Großer Blutfeiertag bei der Wallfahrt - Freiburger Erzbischof Stephan Burger hielt die Predigt beim Pontifikalamt / Große Prozession durch die Innenstadt „Frieden kann nur gemeinsam gelingen“

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Ralf Marker
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Erzbischof Stephan Burger (linkes Bild, Mitte) wurde am Pfarrheim von den Konzelebranten abgeholt und durch die Basilika auf den Wallfahrtsplatz zum Freialtar geleitet. © Ralf Marker

Erzbischof Stephan Burger ging beim Großen Blutfeiertag bei der Wallfahrt auf die Bedeutung des Leitworts in der heutigen Zeit ein. Es gebe Halt und Orientierung und verbinde.

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Walldürn. Der Erzbischof wurde am Donnerstag von zahlreichen Konzelebranten und Ministranten am Pfarrhaus abgeholt und durch die voll besetzte Basilika zum Freialtar auf den ebenfalls voll besetzen Wallfahrtsplatz geleitet. Dort begrüßte Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula, OFM Conv., die zahlreichen Gläubigen, Vertreter der kirchlichen und politischen Gemeinde, des öffentlichen Lebens und zahlreiche Pilgergruppen.

Blutkorporale aufgestellt

Das Pontifikalamt wurde musikalisch von Kirchenchor, Orchester und Vokalsolisten mit der Spaur-Messe von Wolfgang Amadeus Mozart umrahmt. Am Freialtar war auch das Blutkorporale aufgestellt.

Der Stadtpfarrer sagte, seit Papst Eugen IV 1445 die ursprüngliche Kirche durch eine Ablassgewährung auf den Oktav-Tag von Fronleichnam ausgezeichnet hat, werde dieser Tag als Großer Wallfahrtstag gefeiert. „Trotz aller Geschehnisse in der jahrhundertelangen Vergangenheit, wurde dieser Tag bis heute als örtlicher Feiertag und Höhepunkt der Wallfahrt beibehalten und es ist eine Freude zu sehen, wie viele Menschen ihn gemeinsam mit uns hier feiern möchten.“

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Man wolle gemeinsam die Eucharistie feiern und „uns hier an diesem Gnadenort anregen lassen von der Barmherzigkeit Gottes und gestärkt, nicht nur für uns, sondern auch für die Hilfe an unseren Mitmenschen, hinausgehen in unseren Alltag“.

„Wichtiges Zentrum“

Erzbischof Stephan Burger (Freiburg) sagte, er komme gerne nach Walldürn, an diesen besonderen Ort. „Walldürn ist und bleibt ein wichtiges Zentrum gelebten Glaubens in der Erzdiözese.“ Und weiter: „Hier trifft sich die Erzdiözese.“

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Nach den Lesungen aus dem Buch Exodus und dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser durch Herbert Kilian und der Verkündigung des heiligen Evangeliums nach Johannes durch Diakon Friedhelm Bundschuh ging Erzbischof Burger in seiner Predigt auf das Leitwort der Wallfahrt ein: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“.

Welt mit vielen Wahrheiten

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Es gebe nach seinen Worten aktuell kaum eine treffendere Bibelstelle. „Denn in unserer Gegenwart sind es genau die Fragen nach dem Weg, dem Ziel, der Wahrheit, die zu einer Pluralisierung an Lebensformen, Lebensentwürfen und Modellen führen und dadurch auch Konflikte hervorrufen. Wir leben in einer Welt mit vielen Wahrheiten“.

Vor zahlreichen Einzelpilgern und Pilgergruppen stellte er die Fragen: „Wieso wird heutzutage eigentlich so krampfhaft nach einem Wir gesucht, das sich gegen andere abgrenzt? Wieso werden lieber Konflikte für dieses konstruierte Wir ausgetragen, anstatt auf das wesentlich Verbindende zu schauen?“

Erzbischof Burger sprach sich gegen Abgrenzungen jeglicher Art aus und betonte: „Verschiedene Ideologien gefährden immer wieder den Einsatz für ein friedliches Europa. Dabei braucht es politisch und gesellschaftlich gesehen diesen gemeinsamen Einsatz. Und er kann geschehen aus dem gemeinsamen Glauben heraus, den wir heute miteinander feiern.“ Er unterstrich, dass der europäische Weg nur ein gemeinsamer Weg sein könne, „weil Frieden nur gemeinsam gelingt“.

„Genau diese Vergewisserung, diese Bewusstmachung braucht es auch für unsere Kirche“, betonte Erzbischof Burger und verwies dabei auf die kircheninternen Diskussionen. „Der christliche Glaube kannte und kennt keine Grenzen und Unterschiede, beziehungsweise er macht aus ihnen keine trennenden Gründe.“

Christus gebe eine Anleitung für den Weg, betonte Burger: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, dieser Satz Jesu, dieses Bekenntnis an uns, für das ja auch der Dienst des Petrus steht, will uns nach wie vor Halt und Orientierung geben und dieses Bekenntnis verbindet uns über alle Grenzen und Unterschiede hinweg.“ Vielleicht sollten wir uns wieder auf die Zusage Jesu aus dem Leitwort besinnen und darauf vertrauen, dass Christus sich durchsetzt, anstatt uns in Konflikten zu verlieren. Und dies beginne schon mit der bewussten Feier dieses Wallfahrtstages. „Möge uns das Bekenntnis aus dem Leitwort auch für die kommenden Zeit tragen und uns Sicherheit und Vertrauen geben in all den Anliegen von Kirche und Welt“, so der Erzbischof abschließend.

Lichterprozession am Abend

Nach dem Pontifikalamt zog eine große Prozession durch die Innenstadt. Am Nachmittag gab es noch eine Andacht zu Ehren des heiligen Bluts mit Dekan Johannes Balbach und abends zum Abschluss des Großen Blutfeiertages ein Hochamt und eine Lichterprozession durch die Wallfahrtsstadt.

Info: Weitere Bilder vom Großen Blutfeiertag gibt es unter www.fnweb.de in einer Galerie.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter Buchen, zuständig für Walldürn.