Corona-Verordnungen - Beispiel der Tennishalle zeigt, wie realitätsfremd manche Bestimmung ist Geschlossen, offen, teils offen, wieder zu

Von 
Michael Fürst
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Geschlossen: Zwar ließe die Corona-Verordnung der Landesregierung „ein Einzel“ in der Tennishalle Walldürn zu, doch das rentiert sich für den Betreiber nicht. © Marker

Walldürn. Als am Sonntag um 22 Uhr die Lichter erloschen und die letzten Tennis-Freaks die Halle in Walldürn verließen, ging deren trauriger Blick noch einmal zu dem roten Schild, das da an der Türe hing: „Vom 2. bis 30. November geschlossen“ stand in fetten Buchstaben darauf geschrieben. Vier Wochen Zwangspause für die Hobby-Spieler der gesamten Region, für die die Tennishalle in Walldürn in den Wintermonaten zum Zentrum ihrer sportlichen Aktivitäten wird. Die Corona-Verordnungen des Landes will es so.

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Allerdings entwickelte sich in den kommenden beiden Tagen eine Dynamik, die deutlich zeigt, wie realitätsfremd so manche Bestimmungen sind. Es kam zu einem irren Hin und Her - fürs Tennis eigentlich typisch, in diesem Fall allerdings zum Kopfschütteln. Fredi Link, zuständiger Geschäftsführer der SFA Sport- und Freizeitanlagen GmbH nannte es im Gespräch mit den FN vorsichtig „schwierig“.

Was dann geschah: Im Laufe des Montags wurde bekannt, dass Tennishallen doch nicht geschlossen werden müssten, es sei erlaubt, weiter Einzel zu spielen. Also: Die Tennishalle am Auerberg öffnete wieder, die Sportler buchten online ihre Plätze, und am Montag wurde wieder gespielt. Im Laufe des Montags wurde dann allerdings noch einmal korrigiert: „Ein Einzel pro Halle“ hieß plötzlich die angepasste Verordnung des Landes.

Nun muss man kein ausgewiesener Tennis-Experte sein, um festzustellen, dass diese Anweisung nun völlig realitätsfremd ist und sicher in keiner Weise hilft, die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Stefan Bitenc, der Präsident des Badischen Tennis-Verbandes, äußerte auch sein Unverständnis: „Wir selbst sind vor allem von der Vorgehensweise unserer Landesregierung, die diese Änderungen still und heimlich vorgenommen hat, ohne sie explizit zu kommunizieren, sehr enttäuscht. Allerdings haben wir auch für die Entscheidung an sich, nur noch zwei Personen pro Tennishalle zuzulassen, sehr wenig Verständnis. Eine Tennishalle bietet so viel Raum – da kann es bei maximal zwei Personen pro Platz kein Problem sein, die notwendigen Abstände einzuhalten.“

Link: „Unbezahlbar“

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Am Dienstag marschierte Fredi Link noch zum Ordnungsamt der Stadt Walldürn, welches diese Regelung bestätigte. Also durfte nur noch auf einem der vier Plätze gespielt werden. Pascal Gärtner aus Hardheim und Ahmet Aksu aus Walldürn waren dann von 11 bis 13 Uhr die Letzten, die in der Halle „bätschten“. „Wir haben dann wieder ganz zugemacht. Wir müssten jetzt nämlich den ganzen Tag eine Aufsichtsperson dort hinsetzen, die schaut, dass alle Vorgaben eingehalten werden. Das ist unbezahlbar“, begründete Link das Vorgehen der Betreiber; dazu die Heizkosten für die gesamte Halle bei nur einem belegten Platz… „Das ist sehr ärgerlich, weil wir gerade im November sehr gut ausgelastet gewesen wären“, sagt Fredi Link, der hofft, dass Anfang Dezember die Lichter wieder angehen können...

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport