Ausstellung im Kreisimpfzentrum Mosbach - Werke von Ramona Müller-Hamleh und Rolf Hamleh sind zu sehen Kunst lockert eingeschränkten Alltag auf

Werke von Ramona Müller-Hamleh und Rolf Hamleh sind im Kreisimpfzentrum in Mosbach ausgestellt. 13 Skulpturen und drei Bilder sind für Besucher mit Impftermin zu sehen.

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Werke von Ramona Müller-Hamleh und Rolf Hamleh sind im Impfzentrum in Mosbach zu sehen. © Hamleh

Altheim/Mosbach. Mit dieser Ausstellung stehen die Künstler in einer Reihe mit den bundesdeutschen Impfzentren Bottrop und Straubing. Mit 13 Skulpturen und drei Bildern wollen Ramona Müller-Hamleh und Rolf Hamleh im Kreisimpfzentrum Mosbach, seit Faschnachtsdienstag, den im Moment sehr eingeschränkten Alltag der Menschen für einen kleinen Moment auflockern und ihnen die Wartezeit verkürzen.

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So kann man ein „Hula-Hoop-Mädchen“ in voller Aktion entdecken, das den Reifen um ihre überschlanke Hüfte schleudert. Die kreisende Gymnastik vollziehen sie mit Grazie und Rhythmus. An den in die Luft geworfenen Armen kann man einen freudigen Enthusiasmus ablesen. Mit der völligen Selbstvergessenheit in ihrer Tätigkeit verbreitet das Mädel sprühende Lust, so die Künstler.

Das gilt auch für den „Läufer“, der mit seinen überlangen Beinen und der dynamischen Körperspannung geradezu hyperengagiert daherkommt. Die Stilisierung der Skulpturen wird verquickt mit normalen Tätigkeiten oder Bewegungen. So etwa bei dem „Rufer“, bei dem die Hände zum Trichter geformt am Mund liegen und die Ellenbogen, übertrieben weit nach oben gezogen sind, um das Rufen noch lauter zu machen.

Ausgezeichnete Beobachter

Unterhält man sich mit den Künstlern, erahnt man ausgezeichnete Beobachter. Und so treiben stilisierte Körper aus gewichtigem Metall, aber leicht in ihrer Anmut ihr körperliches Wesen als schlanke Chiffren im Raum.

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Ramona Müller-Hamleh und Rolf Hamleh leben und arbeiten in Altheim und ihre Existenz als Bildhauer ist seit Mitte der 1990er-Jahre ausschließlich den Höhen und Tiefen des freischaffenden Künstlertums unterworfen. Aber vor allem gibt es die leidenschaftliche Plage des kreativen Schaffens im heimischen Atelier. Dort wird Eisen geflext, verschliffen, gerostet und geölt, um ihm nicht nur eine ganz neue farbliche Wirkung zu verleihen, sondern um es zu den typischen Figuren oder abstrakten Plastiken zusammen zu fügen, in ihre Kunst.

Die Schwere des Materials wird nach eigenem Formwillen in Leichtigkeit und Eleganz verwandelt und so erfährt Metall unter ihren Händen eine künstlerische Verwandlung der totalen Art. Das gilt nicht nur, für die mannshohen Figuren, die sich an einigen Stellen hier im Impfzentrum in Gruppen versammeln.

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Bei der Serie der Farblandschaften, basierend auf Porträts wird ein Porträt so lange gefiltert, bis die reine Farbe übrigbleibt. Aus horizontal ausgerichteten, ineinanderfließenden Linien, in den Farbnuancen des jeweiligen Gesichts entstehen so zauberhafte Farblandschaften. Es ist die Sichtbarmachung der Individualität des Gesichts, die Landschaft hinter dem Gesicht. Die Kompositionen vermitteln das Gefühl von Strand, Horizont und unendlicher Weite, zeigen Stimmungen voller Geheimnis. In ihnen kommt ein geistiger Ort zum Vorschein. In den Gemälden wird das Gesicht zum offenen Raum. Das Credo von hamleh-art ist die Reduktion auf das Wesentliche. Nicht der Mensch selbst, sondern das Bild seines Wesens ist das Ziel des künstlerischen Strebens.

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Landrat Dr. Achim Brötel sagte bei der Eröffnung, Gegebenheiten sind Gelegenheiten. Jedenfalls haben Ramona Müller-Hamleh und Rolf Hamleh die Gegebenheit und die Gelegenheit beim Schopf gepackt. „Der Anstoß und die Idee zu dieser Ausstellung kamen nämlich von ihnen, und zwar inspiriert durch die morgendliche Zeitungslektüre, woran man wieder einmal deutlich sieht, dass der alte Satz ,Zeitung lesen bildet’ eben doch stimmt“, so der Landrat.

Willkommene Ablenkung

Auf jeden Fall sei es aber eine willkommene Ablenkung von dem, was gerade das gesamte Denken und Handeln bestimmt. „Und Kunstwerke schenken einem gerade in schwierigen Zeiten bekanntlich oft Hoffnung und Halt. Auch das ist eine schöne Parallele zum Impfen. Dort gilt nämlich im Grunde exakt dasselbe.“

Bei den Künstlern imponiere ihm die ungeheure Kreativität, wenn es darum geht, zunächst einmal totes, hartes, auf den ersten Blick als unbeugsam erscheinendes Material gerade umgekehrt mit prallem Leben zu erfüllen. „Darin steckt nicht zuletzt übrigens auch eine immer lebensbejahende, positive Perspektive, die uns anspricht und guttut, zumal in diesen schwierigen Zeiten.“ Die Mischung aus filigran erscheinenden Konturen, aber auch aus kraftstrotzender Üppigkeit, aus einer sehr feinen Beobachtung der Realität und einer nicht selten augenzwinkernden, humorvollen Verfremdung, die Fähigkeit, ein Thema eher zu umkreisen, die Dinge dabei aber trotzdem auf den Punkt zu bringen – all das mache für ihn die hohe Aussagekraft der Hamleh-Werke aus, und zwar der Skulpturen wie der Bilder gleichermaßen.