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Schloss Weikersheim - „Schöne Gemächer“ im Langenburger Saalbau werden mit großem Festwochenende am 23. Juli wieder eröffnet

Als wären sie gerade erst gegangen

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Originale Ausstattungsstücke zeigen eindrücklich, wie die Grafenfamilie am Weikersheimer Hof einst gelebt hat. Die „Schönen Gemächer“ im Langenburger Saalbau wurden renoviert und sind erstmals wieder ab Ende Juli zu besichtigen. © Veronika Nuding, Staatliche Schlösser und gärten

Weikersheim. Seit 2015 waren sie der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich: die Schönen Gemächer im Langenburger Saalbau. Ab Freitag, 22. Juli sind sie für die Schlossgäste von Weikersheim mit Führung wieder geöffnet und zeigen mit zahlreichen, originalen Ausstattungsstücken eindrücklich, wie die Grafenfamilie einst gelebt hat. An dem folgenden Festwochenende gibt es für Besucher viel zu entdecken.

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Schloss und Schlossgarten Weikersheim ist eine einzigartige Kostbarkeit, nicht nur innerhalb der Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Denn hier begegnen sich Spätrenaissance und Barock und bilden damit ein einmaliges Gesamtensemble, das die Besucherinnen und Besucher Geschichte hautnah spüren lässt.

Um diese Reise in die Vergangenheit noch erlebbarer für die Schlossgäste zu gestalten, greift das findige Personal des größten kulturhistorischen Anbieters im Südwesten auf moderne Ideen bei der Wiedereinrichtung der Schönen Gemächer zurück. Diese im Langenburger Saalbau gelegenen Räume bilden seit 2015 den Dreh- und Angelpunkt eines großangelegten Projekts. Das kommt Ende Juli nun zu seinem Abschluss und wird mit der Eröffnung am 22. Juli und dem anschließenden Festwochenende spektakulär gefeiert.

Mit dem Projekt haben es sich die Staatlichen Schlösser und Gärten zum Ziel gesetzt, für die Besucherinnen und Besucher ein möglichst authentisches Erlebnis der Lebens- und Wohnsituation der Fürstenfamilie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu schaffen. Man ist dabei nach dem Prinzip des „Living History Museums“, der gelebten Geschichte, vorgegangen.

Wandbespannungen, Möbel und weitere Ausstattungsstücke sind Originale aus dieser Zeit oder wurden, etwa im Fall der Vorhänge, diesen nachempfunden. Sie sind so aufgestellt, dass der Eindruck entsteht, die Bewohnerinnen und Bewohner hätten gerade erst den Raum verlassen. Dadurch wird das Erlebnis bei einer Führung durch das Schloss noch bezwingender. Ab Ende Juli können die Besucherinnen und Besucher in Führungen die Schönen Gemächer betreten. Sie dienten als Repräsentations- und Schauräume, die von Graf Carl Ludwig und seiner Frau, Fürstin Elisabeth Friederike Sophie, nur wenigen und ausgewählten Standespersonen gezeigt wurden.

Ein Highlight stellen das Hauptgemach und das Schlafgemach dar. In der Raummitte des Hauptgemachs sind zwei prunkvolle Tische mit einer belebten Szenerie aufgestellt. Ein Tisch zeigt, nach einem Gemälde von Jean-Etienne Liotard, die beliebten Heißgetränke der Zeit, Tee und Kaffee, mit einer Kumme. In dieser wurden die Teeblätter oder der Kaffeesatz ausgespült. Auf dem zweiten Tisch ist eine Kartenspielszene mit historisch nachempfundenen Spielkarten und Gläsern dargestellt, darunter etwa ein Sturzbecher, den man leer trinken musste, bevor man ihn wieder auf den Tisch abstellen konnte.

Das Schlafgemach wiederum wird dominiert von einem prächtigen Prunkbett. In diesem hat wohl nie jemand geschlafen. Denn es ist zwar wunderschön anzuschauen, aber es ist äußerst beschwerlich, in das Bett hinein und wieder heraus zu gelangen. Das Appartement diente daher wohl ausschließlich Repräsentations- und Schauzwecken. Graf Carl Ludwig und seine Frau, Elisabeth Friederike Sophie, orientierten sich, wie viele Adelige dieser Zeit, am Versailler Hofstaat. Jedoch bot das Weikersheimer Schloss nicht die Raumverhältnisse, die dem französischen König zur Verfügung standen. Aus finanziellen Gründen war auch an einen Neubau nicht zu denken. Um aber dennoch dem eigenen Geltungsanspruch zu genügen, zumal sie später in den Fürstenstand erhoben wurde, nutzte die Grafenfamilie das Erbe des Vaters und die Mitgift von Elisabeth Friederike Sophie, um die Residenz prunkvoll auszustatten.

Mag die Reichsgrafschaft klein und politisch unbedeutend gewesen sein, dem stilvollem Repräsentationsgedanken tat das keinen Abbruch. Graf Carl Ludwig kaufte in Leipzig und Nürnberg kostspielige Wandbespannungen und ließ prunkvolle Möbel und kunstvolle Gemälde von regionalen Künstlern erschaffen. Das Ergebnis dieser Bemühungen wird in den bald wiedereröffneten Schönen Gemächern sichtbar.

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