Volkstrauertag in Walldürn - Feierstunde auf dem Friedhof / Stadtpfarrer Pater Josef Bregula hielt die Gedenkansprache Opfern von Krieg und Gewalt gedacht

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Auf dem Walldürner Friedhof fand eine Feierstunde zum Volkstrauertag statt. Das Bild steht stellvertretend für die Feiern, die im Kreis stattfanden.

© Bernd Stieglmeier

Walldürn. Eine Feierstunde zum Volkstrauertag fand am Sonntagvormittag auf dem Walldürner Friedhof statt. Dabei wurde der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Odenwälder Trachtenkapelle unter der Leitung von Meikel Dörr sowie vom Männergesangverein "Frohsinn" Walldürn unter der Leitung von Michael Wüst.

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Nach dem feierlichen Zug zum Kriegerdenkmal, das von einer Ehrenwache der Bundeswehr eskortiert wurde, trug Stabsunteroffizier Nico Hördt das Gedicht "Überfahrt" von Mascha Kaléko mit einigen nachdenklich stimmenden Gedanken zum Volkstrauertag vor, ehe der Kommandeur des Logistikbataillons 461, Oberstleutnant Marko Dietzmann, all derer gedachte, die in den beiden zurückliegenden Weltkriegen ihren Leben lassen mussten oder Opfer der Gewalt und des Terrorismus wurden. Man denke am Volkstrauertag an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Man trauere mit allen, die Leid tragen um die Toten und teile ihren Schmerz. Darum sei man am Volkstrauertag auf dem Friedhof: Um das Andenken der Opfer von Krieg und Gewalt zu bewahren, damit ihr Leid nicht vergessen wird und stets eine Mahnung bleibt, den Frieden zu wahren und allem entgegenzutreten, was diesen Frieden bedroht und neue Opfer fordert.

Gedenken immer noch wichtig

Darum sei dieses Gedenken immer noch wichtig, denn Krieg und Gewalt würden heute näher und präsenter denn je scheinen. Und je länger die Kriegsgräuel der Weltkriege zurückliegen würden, desto mehr Konflikte auf der Welt würden wie-der mit Gewalt einherzugehen scheinen, und desto weniger scheine die Mahnung der Toten der Vergangenheit zu wirken.

Nach der von Pfarrer Karl Kreß vorgetragenen Lesung aus dem 2. Brief des Apostel Paulus an die Korinther folgte die Gedenkansprache von Stadtpfarrer P. Josef Bregula OFM Conv.. An diesem Tag denke man an die Toten der beiden Weltkriege, an die getöteten Soldaten und Zivilisten auf beiden Seiten der Front sowie an die vielen Toten der Kriege, die seitdem und noch heute geführt wurden und werden, wobei dabei immer mehr die Zahl der zivilen Opfer ansteigen würde, vor allem der Frauen und Kinder.

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Doch trauere unser Volk Über-Haupt? Warum trauere es? Trauere es noch um die Toten des Zweiten Weltkriegs, um die Toten von Auschwitz, um die Toten der vielen Kriege seitdem, um die Opfer heute? Er persönlich habe den Eindruck, dass vieles verdrängt werde. Man wolle in der Spaß- und Erlebnisgesellschaft nicht gestört werden. Wenn, dann würden uns die Sorgen von heute bedrängen, etwa Arbeitslosigkeit, wachsende Armut oder Unsicherheit der Renten. Das alles solle nicht beiseite gewischt werden, doch wahre Trauer öffne den Blick für das Leid der anderen, für das ungelebte und abgebrochene Leben in unserer Welt. Es gehe um Menschen wie du und ich, denen die Lebenschancen genommen worden seien. Wenn wir davor die Augen verschließen würden, dann bleibe nur der blanke Egoismus zurück, die Mentalität der Sieger, die sich um die Opfer nicht kümmern würden.

Der sogenannte Kampf gegen den Terrorismus scheine alles zu rechtfertigen - auch neue Opfer unter den Soldaten und vor allem unter der Zivilbevölkerung, bei Frauen und Kindern. Aber man könne Hornissenschwärme nicht mit Raketen und Bomben bekämpfen. Man reize sie nur noch mehr. Sie würden dann stechen, wo sie nur könnten. Und was sei eigentlich "Kampf gegen den Terrorismus"? Sei dieser Kampf nicht vielmehr ein Kampf um wirtschaftliche Einflusszonen und um Basen für eine unilaterale Weltherrschaft? Die Lügen zur Begründung des Irak-Krieges seien ja inzwischen zerplatzt. Zu wessen Kriegsknechten sollten wir wohlgemacht werden?

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Die Welt, die Menschen, die Regierungen, die Mächtigen müssten erkennen, dass die alten Waffen, so modern sie auch sein mögen, nicht mehr helfen würden. Gegen den Terrorismus und seine Wurzeln würden nur mehr Gerechtigkeit, gegenseitige Achtung, Menschenwürde, Verzicht auf die alleinige Weltherrschaft eines Staates oder eine Staatengruppe, Verzicht auf weltweite Herrschaft eines Wirtschaftssystems oder einer Lebensweise helfen. Solche Weltherrschaft sei immer mit der Demütigung und Erniedrigung der andern verbunden und werde so selber zur Wurzel von neuem Terrorismus.

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Genau da werde die Bedeutung des Volkstrauertages ganz aktuell: Trauer um die Toten von damals stehe nicht nur gegen das Vergessen der Opfer, sondern mache auch wachsam gegen jede Gewöhnung an Leid und Unrecht, gegen jede neue Gewöhnung an Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Wir alle wüssten um das Leid und den gewaltsamen Tod in der Geschichte und heute.

Daraus wachse unser Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. Ansonsten wäre der Volkstrauertag und unsere Beteiligung daran nur eine billige Ausrede.

Hoffnung auf Leben

Zur Mitte des Glaubens als Christen gehöre das Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu. Wir könnten an das Kreuz Jesu nicht denken, wenn wir die anderen Kreuze der Weltgeschichte, das verweigerte und abgebrochene Leben von Menschen ausblenden würden. Nur aus dem Gedächtnis der Leidenden wachse die Hoffnung auf Leben auch für die Opfer, wachse die Kraft, für das Leben einzutreten, damit solche Opfer vermieden würden und Friede sich ausbreite, der auf Gerechtigkeit wachse und Menschenwürde für alle ermögliche.

Soldaten des Bundeswehrstandortes Walldürn, Reservisten der RK Walldürn und Feuerwehrmänner legten anschließend die Kränze der beiden örtlichen Kriegsopferverbände VdK und Sozialverband Deutschland, des Verbandes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der Stadt Walldürn und des Bundeswehrstandortes Walldürn zu Ehren der im 1. und 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten vor dem Kriegerehrendenkmal auf dem Walldürner Friedhof nieder.

Bürgermeister Markus Günther sagte, die Erinnerung an die leidvolle Vergangenheit, an eine Geschichte von Angst und Tod, die sich bis heute immer und immer wieder an vielen Orten der Welt wiederholte, die Erinnerung an das millionenfache Sterben durch Willkür, Unmenschlichkeit und rücksichtsloses Machtstreben, und das wirklich grenzenlose Mitgefühl mit dem bleibenden Leid der Familien sei Mahnung und Herausforderung an alle Lebenden zugleich. Nicht nur an die Politiker, nicht nur an die Verantwortlichen in Kirchen und Verbänden, sondern an jeden von uns. Er dankte allen, die diese Feier mitgestaltet haben.

Mit dem Abspielen der Nationalhymne durch die Trachtenkapelle klang die Feierstunde aus. ds