Jeden Samstag auf dem Schlossplatz - Qualität und Frische sind auch im Lockdown geschätzt / Fröhlich Schlange stehen und Konversation betreiben Mehr Kunden auf dem Wochenmarkt

Von 
Daniela Käflein
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Während der Einzelhandel in Corona-Zeiten Einbußen beklagt, nutzen die Walldürner Kunden den Wochenmarkt am Samstag vermehrt. Die FN haben sich auf dem Schlossplatz umgehört.

Stichwort Wochenmarkt

Eröffnet wurde der Walldürner Wochenmarkt im April 2011 auf dem Schlossplatz. Jeden Samstag findet er dort von 8 bis 12 Uhr statt.

Das Angebot der Händler reicht neben Obst und Gemüse (erst wieder ab März) über frischen Fisch, Räucherfisch, Fleisch- und Wurstwaren bis hin zu Backwaren, Milch und Joghurt.

Der Walldürner Wochenmarkt ist ein Projekt der Stadt Walldürn in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketingverein „Walldürn gemeinsam“. dani

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Walldürn. Die Kunden stehen in langen Schlangen mit dem gebotenen Abstand und mit Masken vor den Fahrzeugen von Fischhändler Hartmut Hoh und Karin Ditter aus Pülfringen, die Wurst- Fleischwaren verkauft. Und das, obwohl es frisch geschneit hat und richtig kalt ist. In lockerer Atmosphäre gibt es das ein oder andere Schwätzchen. Eine Tatsache, die im Lockdown besonders gut tut.

„Leute bewusster geworden“

„Die Frische und die Qualität bleiben ja auch in Corona-Zeiten erhalten“, erklärt Thorsten Mechler, der seinen kleinen Sohn Constantin zum Einkaufen mitgenommen hat, den Grund, warum es ihn immer wieder zum Wochenmarkt zieht. Grundsätzlich, so schätzt der Marktbesucher, werden viele Geschäfte nach Corona neue Vertriebswege finden müssen, weil viel online gekauft werde.

„Die Leute sind mit Corona bewusster geworden“, meint Ute Baumann, die ebenfalls regelmäßig den Walldürner Wochenmarkt nutzt. Generell gelte für sie, dass die Qualität einen höheren Stellenwert gewonnen habe.

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„Und wenn ich sehe, mit welcher Liebe Hartmut Hoh seine Fische behandelt, dann weiß ich genau, dass ich hier an der richtigen Adresse bin“, ist sie überzeugt. Obwohl man warten müsse, sei das für die Kunden kein Hindernis. „Im Gegenteil: Es dient der Kommunikation“, lächelt sie. Grundsätzlich habe sich ihrer Meinung nach mit Corona das Kaufverhalten verändert. Bei sich selbst hat sie festgestellt: „Man macht viel selber und guckt auch, dass die Sachen leer werden, bevor wieder neu gekauft wird.“

Regelmäßig kauft auch Christine Heckmann aus Glashofen auf dem Wochenmarkt ein. „Ich hoffe, dass sich die Leute im Lockdown darauf besinnen, wieder mehr lokal einzukaufen. In unserer Familie haben wir das schon mit den Weihnachtsgeschenken so gehandhabt“, verdeutlicht sie im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. „Die Leute sollten auch einfach in den örtlichen Geschäften nachfragen, ob es das Produkt gibt, bevor sie es im Internet bestellen. Fragen kostet nichts“, ergänzt sie.

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Traude Friedlein aus Walldürn kommt regelmäßig auf dem Wochenmarkt. „Im Lockdown gehe ich gezielter einkaufen. Und nicht so oft“, verdeutlicht sie. Am Wochenmarkt schätzt besonders den eingehaltenen Abstand und dass man im Freien ist.

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Katrin und Rüdiger Stobbe wohnen in Buchen. Sie hat aus Schleswig-Holstein in den Odenwald geheiratet und schätzt den Fischstand von Hartmut Hoh. „Wir kochen gern. Aber wir unterstützen auch die Restaurants und gehen einfach gern auf den Markt“, erklärt ihr Mann Rüdiger.

Karin Ditter aus Pülfringen, die Fleisch und Wurst ab Hof anbietet, bilanziert, dass die Kunden in Corona-Zeiten mehr geworden seien. Auch Neukunden seien dazu gekommen. „Natürlich muss man bedenken, dass die Leute jetzt am Wochenende selbst kochen müssen, solange die Gastronomie geschlossen bleibt“, hebt sie hervor. Sie habe festgestellt, dass die Leute wissen wollen, wo das Produkt herkommt. „Die Bewusstheit hat in meinen Augen zugenommen“, erklärt sie und kann für sich verbuchen, dass Kunden auf dem Markt die Freundlichkeit besonders schätzen.

„Eher unregelmäßig“ trifft man Benno Schell aus Höpfingen auf dem Walldürner Wochenmarkt an. „Vom Gefühl ist es nahezu uneingeschränkt wie vor dem Lockdown. Nur, dass man eine Maske trägt“, verdeutlicht er seinen Eindruck. Seiner Einschätzung nach ist das Augenmerk auf hochwertige Lebensmittel gewachsen. Aber natürlich müsse man auch realisieren, dass Corona jeden Haushalt belaste, gibt er zu bedenken. „Man weiß einfach, wo das Fleisch herkommt“, argumentiert Sabine Kremela aus Höpfingen, die jeden Samstag auf dem Wochenmarkt ist und ebenfalls registriert, dass der Zulauf größer geworden ist.

Das „herrliche Angebot“ nimmt Marion Pföhler aus Hainstadt gerne an. Sie hofft, dass auch die anderen Einzelhändler auf dem Land Corona überleben. „Wenn alle im Internet bestellen, ist das schwierig“, meint sie.

Elke Feit aus Walldürn schätzt die Gerüche und Düfte auf dem Markt. Und ganz besonders die Frische. „Ich glaube, die Marktstände können Corona gut überstehen. Für den Einzelhandel sieht es da wohl schlechter aus“, meint sie. An die Maske habe sie sich inzwischen gewöhnt. Fischhändler Hartmut Hoh freut sich sichtlich über mehr Kunden. „Allerdings haben die Zahlen beim Verkauf der Fischbrötchen deutlich abgenommen, weil nicht mehr so viele Leute samstags im Städtchen unterwegs sind“, erklärt er. Die Leute seien seiner Beobachtung nach ernster geworden. „Und der Stellenwert vom Grünen Markt hat sich ins Positive verändert. Allerdings hat diese Entwicklung schon vor Corona eingesetzt“, meint er.

Seine Einschätzung für die Zukunft im Einzelhandel? „Für die, die durchhalten, läuft bald alles wieder normal. Das Internet bleibt und die Leute bleiben bequem.“

Info: Weitere Bilder vom Walldürner Wochenmarkt in einer Bildergalerie unter www.fnweb.de im Internet.

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