Historie

Sternsingen hat eine lange Tradition

Einblick in das Dreikönigs-Brauchtum von einst und heute

Von 
Roland Schönmüller
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Die Sternsinger sind eine lange Tradition. © Roland Schönmüller

Odenwald-Tauber. Sternsinger nennt man bekanntlich die Mädchen und Jungen, die am sechsten Januar von Haus zu Haus ziehen, ihre bekannten Dreikönigslieder singen und Verse vortragen. Heute sind sie im Auftrag der christlichen Kirchen unterwegs: Die gesammelten Spenden kommen Kindern in armen Ländern zugute.

Unterwegs zu den Familien

Als Könige gewandet und von einem Sternträger begleitet, machen sich Kinder und Jugendliche nach dem Aussendungsgottesdienst meist schon am Vorabend von Dreikönig auf den Weg zu den Häusern und Familien der einzelnen Pfarreien. Die Kreide-Inschrift der Sterninger an die Haustüren mit der aktuellen Jahreszahl 2023 und die Segensformel C + M + B steht für die lateinischen Worte „Christus mansionem benedicat“ und bedeutet „Christus segne dieses Haus“.

Alter Brauch

Interessantes und Wissenswertes

Die Sternsinger sammeln für guten Zweck. Sie tragen die „Frohe Botschaft weiter: 20 C + M + B 23.

Am kommenden Freitag ist Dreikönigstag: das Epiphaniasfest. Christen gedenken der Erscheinung der Heiligen Drei Könige im Stall zu Bethlehem.

Somit gilt der 6 Januar als das letzte, abschließende Hochfest der Nachweihnachtszeit.

Oft schon am Vorabend des Dreikönigsfestes weiht die katholische Kirche Kreide, Salz und Wasser.

Salz gab und gibt man dem Vieh daheim bei Krankheit oder Gefahr ins Futter, berichten unsere Altvorderen.

Mit der Kreide schreiben Familienmitglieder oder die Sternsinger die abgekürzten Namen der heiligen Dreikönige mit einem Kreuz dazwischen und der Jahreszahl an die Haustüren: „20 C + M + B 23“.

Nach dem Volksglauben bleiben so Übel und Unheil ein ganzes Jahr lang diesem Hause fern. Eine andere Erklärung ist der Hinweis auf den altchristlichen, lateinischen Segensspruch: „Christus Mansionem Benedicat“, übersetzt: „Christus segne dieses Heim“.

Bekannt ist auch am Dreikönigsfest die Redewendung „An Dreikönig muss man sich die Stärk antrinken!“. Vom Dreikönigswasser sollen – so die Überlieferung – drei Schluck getrunken werden. Das helfe gegen Krankheit und Unglück.

Am 6. Januar und vielleicht schon am Samstag und Sonntag ziehen auch heuer wieder die Sternsinger von Haus zu Haus, singen Lieder, sprechen Gebete und sammeln für einen gemeinnützigen Zweck.

In der Regel sind es Ministranten in mehreren Gruppen, die in einzelnen Gemeinde- und Stadtteilen unterwegs sind.

In ihren festlichen, farbenfrohen Gewändern erinnern sie an die frohe Botschaft von der Menschwerdung Jesu und an die Erscheinung des Herrn. rsc

Weit zurück führt der Ursprung des Sternsingens. Bonifatius, der Apostel der Deutschen, hatte bereits im achten Jahrhundert ein Neujahrssingen ähnlicher Art erwähnt, wobei bekanntlich früher der sechste Januar nach alter Zeitrechnung als eigentlicher Neujahrstag gefeiert wurde.

Schon im Mittelalter war der Brauch des Sternsingens weit verbreitet. 1957 erfuhr das Sternsingen eine neue Sinngebung und Verbreitung, als ihn der Bund der Katholischen Jugend in den Dienst der Weltmission stellte.

Seither dient der Erlös der Sammlungen und „Sternsinger-Aktionen“ Einrichtungen für arme Kinder in Südamerika, Afrika und Asien.

In Franken besonders, im süddeutschen Raum überhaupt, galt und gilt das Fest der Heiligen Drei Könige, auch Epiphanias- oder Erscheinungsfest genannt, noch heute im Brauchtum als letzter, „oberster“ Tag der Zwölfnächte, mancherorts oft noch als der eigentliche Beginn des neuen Jahres.

Zum Dreikönigsfest gehört auch das unvergessene und seit altersher gern geübte Stärke-Antrinken. Eine Redewendung unserer Vorfahren legitimierte gleich zweimal zum Wirtshausbesuch in diesen Tagen. Sie besagt und fordert: „An Neujahr muss man sich die Schönheit, und an Dreikönig die Stärke antrinken“.

Andere Bauernregeln verbreiten Hoffnungsschimmer: „Dreikönigsabend hell und klar, verspricht ein gutes Wein-Erntejahr.“ „Wenn bis Dreikönig kein richtiger Winter ist, kommt keiner mehr!“

Im Spessart, Odenwald und anderen fränkischen Waldgegenden hieß der Dreikönigstag auch Dienstboten-Neujahr. Da wurden die Mägde und Knechte mit Eiern, Speck und Zehnpfennig-Brezeln beschenkt. Mancherorts hatten die Dienstboten einen freien Tag und brauchten keine Stallarbeit zu machen.

Der Dreikönigstag war so in fränkischen Gegenden auch der sogenannte Wander- und Bündlistag, also der Termin des Dienstbotenwechsels. Bereits Wochen zuvor fragte man manche Knechte und Mägde: „Ist das Bündel gerückt?“

Besondere Ehre

In der Umgebung von Stadtprozelten im Südspessart war früher der Dreikönigstag der sogenannte Frauen-Gesellschaftstag, das heißt, an diesem Tag musste die Frau von dem Mann in das Wirtshaus ausgeführt werden, da man am „Obersten“ die Stärke antrank.

Mit dem Dreikönigstag schließt der Weihnachtsfestkreis: der Christbaum wurde in vielen Familien entleert und das war vor allem für die Kinder ein Freudentag.

Gleichzeitig begann auch wieder das durch die Weihnachtstage unterbrochene Fastnachtstreiben.

Überlieferungen und Symbole

Mit dem Dreikönigstag enden die zwölf Nächte, in denen die Dunkelheit mit dem Licht kämpft und die Berchten als Anführer(innen) des wilden Heeres durch die Lüfte reiten.

Die Heiligen Drei Könige werden seit langer Zeit auch als Schutzpatrone der Reisenden verehrt. Daran erinnern noch heute die Namen vieler Gasthäuser, die den Namen „Stern“, „Krone“, „Mohr“ oder „Zu den Heiligen Drei Königen“ tragen.

Unter dem Zeichen dieser alten Überlieferungen und Bräuche hat das neue Jahr seinen Anfang genommen und damit schließt sich der Ring der festlichen Tage in der Weihnachtszeit.