Förderverein Museum „Zeit(T)räume“ - Funktionsfähige mechanische Großuhr an der Außenwand des Wohnhauses von Beate und Bruno Kaiser installiert „Für die Außenwirkung enorm wichtig“

Passanten der Unteren Vorstadtstraße werden es längst bemerkt haben: An der Außenwand des Wohnhauses von Beate und Bruno Kaiser zeigt eine mechanische Großuhr die aktuelle Zeit an.

Von 
Ralf Scherer
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Das Zeitfenster zwischen den Lockdowns im Frühjahr und Herbst des vergangenen Jahres haben die Aktiven des Fördervereins Museum „Zeit(T)räume“ genutzt, um die Montage der mechanischen Uhr an der Hauswand der Familie Kaiser vorzubereiten und durchzuführen. © Ralf Scherer

Walldürn. Mit einem Gabelstapler hievt Peter Baumann seine Vorstandskollegen des Fördervereins Museum „Zeit(T)räume, Bruno Kaiser und Armin Pfaff, in einer Gitterbox in die Höhe. Auf der Leiter gleich nebenan wartet bereits Johannes Schlegel. Gemeinsam richten sie das rot-weiße Zifferblatt millimetergenau an der Außenwand des Wohnhauses von Beate und Bruno Kaiser aus. Keine zwei Stunden später können Passanten der Unteren Vorstadtstraße auf dem inzwischen fest verschraubten Zifferblatt die aktuelle Zeit ablesen.

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Verbunden ist es über ein Gestänge mit einer mechanischen Großuhr der Marke Zachariä. Das in den Farben Grün und Schwarz lackierte Uhrwerk steht in einer Vitrine aus Glas. Vor Witterungseinflüssen gut geschützt, nicht jedoch vor neugierigen Blicken. Die sind nämlich ausdrücklich erwünscht. „Wir wollen damit zeigen, wie eine mechanische Großuhr funktioniert und wie das Zifferblatt bedient wird“, erklärt Bruno Kaiser, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Museum „Zeit(T)räume“, den Hintergrund des Projekts. „Für Führungen ist das von großer Bedeutung. Unsere Besucher können zukünftig sehen, wie ein Uhrwerk läuft.“

Die Idee für dieses Vorhaben hatten die Aktiven des Fördervereins bereits vor vielen Jahren. Erste Gedankenspiele reichen bis in die Zeit nach der Gründung im Jahr 2009 zurück. Zunächst fehlte es jedoch an einer passenden Uhr, die nicht regelmäßig per Hand aufgezogen werden muss, sondern mit einem Motor betrieben werden kann. Fündig wurde Bruno Kaiser schließlich vor fünf Jahren im Internet. Kurz entschlossen machte er sich gemeinsam mit Peter Baumann auf den Weg nach Leipzig, wo er das Uhrwerk samt Zifferblatt abholte.

Vorübergehend fand die Uhr einen Platz im Museumshof. In den folgenden Jahren dominierten große Umbauarbeiten das Vereinsgeschehen. Die funktionsfähige Uhr musste warten, geriet aber nie in Vergessenheit. Immer wieder feilte Armin Pfaff am Konzept, organisierte und überarbeitete die Vitrine. Bruno Kaiser betonierte den Sockel und sorgte für den Stromanschluss. Uwe Hann kümmerte sich um die Elektronik. Wegen der Corona-Pandemie öffnete sich schließlich im Herbst des vergangenen Jahres ein Zeitfenster, in dem zwar der Publikumsverkehr ruhte, vereinsinterne Aktivitäten aber noch möglich waren.

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Seit die Uhr läuft, sind die Reaktionen von Passanten durchweg positiv. „Eure Zeit stimmt ja“, ist dabei nur einer von vielen Kommentaren. „Es ist schon ungewöhnlich, dass in einem privaten Anwesen öffentlich die Zeit angezeigt wird“, betont Bruno Kaiser. Für das Museum sei dies ein sehr öffentlichkeitswirksames Instrument, um nicht nur in Corona-Zeiten im Gespräch zu bleiben.

Zahlreiche Spender

Finanziell möglich wurde das Projekt durch zahlreiche Einzel- und zwei Großspenden. So stellte die Volksbank Franken 500 Euro aus Gewinnsparmitteln zur Verfügung. Außerdem floss der Erlös einer Verlosung im Rahmen des Blumen- und Lichterfestes im Jahr 2016 vollständig in das Vorhaben. Damals hatte Ingrid Engel (Höpfingen) einen ihrer handgefertigten Quilts als Hauptpreis gestiftet.

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„Allen Unterstützern und Helfern sind wir sehr dankbar“, freut sich Bruno Kaiser. Zwar seien inzwischen vier funktionsfähige mechanische Großuhren im Museumshof verteilt. Aber nur die Uhr an der Hauswand sei von der Straße aus zu sehen. Und dies nicht nur tagsüber, sondern auch in den Abend- und frühen Morgenstunden. Ab einer gewissen Dunkelheit schaltet sich die LED-Beleuchtung automatisch ein beziehungsweise wieder aus.

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Die Installation der Uhr war im Corona-Jahr 2020 das prominenteste Vorhaben, jedoch längst nicht das einzige. Drei seltene Holz-Zifferblätter aus dem 19. Jahrhundert runden inzwischen frisch restauriert das Ambiente im Museumshof ab. Zwei weitere Zifferblätter werden zurzeit von Beate Kaiser überarbeitet.

Auch im Museum hat sich in den vergangenen Monaten viel getan. Die Zeit der relativen Entspannung im Sommer und im Herbst haben die aktiven Mitglieder genutzt, um die Ausstellungsräume für mechanische Musikinstrumente noch besucherfreundlicher zu gestalten. Außerdem wurde der Museumsbereich mit einer modernen Videoüberwachung ausgestattet. Auf die regelmäßigen Großveranstaltungen ist der Förderverein zukünftig noch besser vorbereitet – dank einer generalüberholten Küche samt neuem Boden.

„Wir sind froh, dass wir zumindest hinter den Kulissen einiges bewegen konnten“, betont Bruno Kaiser. Er hofft nun, dass der Museumsbetrieb in den kommenden Monaten Stück für Stück zur Normalität zurückkehren kann und die Durststrecke ohne Publikumsverkehr zu Ende geht.

Viele Veranstaltungen abgesagt

Seit dem Ausbruch der Pandemie im März des vergangenen Jahres musste der Förderverein mehr als 30 Veranstaltungen absagen. Führungen im Museum, Geburtstags- und Jahrgangsfeiern in der Museumsscheune, die Teilnahme am Blumen- und Lichterfest oder am Kneipenfestival „Nightgroove“ – Corona-bedingt Fehlanzeige. Dem Förderverein sind deshalb für den Museumsbetrieb wichtige Einnahmen weggebrochen. Ein weiterer Aspekt wiegt für die Verantwortlichen des Fördervereins mindestens genauso schwer. „Es fehlt die persönliche Begegnung mit unseren Mitgliedern und Besuchern“, so Bruno Kaiser.

Redaktion Ralf Scherer ist als Redakteur in der Lokalredaktion Buchen und im Online-Bereich tätig. In seiner Heimatstadt Walldürn, aber auch in vielen anderen Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises ist er seit 14 Jahren als Lokaljournalist unterwegs.