Odenwald Hospiz Walldürn - Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Arbeit / Gespräch mit Geschäftsführerin Christine Lehner „Emotionen bleiben auf der Strecke“

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Ralf Marker
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Begleiten die Gäste im Hospiz (von links): die Geschäftsführerin Christine Lehner, die Pflegefachkräfte Karin Schmitt, Yvonne Erbacher, Miriam Gramlich und die stellvertretende Pflegedienstleiterin Carola Meyer. © Ralf Marker

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Arbeit im Odenwald Hospiz. Die Gäste des Hauses dürfen nur sehr beschränkt Besuch empfangen, die Mitarbeiter werden ständig getestet.

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Walldürn. Seit fast einem Jahr arbeiten die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizes jetzt unter Pandemiebedingungen. „Eine anstrengende Situation“, wie Christine Lehner, Geschäftsführerin des Odenwald Hospizes im Gespräch mit den FN sagte. Seit März gilt für das Personal die Maskenpflicht, seit November muss es eine FFP2-Maske sein. Und mit solch einer Maske acht Stunden mitunter körperlich anstrengend zu arbeiten - „da wissen die Schwestern danach, was sie geleistet haben.“ Und das Personal wird regelmäßig getestet. Mit einem Rachenabstrich alle zwei Tage, den die Pflegekräfte gegenseitig machen dürfen.

Ort der Geborgenheit

Das Odenwald Hospiz

Die Aufgabe: Menschen mit einer nicht mehr therapierbaren Erkrankung, deren Lebenserwartung begrenzt ist und deren Pflege nicht im häuslichen Umfeld gewährleistet werden kann, können Gast im Odenwald-Hospiz werden. Dieser Aufenthalt ist kostenlos.

Das Leitwort: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern dem Tag mehr Leben.“ Diesem Motto von Cicely Saunders, einer englischen Ärztin, die die moderne Hospizbewegung gegründet hat, hat sich das Odenwald-Hospiz verschrieben. Im Mittelpunkt der Pflege und Betreuung steht der Mensch, um ihm am Lebensende ein friedvolles Sterben in Würde zu ermöglichen.

Das Team: Das Team des Hospizes besteht aus qualifizierten Pflegefachkräften, die von ehrenamtlichen Hospizbegleitern, Hauswirtschaftskräften, Seelsorgern, den Hausärzten vor Ort sowie ausgebildeten Palliativmedizinern unterstützt werden.

Die Plätze: Das Haus bietet Platz für zehn Gäste in Einzelzimmern. Angehörige können im Hospiz übernachten.

„Das Odenwald Hospiz ist ein Ort der Geborgenheit. Im Mittelpunkt unserer Pflege und Betreuung steht der Mensch, um ihm am Lebensende ein friedvolles Sterben in Würde zu ermöglichen“, so der Text auf der Internetseite des Hospizes. Dieser Anspruch gilt nach wie vor, aber die Rahmenbedingungen haben sich geändert, so Christine Lehner. In Zeiten der Pandemie sind die Besuchsmöglichkeiten von Angehörigen genau geregelt. „Maximal zwei feste Bezugspersonen dürfen kommen, wenn der Gast stabil ist. Mehr Besucher sind möglich, wenn der Gast im Sterben liegt. Dann ist der engste Familienkreis erlaubt.“

Aktuell hatte das Hospiz den Fall eines jungen Mannes, Anfang 30. Freunde durften ihn nicht besuchen. „Kontakt halten ist natürlich auch über soziale Medien möglich, aber das ersetzt nicht das Persönliche“, so die Geschäftsführerin. Nach wie vor geht etwa, dass ein Ehepartner im Hospiz übernachtet. Das ist für den Gast eine große Erleichterung.

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Das Wohnzimmer war vor der Pandemie ein gerne genutzter Treffpunkt. Etwa wenn ein Gast in der Nacht gestorben war, dann sind die Angehörigen noch ein wenig mit dem Pflegepersonal zusammen gesessen. „Das hat den Angehörigen Kraft gegeben, in so einer schwierigen Situation.“ Das ist in Zeiten der Pandemie nicht mehr möglich. „Viele Emotionen bleiben auf der Strecke“, sagt Christine Lehner. Eine Begrüßung mit Handschlag ist schon lange kein Thema mehr. Schlimmer ist für sie, dass sich die Menschen nicht mehr nahe kommen dürfen. Gerade in einem Hospiz ein wichtiger Faktor. „Einen Angehörigen nach dem Verlust eines geliebten Menschen nicht zu umarmen oder in den Arm nehmen zu dürfen, um ihm Trost zu spenden, das ist schwer.“

Im Hospiz gilt Maskenpflicht, auch die Besucher dürfen den Gast nur mit Maske besuchen. Da kommen wieder die Emotionen ins Spiel. „Zu sehen sind da die Augen, da kann man schon Gefühle erkennen, aber die ganze emotionale Bandbreite, die ein Gesicht ausdrücken kann, die ist natürlich nicht da.“

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Das Hospiz bietet einige Veranstaltungen, die den Angehörigen Trost und etwas Zuversicht spenden. Etwa die regelmäßige Gedenkfeier. „Das ist ein wichtiger Tag für die Angehörigen, um noch einmal Abschied zu nehmen, an dem Ort, an dem der Angehörige gestorben ist. Aber es ist auch für das Personal ein wichtiger Tag. Der Tag bildet einen Abschluss.“

Keine Gedenkfeier

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Die letzte Feier fand im November 2019 statt. Für die Gedenkfeier im März 2020 waren die Einladungen schon verschickt – dann kam die Pandemie und hat auch das verhindert. Wann die nächste Feier stattfinden kann, da wagt sie keine Prognose…

Wie es nach Corona weitergeht, da macht sich die Geschäftsführerin auch so ihre Gedanken. „Ich bin mir sicher, dass unser Haus irgendwann wieder ein Ort der Begegnungen sein wird. Für den Moment bleibt es ein Ort der Geborgenheit und Fürsorge“. Nach der Pandemie soll es wieder Platz für die Trauer der Zurückbleibenden geben. So plane man zum Beispiel ein Trauercafé für trauernde Angehörige ehemaliger Gäste. „Das Personal ist motiviert, auch in diesen schwierigen Zeiten“, sagt Christine Lehner abschließend. „Dass aber nicht mehr so viel Nähe möglich ist, das macht die Aufgabe nicht leichter.“

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter Buchen, zuständig für Walldürn.