Großer Blutfeiertag bei der Walldürner Wallfahrt - Erzbischof Burger predigte beim Pontifikalamt / Große Prozession durch die Innenstadt „Das Herz zum Nächsten hin weiten“

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Ralf Marker
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Nach dem Pontifikalamt mit der Predigt von Erzbischof Stephan Burger zog eine große Prozession durch die Innenstadt, bei der auch das Blutkorporale mitgeführt wurde. © Ralf Marker

Walldürn. Die Liebe zu Gott und die Nächstenliebe stellte Erzbischof Stephan Burger in den Mittelpunkt seiner Predigt im Pontifikalamt beim Großen Blutfeiertag bei der Walldürner Wallfahrt.

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Der Erzbischof wurde von zahlreichen Konzelebranten und Ministranten am Pfarrhaus abgeholt und durch die voll besetzte Basilika zum Freialtar auf den ebenfalls voll besetzen Wallfahrtsplatz geleitet. Dort begrüßte Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula, OFM Conv., die zahlreichen Gläubigen, Vertreter der kirchlichen und politischen Gemeinde und des öffentlichen Lebens und zahlreiche Pilgergruppen. Das Pontifikalamt wurde musikalisch von Kirchenchor unter der Leitung von Katrin Kirchgeßner und Orchester mit der Häfner-Messe umrahmt. Am Freialtar war auch das Blutkorporale aufgestellt.

Der Stadtpfarrer ging auf den bedeutendsten Wallfahrtstag innerhalb der Hauptwallfahrtszeit ein. „Papst Eugen IV. hat im Jahr 1445 die ursprüngliche Kirche durch eine Ablassgewährung auf den Oktav Tag von Fronleichnam ausgezeichnet. Trotz aller Geschehnisse in der jahrhundertelangen Vergangenheit wurde dieser Tag bis heute als örtlicher Feiertag und Höhepunkt der Wallfahrt beibehalten und es ist eine Freude zu sehen, wie viele Menschen ihn gemeinsam mit uns hier feiern möchten.“

So wolle man gemeinsam die Eucharistie feiern und „sich hier an diesem Gnadenort anregen lassen von der Barmherzigkeit Gottes und gestärkt, nicht nur für uns, sondern auch für die Hilfe an unseren Mitmenschen, hinausgehen in unseren Alltag“.

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Nach den Lesungen aus dem Buch Exodus und dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus und der Verkündung des Evangeliums nach Markus thematisierte der Erzbischof aus Freiburg das Leitwort der diesjährigen Wallfahrt „Suche Frieden und jage ihm nach“.

„Du sollst Gott lieben mit ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst“, sagte der Erzbischof. Dieses Doppelgebot beinhalte mehr als nur Respekt vor Gott und dem Nächsten. „Dieses Gebot gilt ohne Ausnahme, ohne Abstufungen.“ Es sei das höchste Gebot, auf das Jesus die Menschen verweise, so habe man es gerade im Evangelium gehört.

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Das Gebot sei international, universal und stets aktuell, so wie es die Botschaft Jesu überhaupt sei. „Und doch gibt es wohl kein Gebot, welches den Menschen so schwerfällt in der Umsetzung.“ Das Leitwort wolle den Menschen dazu verhelfen, das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe nach innen und außen zu leben, sagte Stephan Burger.

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Nach seinen Worten ist es „ein Motto, das seine Dringlichkeit nicht nur auf dem diesjährigen Katholikentag in Münster bewiesen hat, sondern mit Blick auf das gegenwärtige Weltgeschehen zum notwendigen Ausrufezeichen für alle Völker und alle Menschen wird.“

„Europäisches Problem“

Nächstenliebe komme dort an ihre Grenzen, wo eigene Interessen scheinbar gefährdet seien. Das gelte sowohl für Einzelpersonen als auch für politische Strömungen. Er ergänzte, leider werde „diese Egozentrik“ immer mehr zu einem europäischen Problem: „Das großartige Engagement von unzähligen Flüchtlingshelfern scheint mittlerweile und angesichts mancher Bedenkenträger eher verunglimpft als wertschätzend anerkannt zu werden.“ So lasse sich das viel kritisierte „America first“ erweitern auf „meine Interessen zuerst“, oder „mein Unternehmen, mein Land, mein Deutschland, mein Frankreich, mein Russland und so weiter“. Der Erzbischof betonte: „Auch innerkirchlich scheint es da und dort attraktiv zu sein, sich auf den heiligen Rest zu konzentrieren, auf sich selbst, und die Welt da draußen anderen zu überlassen.“

Wo Menschen beginnen, um sich selbst zu kreisen, wird nach den Worten des Erzbischofs ihre Außenwahrnehmung eingeschränkt und Misstrauen geweckt, „bis hin zur Ablehnung all dessen, was nicht mein ist. Das Andere, der Andere wird zum Feind, zum Gegner, der dann bekämpft werden muss. Dass der Andere, der Nächste auch Gutes an sich haben und mit sich bringen könnte, dass er ein Geschöpf Gottes ist, genauso geliebt und angenommen wie ich selbst, wird nicht mehr registriert.“

Damit der Einzelne wie auch die Weltgemeinschaft aus dieser Dynamik herauskommen, empfahl Erzbischof Burger im Glauben und Vertrauen auf Gott das Herz zum Nächsten hin zu weiten. „Hier mag der Blick auf das Geheimnis unserer Wallfahrt hier in Walldürn weiterhelfen.“ Mit dem Kreuzestod habe Christus die Dynamik des Bösen und der Selbstverschließung des Menschen ein für alle Mal und für uns alle durchbrochen. „Jesu Hingabe für uns Menschen, seine Erlösungstat am Kreuz schafft uns Zugang zu Gott, zu seiner Liebe, zu seinem Leben, zu einem Leben in Freiheit.“

„Wir werden befähigt und angespornt, das Gute zu tun. Wir suchen den Frieden, jagen ihm nach. Und wir werden zu Zeugen in dieser Welt für eine lebendige und gelebte Gottes- und Nächstenliebe!“

Nach dem Pontifikalamt zog eine große Prozession durch die Straßen der geschmückten Innenstadt.

Info: Weitere Bilder vom Blutfeiertag gibt es unter www.fnweb.de in einer Galerie.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter Buchen, zuständig für Walldürn.