10. Todestag von Karl-Heinz Joseph - Der frühere Walldürner Bürgermeister starb überraschend am 6. Mai 2007 Engagement galt stets den Menschen

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Ralf Marker
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Die Stadt erinnert am Karl-Heinz-Joseph-Platz an den verstorbenen Bürgermeister. Dort findet heute um 10.30 Uhr auch eine Gedenkveranstaltung der SPD statt.

© Ralf Marker

Zuerst schien es unfassbar: Walldürns Bürgermeister Karl-Heinz Joseph ist tot. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Sonntagvormittag des 6. Mai 2007 die Nachricht vom Tod des Stadtoberhaupts.

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Walldürn. Joseph starb, nur 52 Jahre alt, im Krankenhaus Bad Mergentheim an einem Herzinfarkt. Karl-Heinz Joseph war 1991 zum Bürgermeister der Stadt Walldürn gewählt worden. Zwei Mal wurde er von den Bürgern im Amt bestätigt. 2006 wurde er für die SPD in den Landtag gewählt. Karl-Heinz Joseph hat sich in Walldürn viele Verdienste erworben und Zeichen gesetzt. Geschätzt waren seine geradlinige und offene Art. Seine Meinung hat er immer mit Nachdruck vertreten, ohne dabei aber sein Gegenüber vor den Kopf zu stoßen. Geradezu legendär war auch seine große Fähigkeit, in scheinbar ausweglosen Situationen einen Kompromiss zu finden, bei dem jeder sein Gesicht wahren konnte und der die Stadt vorangebracht hat.

Walldürn hat unter seiner Ägide mehr als nur einen Schritt nach vorne getan. Zahlreiche Bauprojekte zeugen davon. Leistungen, die er stets in Zusammenarbeit und im Einvernehmen mit dem Gemeinderat und der Verwaltung erreicht hat. Darauf legte er großen Wert: Der Bürgermeister alleine kann nur wenig bewegen, erst zusammen geht es spürbar voran. Ersichtlich wird das an der Tatsache, dass bei allen unterschiedlichen Meinungen im Gemeinderat am Ende fast immer eine einvernehmliche Lösung stand.

Wenn er für seine Überzeugungen dicke Bretter bohren musste, dann hat er auch das getan. Auch wenn das mitunter lange gedauert hat. Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit.

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Bei der Trauerfeier am 11. Mai war die Basilika brechend voll, viele Menschen wollten von Karl-Heinz Joseph Abschied nehmen.

"Traurige Wahrheit"

Landrat Dr. Achim Brötel kann sich noch gut an den 6. Mai 2007 erinnern. "Als ich damals die Nachricht erhalten habe, standen wir gerade mit den Fahrrädern vor dem Römermuseum in Osterburken. Es war sonntagmorgens und in wenigen Minuten sollte die Saisoneröffnungstour der TGO starten. Ich weiß noch genau, wie es gewesen ist: Keiner konnte und wollte es glauben. Es war aber die traurige Wahrheit." Er brach die Tour gleich ab und ist an dem Tag mittags zu Josephs Frau Karin gefahren, zusammen mit Walldürner Stadt- und Kreisräten. Joseph seien die Menschen erklärtermaßen ganz besonders am Herzen gelegen. "Für sie hat er sich unermüdlich eingesetzt, bis an die Grenzen seiner eigenen Leistungsfähigkeit, und manchmal auch darüber hinaus." Dabei habe er nicht alleine das Wohl von Walldürn und seiner Bürger im Auge gehabt, sein Blick ging weit darüber hinaus, galt auch dem Kreis und der Region. In seiner Zeit als Buchener Bürgermeister etwa hätten Joseph und er "die Qualität der Beziehungen beider Städte auf eine deutlich andere Grundlage gestellt, als das vorher der Fall war."

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Er habe in Karl-Heinz Joseph nicht nur einen politischen Kollegen, sondern "auch einen guten Freund verloren", sagte Dr. Brötel. Und diese freundschaftliche Verbundenheit sei auch mit dessen Tod nicht zu Ende gegangen, sondern halte an. "Wann auch immer ich in Walldürn auf dem Friedhof bin, besuche ich ihn. Es gibt einfach Dinge, die auch über den Tod hinaus bleiben."

"Viel für Walldürn erreicht"

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Der heutige Bürgermeister Markus Günther war damals der 1. Bürgermeister-Stellvertreter. Er war zu Hause, als er die Nachricht erhielt. Am Tag vorher hatte er Karl-Heinz Joseph noch in der Stadt getroffen, sich mit ihm unterhalten. "Ich war total geschockt, wollte es nicht glauben", schildert er seine erste Reaktion.

Gleichzeitig sei auf ihn als Bürgermeister-Stellvertreter "mehr Verantwortung" zugekommen. Mit dem Hauptamtsleiter Helmut Hotzy habe er das weitere Vorgehen besprochen. "Das sind Dinge, die man sich nicht wünscht." Zusammen mit Hotzy und Landrat Dr. Achim Brötel habe er die Frau von Karl-Heinz Joseph besucht, um ihr in der schweren Stunde beizustehen. "Wir waren alle in einer Art Schockzustand", erinnert er sich.

Karl-Heinz Joseph habe die Stadt positiv verändert, viel für Walldürn erreicht und bewegt. Exemplarisch nannte er die Innenstadtsanierung. Geschätzt habe er an Joseph seine menschliche Art. "Er ist auf jeden zugegangen, war aufgeschlossen, hatte immer ein offenes Ohr. Im Gemeinderat war die Zusammenarbeit mit ihm immer gut."

"Für alle Bürger da gewesen"

Herbert Kilian, der damals Vorsitzender der SPD-Fraktion im Walldürner Gemeinderat war, ist bei dem Thema auch zehn Jahre danach noch betroffen. Er wurde damals gegen 8.30 Uhr von Karin Joseph informiert. "Ich war zuerst fassungslos", erinnert er sich im Gespräch mit den FN. "Ich wollte es gar nicht glauben."

Karl-Heinz Joseph hat sehr viel für Walldürn erreicht und bewegt, so Kilian. Und er sei für alle Bürger da gewesen, habe sich oft auch um Kleinigkeiten gekümmert, um die sich ein Bürgermeister eigentlich nicht hätte kümmern müssen. Das sei eine der Stärken von Karl-Heinz Joseph gewesen: auf Menschen zugehen, ihnen zuhören, sich um ihre Anliegen kümmern. "Bewundert habe ich immer seinen politischen Verstand und seine Fähigkeit, Situationen sofort zu erfassen und analysieren."

Etwas für die Menschen Walldürns und der Region zu erreichen, das sei auch seine Motivation gewesen, für den Landtag zu kandidieren. "Als MdL hat man andere Möglichkeiten, um etwas zu bewegen."

Ein Bürgermeister müsse freilich auch viel Kritik einstecken, sagte Kilian weiter. "Besonders getroffen hat ihn das Ergebnis bei seiner zweiten Wiederwahl", so Kilian im Rückblick.

Für die SPD kandierte Kilian anfangs noch als "Parteiloser" und zog in den Gemeinderat ein. "Überredet" zur Kandidatur hatte ihn Joseph, später auch zum Eintritt in die SPD. Über das rein Politische hinaus habe er vor allem einen guten Freund verloren, so Kilian abschließend.

Heute, zehn Jahr später, ist Karl-Heinz Joseph zweifellos immer noch ein Teil dieser Stadt. Spuren seines Wirkens sind an vielen Stellen zu finden. In der Kernstadt und in den Ortsteilen. Und viele Menschen in der Stadt und darüber hinaus werden heute in Gedanken und im Gedenken bei ihm und seiner Familie sein.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter Buchen, zuständig für Walldürn.