Sitzung des Gemeinderates - Die Stadt will das Ökokonto für mögliche Waldrodungen füllen Waldrefugien als Ausgleichsflächen

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ds
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Das Thema Waldrefugien nahm bei der Sitzung des Gemeinderates breiten Raum ein. Hintergrund ist eine mögliche Erweiterung der Firma Procter & Gamble.

Für eine mögliche Erweiterung der Firma Procter & Gamble will die Stadt eine Fläche im Gebiet „Schöner Busch“ als Baugebiet ausweisen. © Adrian Brosch
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Walldürn. Die Stadt will dem Unternehmens Procter & Gamble gewerbliche Bauflächen für eine eventuelle Erweiterung bereitstellen. Das Thema stand am Montag in der Sitzung des Gemeinderates in der Nibelungenhalle auf der Tagesordnung. Für eine eventuelle Erweiterung werde eine große Fläche Wald benötigt, die die Stadt ersetzen müsste, sagte Bürgermeister Markus Günther bei der Sitzung. Für die Rodung des Waldes müssen andere Flächen im Stadtwald als Ausgleich aus der Nutzung genommen werden.

Wie Stadtkämmerer Joachim Dörr erklärte, sollte eine Waldbegehung am 16. Oktober durchgeführt werden, in der die Forstbetriebsleitung Beispiele für die Ausweisung aufgezeigt hätte. Das schlechte Wetter und die Corona-Lage führten jedoch zur Absage. In dieser Sitzung solle nun über die Ausweisung Beschluss gefasst werden.

Dem Gemeinderat wurden noch Informationen gegeben, die vom Ingenieurbüro für Umweltplanung, Mosbach unter dem Leitthema „Waldrefugien im Stadtwald Walldürn für die Aufnahme in das bauplanungsrechtliche Ökokonto“ erstellt wurden. Die Revierleiter Stefan Michel, Thomas Riemer und Ulrich Kipple haben dazu 37 Waldflächen mit zusammen 72 Hektar Fläche vorgeschlagen, die als Waldrefugien in Frage kommen.

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Diese Waldrefugien sind auf Dauer eingerichtete Waldfläche, die ihrer natürlichen Entwicklung bis zum Zerfall überlassen werden, also ein Nutzungsverzicht aus ökologischen Gründen beziehungsweise aus Gründen des Artenschutzes. Die Flächen wurden gemeinsam begangen und als naturschutzfachlich geeignet bewertet.

Die Schaffung von Waldrefugien wird nach der Ökokontoverordnung mit vier Ökopunkten je Quadratmeter bewertet. In den Maßnahmenpool zum Ökokonto der Stadt können geplante Waldrefugien aufgenommen werden, die nach ihrer Ausweisung in der Forsteinrichtung mit 2,88 Millionen Ökopunkten ins bauplanungsrechtliche Ökokonto der Stadt eingebucht werden können.

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Für die Bereitstellung des Geländes für Procter & Gamble – nötig wäre eine Waldfläche von 10,7 Hektar im Gebiet „Schöner Busch“ – muss die Stadt rund 2,7 Millionen Ökopunkte vorweisen, so die Berechnungen des Ingenieurbüros. Ob die vorgesehenen Flächen tatsächlich zu Waldrefugien werden, entscheide sich erst bei einer späteren Forsteinrichtung.

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Nach Vortrag aller Zahlen und Fakten durch Stadtkämmerer Joachim Dörr sowie einer Diskussionsrunde beschloss der Gemeinderat einstimmig, die Aufnahme der benötigten Waldrefugien in den Maßnahmenpool des bauplanungsrechtlichen Ökokontos der Stadt Walldürn und die erforderlichen Flächen der Waldrefugien für die weitere Flächennutzungsplanung „Schöner Busch“ bereitzustellen.

Bürgermeister Markus Günther dankte abschließend insbesondere noch einmal den Forstmitarbeitern für die stets gute Zusammenarbeit im Bemühen um eine solche Ausweisung von Waldrefugien im Stadtwald Walldürn. ds