AdUnit Billboard
Frauenwallfahrt - Hochschulpfarrer Burkhard Hose hielt die Predigt bei Hochamt bei der Wallfahrt zum Heiligen Blut. Andacht und Frauenliturgie

Frauenwallfahrt in Walldürn: „Den Auferstandenen anbeten“

Von 
ds
Lesedauer: 
Die Frauenwallfahrt stand unter dem Leitwort „Wir sind gekommen, ihn anzubeten“. Die Predigt beim Hochamt hielt Hochschulpfarrer Hose. © Bernd Stieglmeier

Walldürn. Unter dem Leitwort der Wallfahrt Zum Heiligen Blut – „Wir sind gekommen, ihn anzubeten“ (Matthäus-Evangelium Kapitel 2, Vers 2) – stand der Regionalwallfahrtstag der Frauen aus der Region Odenwald-Tauber am Mittwoch. Das Hochamt am Vormittag wurde von Edgar Farrenkopf (Buchen) an der Orgel der Basilika und von einer Frauen-Schola musikalisch umrahmt.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Nach dem feierlichen Geleit des Hauptzelebranten, Hochschulpfarrer Burkhard Hose aus Würzburg, durch den Konzelebranten und das für die Gestaltung des Gottesdienstes der Frauenwallfahrt 2022 zuständige Vorbereitungsteam mit Rosi Baumann (Tauberbischofsheim), Hildegund Berberich (Hardheim), Elisabeth Hell (Götzingen), Martha Kleißner (Tauberbischofsheim), Regina Köhler (Hainstadt) und Brunhilde Marquardt (Walldürn) sowie den Vertreterinnen des Dekanatsteams von der Sakristei der Basilika aus über den Wallfahrtsplatz und durch die Basilika zum Hochaltar-raum wurden alle Teilnehmerinnen dieser Frauenwallfahrt von Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter P. Josef Bregula OFM Conv, von der kfd-Vorsitzenden des Dekanats Mosbach-Buchen, Elisabeth Hell namens des Vorbereitungsteams der Regionalwallfahrt der Frauen aus der Region Odenwald-Tauber und von Hochschulpfarrer Hose begrüßt und in erläuternden Worten auf das Thema dieses feierlichen Hochamtes und Leitwortes der Wallfahrt eingestimmt. Ergänzt von den beiden Vorbereitungsteam-Mitgliedern Brunhilde Marquardt und Hildegund Berberich.

Pater Josef ging auf das Leitwort der Wallfahrt ein. Wenn man dabei das letzte Wort des Leitwortes „anzubeten“ genauer betrachte, beschreibe es in der Übersetzung aus dem griechischen eher einen körperlichen Verehrungsritus: das Niederfallen auf die Knie und das Niederbeugen des Kopfes auf den Boden. Das Niederfallen der Weisen sei somit der sinnenfällige Ausdruck deren Glaubens. Sie hätten damals gewusst, wem sie in Betlehem begegnen würden – nämlich Gott selbst. Die Worte ihres Betens damals seien nicht überliefert, es sei die Leerstelle im Evangelium, die wir selbst füllen dürften, wenn wir uns in ihre Spur begeben würden. So lade er alle ein, diese Leerstelle mit Gebeten hier am Gnadenort zu füllen. Aber nicht nur dort und an diesem Tag, sondern auch weiterhin während des täglichen Lebens immer wieder aufs Neue. Nach der von Elisabeth Hell als Lektorin vorgetragenen Lesung aus dem Psalm 104 „Die Schöpfung lobt Gott“ und dem von einem Konzelebranten verkündeten Heiligen Evangelium nach Matthäus stellte Hochschulpfarrer Hose das Leitwort in den Mittelpunkt seiner Predigt. Die schlimmste Zeit für Trauernde beginne nach der Beerdigung – wenn man in die leere Wohnung komme und plötzlich allein sei. Oft stehe für den Betroffenen dann die Frage im Raum: „Wie weiterleben ohne den geliebten Menschen?“, „Wie mit dem Tod fertig werden?; „Wie wieder in den normalen Alltag zurückfinden?“

Werte weiter pflegen

Ein Weg der Trauerverarbeitung, den das Osterevangelium vorschlage, könne sein, den Toten nicht festhalten zu wollen, sondern das festzuhalten, was dem Toten wichtig gewesen sei. Nicht ein Mausoleum für den Toten zu bauen, sondern daran weiterzubauen, wofür sich der Verstorbene besonders eingesetzt habe, sowie die Werte weiterzupflegen, die dem Toten ein Anliegen gewesen seien, und das hochzuhalten, was dem Verstorbenen heilig gewesen sei, aber eben nicht konservatorisch, sondern integriert in das eigene Leben.

Einzug in die voll besetzte Basilika bei der Frauenwallfahrt. Neben dem Hochamt fanden eine Andacht und eine Frauenliturgie statt. © Bernd Stieglmeier

Vielleicht sei dieser Weg des Trauerns im Evangelium letztlich auch der Weg, den der Evangelist seiner Gemeinde ans Herz legen wolle. Und es sei der Weg, der in allen Evangelien nicht von den Männern, sondern von den Frauen gegangen werde, die erkennen würden: Lebendig bleibt Jesus in unserer Mitte nicht durch ängstliches Konservieren des Glaubens. Lebendig werde dieser Jesus, wann immer Menschen das Evangelium mit ihrem Leben verbinden würden und durch diesen Glauben menschlicher würden, achtsamer, neugieriger und barmherziger. In diesem Weg zu trauern liege ein Angebot zu mehr selbstbestimmtem Leben

Die Osterevangelien seien jeweils von den Evangelisten so gestaltet, dass sie eine Botschaft erzählen sollen, wie die Kirche in den Augen der Evangelisten ist. Kirche sein beginne damit, dass die Frauen vom Grab in eine ungewisse Zukunft losrennen und nicht am Grab stehen bleiben würden. Kirche sein bedeute speziell für den Evangelisten Matthäus, im Losrennen vom Grab Momente der Anbetung einzuschalten, sich neu auszurichten an Jesus, und nicht das Grab, sondern den Auferstandenen anzubeten, sich kurz an ihm festzuhalten und sich zu vergewissern, worum es denn jetzt eigentlich gehe.

Im Augenblick erlebe er als Geistlicher den Niedergang einer Kirche, die lieber am Grab stehen bleibe, als in eine ungewisse Zukunft zu rennen, und die alles daran setze, ihren eigenen Bedeutungsverlust kontrolliert in Strukturen zu gießen, statt an die Entfaltungsmöglichkeiten des Evangeliums in ganz neuen bisher ungekannten Zusammenhängen zu glauben.

Den Menschen in die Mitte stellen

Es sei an der Zeit, dass wir wieder den lebendigen Auferstandenen und nicht die Kirche anbeten würden. Es sei an der Zeit, dass wir den einzelnen Menschen wieder in die Mitte stellen würden, wie dies auch Jesus Christus getan habe, und nicht die Heiligkeit der kirchlichen Institution. Es sei an der Zeit, dem Beispiel der Frauen zu folgen – jetzt genau in dieser Situation der Kirche, die gerade sterbe und der er nicht nachtrauere, sich neu auszurichten an diesem Jesus. Das sei die Anbetung, die es jetzt brauche; nicht die Anbetung der toten Kirche, sondern die Anbetung des lebendigen Auferstandenen.

Er persönlich sei davon überzeugt, dass der Weg Richtung einer lebendigen Kirche der Weg in ein Mehr an Gerechtigkeit für alle Geschlechter sein werde. Denn die Anbetung des Patriarchats habe die Botschaft Jesu im Grab erstarren lassen. Es werde ein Weg in Richtung Kirche sein, in der die Diskriminierung ein Ende habe und alle Menschen gleichermaßen in ihrer Würde als Getaufte geachtet würden.

Mehr zum Thema

Walldürner Wallfahrt zum Heiligen Blut

„Besondere Gottesbewegung erleben“

Veröffentlicht
Von
Bernd Stieglmeier
Mehr erfahren
Wallfahrt

Von Walldürn gehen „Glaubensströme“ aus

Veröffentlicht
Von
Bernd Stieglmeier
Mehr erfahren
Vierter Wallfahrtssonntag

Den Weg bewusst im Angesicht Gottes gehen

Veröffentlicht
Von
Bernd Stieglmeier
Mehr erfahren

Beeindruckend nach dieser Predigt dann die von den Mitgliedern des Vorbereitungsteams dieser Frauenwallfahrt vorgetragenen Fürbitten und die Gabenbereitung.

Die Kollekte dieses feierlichen Hochamtes war bestimmt für das Frauenhaus im Neckar-Odenwald-Kreis und für das kfd-Projekt „Frauen in Not“.

Ins Gespräch kommen

Am Mittwochnachmittag fand eine Andacht mit eucharistischem Segen mit dem Stadtpfarrer als Hauptzelebrant statt, in deren Mittelpunkt die Ansprache der Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen bei Würzburg, Dr. theol. Katharina Ganz stand. Am Abend folgte noch die Frauenliturgie, bei der die Regionalfrauenreferentin Regina Köhler die Leitung inne hatte und in deren Mittelpunkt die Symbole von Myrrhe, Weihrauch und Gold standen, wobei hierbei in einem Weihrauch-Ritual die Anliegen und Bitten der Frauen vor Gott gebracht wurden. Im Anschluss daran bestand noch die Möglichkeit, bei Wasser und Gebäck gemeinsam miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Andacht am Mittwochnachmittag wurde von Organist Jürgen Miko (Walldürn) an der Basilikaorgel der Basilika, und die Frauenliturgie am Abend von Peter Reiß und dem Singkreis Hettigenbeuern kirchenmusikalisch feierlich umrahmt. ds

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1