Ehefrau erstochen - 74-Jähriger gesteht die Tat / Motiv und weitere Einzelheiten weiterhin unklar Verdächtiger in Untersuchungshaft

Von 
Ralf Scherer
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Ein 74 Jahre alter Mann hat am Donnerstag seine Frau in der gemeinsamen Wohnung in der Miltenberger Straße erstochen. Seit Freitag sitzt er in Untersuchungshaft.

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Walldürn. Am Tag nach den tödlichen Messerstichen in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses in der Miltenberger Straße erinnert auf den ersten Blick nichts an ein Gewaltverbrechen. Keine Blumen oder Kerzen, keine sonstigen Zeichen von Anteilnahme. Nur das polizeiliche Siegel an der Wohnungstür gibt einen Hinweis darauf, dass sich am Donnerstagmorgen in der Wohnung im ersten Obergeschoss ein blutiges Drama abgespielt hat.

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Kurz nach 9 Uhr war es dort zur Katastrophe gekommen, als ein 74 Jahre alter Mann zu einem Messer gegriffen und auf seine Ehefrau eingestochen hatte. Nach den Fränkischen Nachrichten vorliegenden Informationen lief er wenig später die Treppe zur Dachgeschosswohnung hinauf, klingelte an der Tür seiner Nachbarn und sagte: "Ich habe gerade meine Frau erstochen."

Tod festgestellt

Daraufhin wählten diese gegen 9.50 Uhr den Notruf. Kurze Zeit später trafen mehrere Polizeistreifen vor dem Mehrfamilienhaus ein. In der Wohnung des Ehepaares fanden die Beamten die 72 Jahre alte Frau leblos auf. Ein ebenfalls verständigter Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen.

"Plötzlich war die ganze Straße voller Polizei und Blaulicht", erinnert sich eine Anwohnerin im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Wie viele ihrer Nachbarn war sie zur Tatzeit nicht zu Hause und bemerkte erst bei ihrer Rückkehr am frühen Nachmittag, was sich auf der anderen Straßenseite vor dem markanten Sandsteingebäude abspielt.

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Neben Beamten der Kriminalpolizei aus Tauberbischofsheim, die die Ermittlungen in diesem Fall leiten, waren auch Kriminaltechniker aus Heilbronn in der Wohnung damit beschäftigt, das Geschehen zu rekonstruieren, die übrigen Bewohner des Hauses zu befragen und Beweise zu sichern. Parallel dazu verhörten die Ermittler den 74-Jährigen. Im Verlauf dieser Vernehmung räumte er ein, seine Frau getötet zu haben - offenbar mit mehreren Stichen in den Halsbereich. Von den Beamten wurde er am frühen Nachmittag vorläufig festgenommen und durch den Keller aus dem Haus abgeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich auch der Leichnam der Frau noch in der Wohnung und wurde schließlich ebenfalls abtransportiert.

Weshalb der 74-Jährige seine Frau erstochen hat, ist bisher allenfalls den ermittelnden Beamten bekannt. Zu möglichen Motiven und Einzelheiten der Tat wollte sich der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Mosbach, Hansjörg Bopp, gestern nicht äußern. Auch die Anwohner können diesbezüglich nur spekulieren.

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Viele kennen das Ehepaar aber ohnehin nur vom Sehen und beschreiben beide als zurückhaltend, ruhig und freundlich. Außer einem kurzen Gruß über die Straße gab es mit den Nachbarn offenbar kaum Kontakt. Erklären kann sich die Tat aufgrund des völlig unauffälligen Verhaltens des Ehepaars und des dadurch gewonnenen positiven Eindrucks niemand.

Obduktion angeordnet

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Für Montag hat Erster Staatsanwalt Hansjörg Bopp erste Details zu der Bluttat in Aussicht gestellt. Eventuell liegen dann auch schon abschließende Erkenntnisse zur Todesursache vor. Um diesbezüglich auf Nummer sicher gehen zu können, wird nämlich der Leichnam des Opfers von Gerichtsmedizinern obduziert.

Der mutmaßliche Täter befindet sich derweil im Gefängnis. Nachdem er bereits die Nacht in Polizeigewahrsam verbracht hatte, ordnete am Freitag der zuständige Haftrichter aufgrund der schwere des Tatvorwurfs Untersuchungshaft für den 74-Jährigen an.

Redaktion Ralf Scherer ist als Redakteur in der Lokalredaktion Buchen und im Online-Bereich tätig. In seiner Heimatstadt Walldürn, aber auch in vielen anderen Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises ist er seit 14 Jahren als Lokaljournalist unterwegs.