Interimsunterkunft für Flüchtlinge - Polizei ermittelt wegen versuchter Nötigung Unüberlegte Affekthandlung

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Ralf Scherer
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Ein Großaufgebot an Einsatzkräften war am Montagabend im Einsatz, um zwei Syrer vom Sprung vom Dach der Interimsunterkunft abzuhalten.

© Scherer

Walldürn. Nachdem am Montagabend zwei junge Syrer auf das Dach der Interimsunterkunft im ehemaligen Lidl-Markt geklettert waren und gedroht hatten, herunter zu springen, ermittelt nun die Polizei wegen versuchter Nötigung gegen die 18 und 20 Jahre alten Männer.

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Gegenüber den FN spricht Rainer Köller vom Polizeipräsidium Heilbronn Heilbronn von einem routinemäßigen, wenn auch nicht alltäglichen Vorgang, weil die beiden Syrer mit ihrer Androhung versucht hätten, Forderungen gegenüber den Behörden durchzusetzen. Ob und wie sich die polizeilichen Ermittlungen auf das Asylverfahren der Männer auswirken, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen.

Bei der Suche nach den Ursachen für das Verhalten der beiden Syrer verweist etwa Martin Kuhnt vom Walldürner Arbeitskreis Asyl auf die völlig fehlende Privatsphäre in der Interimsunterkunft: "Denen fällt die Decke auf den Kopf." In das Gebäude kehre nie Ruhe ein, da jeder der über 100 Bewohner nach seinem persönlichen Tages- und Nachtrhythmus lebe. Deshalb reiche oft eine Kleinigkeit aus, um "viele kleine Probleme zu einem großen Problem zu stilisieren". Aus diesem Grund werbe der Asylkreis seit Monaten vergeblich um die Einrichtung einer Begegnungsstätte für Asylbewerber und interessierte Bürger. "Damit die Flüchtlinge mal rauskommen und etwas anderes sehen", so Kuhnt.

Den 20-Jährigen beschreibt er aufgrund seiner Kriegserfahrungen in Syrien als traumatisiert und labil. "Eigentlich müsste man für ihn eine psychologische Betreuung organisieren." Den 18-Jährigen habe er als durchaus vernünftig, aber eben auch als impulsiven Wortführer kennengelernt. Beide seien wohl in einer Art unüberlegter Affekthandlung auf das Dach geklettert.

Lösbare Probleme

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Die geäußerten Missstände könne er nicht an konkreten Beispielen festmachen. "Ich habe diese Erfahrung nicht gemacht", sagt Kuhnt im Hinblick auf ein angeblich beleidigendes Verhalten der Bevölkerung gegenüber den Asylbewerbern. Auch die wenigen echten Probleme in der Unterkunft, etwa die Hygiene betreffend, stufte er als lösbar ein.

Eine Gelegenheit, ihre Probleme erneut zu schildern, erhalten die beiden Syrer in den nächsten Tagen. "Wie bei den Verhandlungen zugesagt, werden Verantwortliche des Landratsamts das Gespräch mit den beiden Bewohnern suchen", bestätigt Jan Egenberger, Pressesprecher des Landratsamts. In seiner Stellungnahme betont er: "Wo immer aufseiten der Flüchtlinge Fragen zu den Unterkünften auftreten, werden diese mit den vor Ort eingesetzten Mitarbeitern des Landratsamtes und Sozialarbeitern besprochen."