Lesung mit Anne Grießer - Die Autorin nahm ihre Zuhörer in der Galerie „Fürwahr“ mit auf eine spannende Reise / Entstehungsgeschichte des Buches erläutert Literarischer Spaziergang durch „Dürn“

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Adrian Brosch
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Anne Grießer las in der Galerie „Fürwahr“ aus ihrem neuen Buch „Der Fluch des Blutaltars“ und nahm die Zuhörer mit auf eine spannende Zeitreise. © Adrian Brosch

Wallfahrt, Aberglaube und Hexenwahn im 30-jährigen Krieg: Zu einem literarischen Spaziergang durch das alte „Dürn“ nahm die aus Walldürn stammende Schriftstellerin Anne Grießer mit.

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Walldürn. In der Galerie „FürWahr“ las aus ihrem zweiten großen Walldürn-Roman „Der Fluch des Blutaltars“ und vermischte die Lesung mit Hinweisen zur lokalen Geschichte.

Kaum hatte Achim Ullrich („BücherLaden“) das Publikum begrüßt, schlug Anne Grießer ihr neues Werk auf und begann zu lesen – und zwar von einer Walldürner Familiensaga längst vergangener Tage: Im frühen 17. Jahrhundert fristen die Juncker-Brüder Zacharias und Philipp eine fromme und gütige Jugendzeit, die sich in Walldürn und Miltenberg abspielt. Mit fünfzehn Jahren verspürt Philipp sanfte Gefühle, er ist in die anmutige Katharina Keim aus der „Oberen Vorstadt“ verliebt.

Seine berufliche Vita scheint vorbestimmt: Als jüngster Sohn der Bildhauerfamilie Juncker möchte auch er sein Leben der Kunst widmen. Aber alles kommt anders, als er bei einem Werkstattunfall sein Augenlicht verliert. Er kann weder den Blutaltar bauen noch aus dem Haus gehen. Kaum verlässt er seine Schlafkammer, gerät er in Unruhen: Der Schuster Lenz aus der Untergasse soll getötet werden, weil man ihn der Hexerei bezichtigt.

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Philipp ist fassungslos. Nach und nach realisiert er den Ernst der Lage und spürt den Ausnahmezustand der Kriegszeit, die es den Menschen leicht macht, einen ungesunden Aktionismus für Abergläubisches und Übersinnliches zu entwickeln. Beim Bau des Altars, mit dem sein Bruder Zacharias beauftragt wurde, beginnen sonderbare Vorfälle sich zu häufen.

Eines Tages ist von einer ominösen „Hexenverbrennung“ die Rede; auch der junge Juncker erkennt keinen Grund, das nicht zu glauben. Später wird aber auch Katharina als Hexe an den Pranger gestellt – und Philipp denkt nach: Er kommt zu dem Ergebnis, die seltsamen Geschehnisse analysieren zu müssen und die Wahrheit zu finden. Die Wahrheit über sich, seine Liebe, das Leben und den Blutaltar.

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Im zweiten Teil brillierte Anne Grießer durch einen wunderbaren musikalischen Beitrag: Sie griff kurzerhand zur Gitarre und interpretierte das Lied „Ist ein Schnitter heißt der Tod“, um die Zeit des dreißigjährigen Krieges nochmals mit Gänsehaut-Erinnerung herauf zu beschwören.

Herzlicher Charakter

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Die Lesung kam nicht zuletzt durch ihren herzlichen Charakter und das musikalische Intermezzo bestens an. Es handelte sich nicht nur um eine reine Buchbesprechung, sondern viel mehr um eine heimatgeschichtliche „Abendrunde“: Etappenweise gewährte Anne Grießer aussagekräftige Seitenblicke in die spannende Rahmenhandlung, wobei auch die Informationen zur Entstehungsgeschichte des Buches nicht unerwähnt blieb: Die ursprüngliche Idee sei ihr vor nahezu fünf Jahren während einer Visite bei ihren Walldürner „Lieblingsbuchhändlern“ Gaby Eder-Herold und Achim Ullrich gekommen, wo ein Gespräch mehr beiläufig auf Zacharias Juncker und seinen jüngeren Bruder Philipp zusteuerte, die vor 400 Jahren im Nebenhaus zuhause waren.

Dass über Letzteren nur sehr Vages bekannt ist – viel mehr als seine Erblindung und sein Verwandtschaftsverhältnis zu Zacharias Juncker weiß man nicht – habe die in Freiburg lebende Anne Grießer zu jenem Buch animiert, bei dem ihr Walter Gramlich und der Miltenberger Stadtführer Wilhelm-Otto Keller beratend zur Seite standen.

Besondere Herausforderung

Dabei räumte sie eine besondere Herausforderung beim Schreiben historischer Romane ein: „Man kann nicht einfach moderne Menschen 400 Jahre früher leben lassen, man muss sich viel mehr mit den Gepflogenheiten der gewählten Zeitspanne vertraut machen, um authentisch zu schreiben“, erläuterte sie.