Neue Form von Kunstblumen aus Walldürn - Die Ideen gehen Juliane Franz nicht aus / Auch mit 77 entdeckt sie immer wieder Neues für sich / Handarbeiten ihr Hobby Gehäkelte und geklöppelte Kunstwerke

Von 
Ingrid Eirich-Schaab
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Die Ideen gehen Juliane Franz nicht aus: Ihr Hobby hält die 77-Jährige jung und dynamisch. Die neuesten Kreationen der Walldürnerin sind Klöppelarbeiten, wie hier zum Beispiel die Sieben Zwerge und Schneewittchen.

© Ingrid Eirich-Schaab

Kunstblumen aus Walldürn? Das ist sicher nichts Neues. Schließlich hat deren Produktion in der Wallfahrtsstadt eine lange Tradition. Und doch sind die Blumen von Juliane Franz völlig anders.

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Walldürn. Leuchtend rote Anthurien, gelbe Narzissen und Tulpen in Rot, Violett und Weiß: Passend zum herannahenden Frühjahr hat Juliane Franz das Schaufenster ihres Geschäftes in der Walldürner Hauptstraße umdekoriert. Weihnachtssterne und Engelchen sind in die hinteren Reihen verschwunden. Aber nicht nur die Motive, auch die Technik hat sich gewandelt: Während jahrzehntelang kleine Kunstwerke aus Hunderten von Häkelmaschen die Blicke der Betrachter auf sich zogen, sind es nun Klöppelarbeiten in verschiedensten Formen und Farben. Dass diese gar nicht echt sind, sondern "nur" naturgetreu nachgebildet sind, lässt sich von weitem kaum erkennen.

Juliane Franz (Jahrgang 1940) lebt seit 1953 in Walldürn. Kindheit und Jugendzeit verbrachte sie in Höpfingen, bis ihre Eltern in die Wallfahrtsstadt zogen. Nach der Schule arbeitete sie zunächst im elterlichen Elektrogeschäft mit, welches sie und ihr Mann Christoph nach dem Tod ihres Vaters Kurt Gothan übernahmen und das sie bis heute zusammen mit ihrem Sohn Volker Franz als Familienunternehmen führen.

"Es gibt nichts, was ich nicht angehe. Und wenn ich mir etwas vornehme, führe ich dies bestmöglich zu Ende", beschreibt die couragierte und vielseitig begabte Hobbykünstlerin ihre Lebenseinstellung. Sei es im Beruf, im Haushalt oder eben im Freizeitbereich. Mit ihren technischen Fähigkeiten stellt Juliane Franz im Geschäft ihren Mann, sie kocht aber auch gerne und liebt die eher dem weiblichen Geschlecht zugeordneten Betätigungen wie Handarbeiten.

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Jahrelang strickte sie alles, was eine Familie so gebrauchen kann. "Schon damals musste es etwas Besonderes sein, beispielsweise ausgefallene und fantasievolle Muster", schildert sie im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Als die Familie eingedeckt war mit wollenen Pullovern und Socken und Stricken in den 90er Jahren nicht mehr "in" war, sah sich Juliane Franz nach einem neuen Hobby um. So kam sie auf das damals in Deutschland noch relativ unbekannte Häkeln von Blüten und Blumen.

Anfangs entstanden einfache Nelken und Rosen. Dann ließ Juliane Franz ihrer Kreativität freien Lauf und schon bald galt sie in Insiderkreisen als Fachfrau mit entsprechendem Know-How. Es entstanden ohne Vorlage selbst so schwierige Exoten wie Strelizien, Hortensien, Arrangements von Weihnachtssternen und Maiglöckchen. "Bei dem Stock mit 134 Einzelblüten musste ich 268 Fäden verwahren", schildert die Hobbykünstlerin die etwas weniger angenehmen Seiten ihrer Freizeitbeschäftigung.

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Für diese kniffeligen Arbeiten muss sie Zeit und Geduld aufbringen: "Aber nach einem langen Arbeitstag ist das Entspannung pur. Ich brauche einfach abends vor dem Fernseher eine Beschäftigung."

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Vor zwölf Jahren (2005) wandte sich Juliane Franz dann einem neuen Hobby zu, dem Klöppeln. "Seit meiner Jugend hat mich das total interessiert", begeistert sich die betriebsame und rührige 77-Jährige. Ausruhen und Ruhestand sind für sie Fremdwörter.

Mit 65 meldete sie sich beim deutschen Klöppelverband an und sammelte erste Erfahrungen bei Klöppelkursen in Miltenberg. Farbenfrohe Blumen werden immer noch parallel zur neuen Beschäftigung gehäkelt.

"Wenn mein Mann und die Familie nicht mitziehen und mich unterstützen, im Wald Moos holen und aktiv zulangen würden, könnte ich meinem Hobby nicht in dem Maße frönen", ist sie äußerst dankbar für das Verständnis in der Familie.

Denn das große Geld kann die Hobbykünstlerin mit ihren Arbeiten nicht machen. Wenn die Ausgaben für das Material gedeckt sind, ist sie schon froh. "Klöppelarbeiten wertgerecht nach dem Arbeitsaufwand zu verkaufen, ist kaum möglich," verdeutlicht Franz. "Im Grunde mache ich das in erster Linie zu meiner eigenen Freude."

Irgendwie sehen Ihre Arbeiten anders aus, als man das von Annaberg oder anderen Klöppel-Schwerpunktorten gewohnt ist. "Das stimmt", gibt Juliane Franz auf den Einwand hin zu: "Früher fertigte man ausschließlich Deckchen in weißem Gran. Aber mir war das zu eintönig. Ich bin mehr für plastische Figuren aus buntem Garn. Seien es in der vor kurzem beendeten Fastnachtszeit Clowns und Pumuckl oder aber die Sieben Zwerge und Schneewittchen als Märchendarstellung."

Langweilig wird es Juliane Franz nicht. Durch ihr Hobby hat sie vielfältigen Kontakt über Deutschland Grenzen hinweg nach Österreich und in die Schweiz. Und sie kommt weit herum, wenn sie spezielle Klöppeltage - zum Beispiel im bereits genannten Annaberg - besucht. Darüber hinaus hält ihre Freizeitbeschäftigungen sie auf Trab und damit fit und im Herzen jung.

Neue Farben und Motive entdeckt

Etwas, was in alteingesessenen Klöppelkreisen noch recht unbekannt ist, hat Juliane Franz ebenfalls für sich entdeckt: das Klöppeln von Schals aus Seide oder Garnresten. Ihre ersten Probeexemplare sind sehr ansprechend und elegant - wirklich ausgefallene Handwerkskunst auf sehr hohem Niveau. "Teils wird längs, teils quer geklöppelt", erläutert sie. "Für einen Schal sind zum Teil 50 Paar Klöppel - also 100 Einzelklöppel - im Einsatz. Da muss man den Durchblick behalten", lacht sie herzlich, als ob das eine Kleinigkeit wäre. "Für einen Schal von 1,80 Meter Länge und 20 bis 25 Zentimeter Breite benötige ich etwa ein halbes Jahr Zeit." Verständlich, dass kein bezahlbarer Preis diesem Aufwand gerecht werden kann.

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