Bundesstraße 47 in Rippberg - Lärmpegel macht den Anwohnern zu schaffen / Straße in schlechtem Zustand Bürger stecken im Kompetenzwirrwarr

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Ralf Marker
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Ein Traktor zur Geschwindigkeitsreduzierung – das gibt es derzeit auf der Bundesstraße 47, der Ortsdurchfahrt in Rippberg. © Ralf Marker

Über die Bundesstraße 47 in Rippberg rollen jeden Tag zahlreiche Autos und Lkw. Stellenweise ist die Straße in einem schlechten Zustand. Anwohner drängen auf Verbesserungen.

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Rippberg. Die FN haben sich mit Jürgen Seber getroffen, einem Anwohner. Er wohnt im ehemaligen Pfarrhaus, das er gerade umbaut. Er schilderte seine Erfahrungen mit Ämtern und Behörden, wenn es um den Zustand der Straße geht, und eine mögliche Sanierung. So richtig vorankommen sie nicht mit ihrem Anliegen. Seit Jahren sind sie in Kontakt mit Ämtern und Behörden – und verlieren sich im Kompetenzwirrwarr und unübersichtlichen Zuständigkeiten, so Seber gegenüber den FN.

Das Thema wurde auch bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates angesprochen. Gemeinderat Thomas Trunk brachte das Thema auf die Tagesordnung. Der schlechte Zustand der Bundesstraße sorge für Lärmbelastung der Anwohner. Manche von ihnen würden jetzt ihre Autos auf der Straße parken, um so die Geschwindigkeit des Verkehrs zu reduzieren und den Lärmpegel zu senken. Jürgen Seber etwa hat seinen Traktor vor seinem Haus geparkt.

Er dürfe zwar nicht Dauerparken, so Seber, aber das Fahrzeug eine Weile dort abstellen, das gehe. Die Polizei sei auch schon da gewesen und habe sich das angeschaut. Er müsse Vorgaben umsetzen, etwa ein Warndreieck aufstellen. Zusätzlich habe er noch sogenannte Katzenaugen an dem Traktor befestigt, für bessere Sichtbarkeit in der Nacht.

Laute Kanaldeckel

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„Besonders laut wird es, wenn die Fahrzeuge über die Kanaldeckel fahren“, so Seber. Die sind ausgeschlagen und klappern bei der Überfahrt. „Das hören wir bis ins Haus.“ Besonders, wenn die Fahrzeuge schnell unterwegs sind. Zu spüren sind auch Vibrationen im Haus, „da können schon mal die Gläser im Schrank klirren.“ Zur Straßenseite hin hat er Schallschutzfenster eingebaut.

Der Verkehr habe zwar zugenommen, aber nicht so sehr, so seine Einschätzung, aber der Zustand der Straße habe sich im Lauf der Jahre deutlich verschlechtert. Und die letzte Erneuerung der Fahrbahndecke sei schon einige Jahre her. Um „Geschwindigkeit rauszunehmen“, habe er seinen Traktor an den Straßenrand gestellt. Eine Maßnahme, die hilft. „Es ist ruhiger, es gibt weniger Erschütterungen.“

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Eine Sanierung der Straße sei wünschenswert und nötig – mit diesem Anliegen durchzudringen gestalte sich allerdings schwierig, so Seber. Eine Erfahrung, die auch andere Anwohner gemacht hätten. 2019 zum Beispiel hätten sie sich an die Stadt gewandt. Die habe einen Einsatz des Bauhofs in Aussicht gestellt, passiert sei aber nichts.

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Die FN haben bei der Stadt wegen der Zuständigkeit nachgefragt. „Wie die Bezeichnung/Abkürzung ,B 47’ es schon sagt, handelt es sich hierbei um eine Bundesstraße. Das Straßengesetz für Baden-Württemberg regelt, dass die Zuständigkeiten hierfür beim jeweiligen Regierungspräsidium und den Unteren Verwaltungsbehörden liegt. Dies betrifft den Straßenkörper. Die unter der Straße befindlichen Kanalleitungen sind jedoch Eigentum der Stadt Walldürn“, so die Antwort aus dem Rathaus.

„Wir haben die Straßenmeisterei beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis darüber in Kenntnis gesetzt. Diese hat seit der Erneuerung der bituminösen Deckschicht der Ortsdurchfahrt im Jahr 2009 örtliche Schäden mit Asphaltmörtel saniert. Eine weitergehende Sanierung übersteigt allerdings die Möglichkeiten der Straßenmeisterei. Nach unserem Kenntnisstand wurde das vorgetragene Anliegen an das Regierungspräsidium Karlsruhe, Bauleitung Buchen, weitergeleitet.“

Und Ortsvorsteher Wolfgang Stich sagte auf Anfrage der FN, dass die Ortschaftsverwaltung ebenfalls schon mehrfach an den verschiedensten Stellen auf den schlechten Straßenzustand hingewiesen hat.

Einblicke bei Rundgang

Nicht nur der Zustand der Straße ist schlecht. Kritisch betrachtet Seber etwa auch den Zustand der Stützmauer zwischen der Bundesstraße und seinem Haus. In der Mauer seien einige Steine locker, wie er den FN zeigte. Der Gehweg entlang der Straße hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Halterungen an der Leitplanke sind angerostet oder verrostet und in den Betonpfosten kaum noch verankert – das alles zeigt sich bei einem „Rundgang“ Bundesstraße, Leitplanke, Gehweg, Stützmauer.

Seber hat im Lauf der Zeit einige Ämter und Behörden angeschrieben: Stadt, Landratsamt, Regierungspräsidium, Verkehrsministerium. Und auch Bilder von der Straße mitgeschickt; von den Mängeln und Schäden. Und häufig das Argument mit der „Zuständigkeit“ gehört. Was ihn ratlos werden lässt: „Man weiß nicht, wo man sich hinwenden soll.“ Während des rund einstündigen Termins passieren zahlreiche Fahrzeuge die Ortsdurchfahrt. Die Erkenntnis: Es ist laut, stellenweise sehr laut. Was vor allem an den zahlreichen Lkw liegt, die durch Rippberg fahren.

„Wir fordern keine Wunder“

Etwas neidisch blickt Seber nach Schneeberg, den Nachbarort jenseits der Landesgrenze in Bayern. Dort verläuft die Bundesstraße 47 ebenfalls durch die Gemeinde. Hier sei die Ortsduchfahrt aber auch schon mehrfach hergerichtet worden.

Und es gelte Tempo 30. Das könnte sich Seber auch für Rippberg vorstellen. Eine Ansicht, die auch andere Anlieger begrüßen würden, sagte er gegenüber den FN. Er werde mit seinem Wunsch nach einer Straßensanierung auf jeden Fall weiter aktiv bleiben. Und abschließend sagt er: „Wir fordern keine Wunder, wir wollen aber ernst genommen werden.“

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter Buchen, zuständig für Walldürn.