Kindesbeinen an zu ihrem Leben. Selten sah man sie ohne Stift und Papier, und wenn, dann hatte sie sicher einen Fotoapparat zur Hand. Die Begeisterung fürs Bild übernahm sie wohl vom Vater, einem begeisterten Fotografen. Beruflich hatte sich Karin Reuter für die Architektur entschieden. Ihr Studium absolvierte sie heimatnah in Karlsruhe. Der Aufbruch in die weite Welt folgte zwei Jahre später: ab 1979 lebte sie drei Jahre in Botswana. Nach einer Zwischenstation in Stuttgart zog die Familie nach Weikersheim.

Ein Augenmensch

Der Aufenthalt in Botswana hinterließ Spuren in ihren Bildern, ebenso Reisen, die folgten. Sie ist ein Augenmensch: Ein Stückchen auf einer Baustelle gefundenes rostendes Eisen ist Inspiration, und ihr Augenmenschen-Talent, auf Wanderungen durch Wald, Flur und an Ständen bizarre Gegenstände zu entdecken, die nach Gestaltung rufen, lebt sie aus. Manches, das erst räumliche Collage war, die nur noch als Dokumentationsbild existiert, findet sich später in ihren Bildern wieder. Die gestaltet sie enorm vielfältig: Teilweise mehrfache Übermalungen und Abtragungen führen zu Schichtkompositionen, in die auch immer wieder andere Materialien einarbeitet werden. 2015 etwa entstand eine Reihe heller Materialcollagen, darunter auch zwei Großformate, bei denen die Gestalterin unter Rohseide auf Holz an Fenster erinnernde Hinterlegungen an Licht-, Schatten und Wellenspiel erinnernde sandige Strände schuf. Kräftige Farben dominieren andere, ebenfalls erst im vergangenen Jahr entstandene Werke, die sie schlicht mit dem Titel "Abstrakt" versah.

Stilistische Vielfalt

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Karin Reuter legt sich bewusst nicht auf eine Stilrichtung fest. Stilistisch, technisch und inhaltlich entwickelte sie eine enorme Gestaltungsvielfalt. Schon als Schülerin malte sie mit Ölfarben, später kamen Aquarell-, dann Pastell- und Acrylfarben hinzu. Oft sei sie nach Abschluss größerer Architekturprojekte aufs Malen umgestiegen, berichtet sie.

Dann genießt sie die große Freiheit, die die künstlerische Tätigkeit abhebt von der doch durch viele regelnde technische und bürokratische Vorgaben geprägten Architektenwelt, frönt der Lust am Ausprobieren und am regelrechten Eintauchen in die Farben.

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In ihrem Galerie-Atelier ist Karin Reuter schon lange "zu Hause": das in den 30er Jahren errichtete und immer wieder erweiterte und umgebaute Wohn- und Geschäftshaus, in dem zuvor ein Elektrobetrieb, dann eine Krankenkasse ihr Domizil hatten, gestaltete sie als Architektin bis hin zum Mobiliar zur Arztpraxis um. Etliche der aus der Kinderarztpraxis vertrauten Möbelstücke passen jetzt gut ins Ambiente des Galerie-Ateliers, das auf der Nordseite perfektes Licht für die Malerin bietet.

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Rund 60 in den letzten beiden Jahrzehnten entstandene Arbeiten sind derzeit in der Galerie zu sehen. In der ehemaligen Kinderarztpraxis kann sich das vielfältiges Oevre Raum für Raum entfalten - perfekt für Besucher, die sich gern intensiver auf einzelne Stilrichtungen einlassen möchten.

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