Gemeinderatsbeschluss - Durch Änderung des Tauberufer-Bebauungsplans wird Weg für Abriss der Stadthalle frei Discounter prägt künftig Stadteingang

Von 
Michael Weber-Schwarz
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Aus für die Stadthalle am Ortseingang: Noch ist die Bebauungsplanänderung pro Discounter Lidl rechtlich nicht festgezurrt, doch der Abriss der Veranstaltungshalle ist logischer Teil und Folge einer Willensbekundung des Gemeinderats am Donnerstag.

© Michael Weber-Schwarz

Weikersheim. Scheinbar unspektakulär der Beschlussvorschlag in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag: "Änderung des bestehenden Bebauungsplans Westliches Tauberufer". Doch mit diesem Beschluss (bei zwei Gegenstimmen aus den Reihen von SPD/UB/Piraten) wird der Weg freigemacht für den Abriss der maroden Stadthalle und den Neubau bzw. die Verlagerung des bestehenden Lidl-Markts. Gleichzeitig würde so wiederum Raum für einen Drogeriemarkt frei.

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Die Geschichte des Bebauungsplans reich weit zurück: Nach dem Kauf des Otto-Geländes an der Tauberbrücke wurde er aufgestellt. Ziel: Entwicklungszonen in den Schwerpunkten Kultur, Beherbergung, Sport und Gemeinbedarf in dem bananenförmigen Auengebiet längs der Tauber. Kreisel, Parkplätze mit Stadtanbindung, Hochwasserschutz, die Planungen für ein Veranstaltungshaus - einiges wurde bereits umgesetzt, daran erinnerte Bürgermeister Klaus Kornberger in der Sitzung, deren Thema neben den Räten rund 50 interessierte Bürger ins Rathaus gezogen hatte.

"Mit einstimmigem Beschluss des Gemeinderats vom November 2012 wurde der Bürgermeister beauftragt, das Grundstück der Stadthalle zu vermarkten", so Kornberger. Untergrenze für Investorengespräche: 1,5 Millionen Euro. 2014 habe der Rat ihn wiederum ermächtigt, einen Vertrag mit aufschiebender Wirkung abzuschließen - mit der Unternehmensgruppe Lidl.

Einen bislang "vorbildlichen Stadtplanungsprozess" attestierte Göran Schmidt von der Planungsgruppe Kölz für das Gebiet. Er wies aber deutlich darauf hin: "Das ist ihr Stadteingang". Ohne Emotionen dann die Grob-Vorstellung der Pläne von Lidl: Bis an die 1300 Quadratmeter Verkaufsfläche, 140 Auto-Stellplätze.

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Das Markt-Gebäude soll in einem Baufenster nordwestlicher als die Stadthalle entstehen. Dadurch ergeben sich "auch Auswirkungen auf das Sport- und Festgelände"; bis zu 35 Meter muss das Baugebiet dorthin verbreitert werden. Die Zufahrt könnte etwa ab der Mitte des Straßenabschnitts zwischen Kreisel und Brücke erfolgen. Die bisherige Zufahrt Richtung Sportheim/Club W71 fiele weg, liefe über den Parkplatz.

Von einem "städtebaulich sensiblen Bereich" war die Rede und der Bürgermeister ergänzte, dass man eine Bauform des Markts bevorzuge, wie er bereits von Lidl in Mannheim umgesetzt wurde: Flachdach, Holzlamellen an der Dachkante und Wandkonstruktionen aus gefüllten Steinkörben, so genannte Gabionen.

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In der Diskussion thematisierte Stadtrat Rainer Nase die "Ermächtigung" des Bürgermeisters. "Das entspricht nicht ganz meiner Erinnerung. Das Wort Vertrag sei damals "nie gefallen" und von einem Abriss der Halle "war niemals die Rede". Vielmehr sei ein "Konzept vor dem Vertrag" zugesagt gewesen.

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Thema war auch die Situation der Jeunesses Musicales (JMD), die Stadthalle als Probendomizil nutzt. Wie die JMD auf Anfrage der Redaktion mitteilte, probt rund ein Drittel aller Kursbeleger in der Halle, für den Opernkurs wird sie zudem für Bühnenstellproben genutzt. An 120 Tagen im Jahr "lasten wir die Halle aus", so JMD-Sprecherin Käthe Bildstein.

Übergangslösung für die JMD

Kornberger in der Sitzung: Es sei klar, dass man mit dem Bauvorhaben "der Jeunesses Räume wegnimmt". Es liefen aber Gespräche, wie man "für eine Übergangszeit von wenigen Jahren eine Übergangslösung" schaffen könne.

Stadtrat Karlheinz Moschüring bezeichnete es als "sinnlos", die Stadthalle zu erhalten. Die sei "total baufällig" - "eigentlich ist nichts mehr ganz." Die veränderte Situation für Schulen und Sportvereine müsse aber geklärt werden. Mehrere Räte pflichteten bei, Peter Rösch forderte eine "zeitliche Optimierung" der Abfolge von Baumaßnahmen.

Rätin Anja Lotz sagte zum Lidl-Projekt: "Ich empfinde es nicht als das Richtige, was wir uns am Stadteingang vorstellen sollten", gleichwohl stimme sie mit Blick auf die Haushaltslage der Stadt zu.

Jürgen Vossler fragte noch zu zusätzlichen Hochwasserschutzmaßnahmen nach. Solche Maßnahmen definiere das Landratsamt, sagte Kornberger. Zahlen müsse sie "der Investor".

Gegenreden zum Beschlussvorschlag gab es bis auf die genannten keine. Bei zwei Gegenstimmen wurde der Bebauungsplanänderung zugestimmt: Das bestehende "Parkplatzgelände" fällt aus dem Plan damit heraus, Sportanlagen und Festplatz sollen eine "Neuordnung" erfahren, der Stadthallenbereich wird als Sondergebiet "Einzelhandelsbetrieb" neu definiert. Die L1001 soll für eine Linksabbiegerspur aufgeweitet werden.

Sämtliche Kosten, die im Zusammenhang mit der Planänderung entstehen werden, soll der Investor Lidl tragen.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Bad Mergentheim