Räumpflicht in der Winterzeit - Bei Eis und Schnee gelten klare Regeln / Straßen werden nach einer Prioritätenliste abgefahren Für den Bauhof beginnt der Tag früh

Mit dem Winter beginnt auch wieder die Zeit der Räumpflicht. Da ist gesetzlich in der Satzung der Stadt alles klar geregelt – und für die Mitarbeiter des Bauhofs bedeutet das mitunter viel Arbeit.

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mar/pmd
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Ein Fahrzeug des Bauhofs vor einem Salzlager. Im Winter haben die Mitarbeiter mitunter viel Arbeit. © Meikel Dörr

Walldürn. Mit dem Winter beginnt auch wieder die Zeit der Räumpflicht. Da ist gesetzlich in der Satzung der Stadt alles klar geregelt – und für die Mitarbeiter des Bauhofs bedeutet das mitunter viel Arbeit.

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Walldürn. Der Tag beginnt früh: Um 3.30 Uhr prüft ein Mitarbeiter des städtischen Bauhofes die Wetterverhältnisse an verschiedenen definierten Stellen in Walldürn und kontaktiert gegebenenfalls die Rufbereitschaft. Bei Bedarf sind bis 4 Uhr alle Mitarbeiter der Rufbereitschaft einsatzbereit im Bauhof und prüfen das Equipment und die Fahrzeuge auf Einsatzbereitschaft und Verkehrstauglichkeit, so Meikel Dörr, Leiter Stabsstelle Bürgermeister, auf Anfrage der FN.

Im Anschluss gehen die Fahrzeuge und Trupps auf ihre festgelegten Strecken. Im Einsatz sind fünf Großfahrzeuge (Bulldog oder Unimog), eines davon ist in Altheim und eins davon in Rippberg stationiert. Außerdem gibt es zwei weitere Kleinfahrzeuge sowie eine „Handkolonne“. Zweiexterne Dienstleister sind für die Stadt Walldürn auf der Höhe und im Verbandsindustriepark im Einsatz.

Das Straßen- und Wegenetz ist in einer Prioritätenliste untergliedert. Gefällstrecken und Gemeindeverbindungsstraßen werden zuerst geräumt. Danach folgen die untergeordneten Kategorien. Die Kleinfahrzeuge werden unter anderem für Gehwege eingesetzt oder in engen Straßen und Gassen wie in „Kleinfrankreich“. Die Handkolonne kümmert sich um Wege, die für Fahrzeuge nicht zugänglich sind wie Treppenanlagen oder zudem um Zebrastreifen. Dabei kommt einiges an Strecke und Zeit zusammen: Mit über 105 Quadratkilometern Gemarkungsgröße ist Walldürn gerechnet auf seine rund 11 800 Einwohnern eine sehr große Flächenkommune. Eine reguläre Arbeitsschicht dauert 8,5 Stunden. Diese Zeit wird auch dafür benötigt,. das Straßen- und Wegenetz mit rund 140 Kilometern Fahrstrecke einmal zu räumen. Um 12 Uhr ist Schichtwechsel beim Personal. „Wie zum Beispiel am vergangenen Dienstag, als es den ganzen Tag geschneit hat“, so Meikel Dörr. Dann fährt auch die neue Schicht noch einmal die gesamte Strecke ab. „So kommen am Tag und nach Witterung zwischen 250 und 300 Kilometer zusammen.“

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In einer Schicht sind bis zu elf Personen im Einsatz, Schnee geschoben wird bis circa 21 Uhr. Der Salzverbrauch am „normalen“ Tag liegt bei rund acht Tonnen für das gesamte Gebiet. An Tagen wie am Dienstag sind es bis zu 20 Tonnen Streumittel. Das Vorratslager umfasst zwischen 100 und 120 Tonnen. Der Bauhof merkt durch den Lockdown auch, dass weniger Personen unterwegs sind, so Meikel Dörr.

Alles in der Satzung geregelt

In der Satzung der Stadt Walldürn ist in Sachen Räum- und Streupflicht alles geregelt. Bei Schneefall und Glatteis ist die deutsche Rechtsprechung dabei vollkommen humorfrei: Bis 7 Uhr morgens müssen in Walldürn die Gehwege geräumt und gestreut sein, an Sonn- und Feiertagen bis 8 Uhr, die Pflicht endet um 21 Uhr. Wenn im Laufe des Tages weiter Schnee fällt oder Schnee beziehungsweise Eisglätte auftritt, ist unverzüglich, bei Bedarf auch wiederholt, zu räumen und zu streuen.

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Verantwortlich fürs Streuen ist eigentlich die Gemeinde – die jedoch hat das meist auf die Anlieger übertragen, also die Hauseigentümer. Vermieter delegieren die Räumpflicht häufig an ihre Mieter. Es ist immer zu kontrollieren, ob das Räumen und Streuen auch funktioniert. Rechte und Pflichten beim Winterdienst für Privathaushalte sind eindeutig geregelt. Nicht einmal Berufstätigkeit kann hier als Ausrede herangezogen werden. Wer keine Zeit hat, selbst zur Schaufel oder zum Besen zu greifen, muss andere damit beauftragen. Bei Schnee- und Eisglätte haben die Straßenanlieger die Gehwege und die weiteren in der Streupflicht-Satzung genannten Flächen sowie die Zugänge zur Fahrbahn rechtzeitig zu bestreuen, dass sie von Fußgängern bei Beachtung der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt möglichst gefahrlos benutzt werden können. mar/pmd