Fußwallfahrt nach Dettelbach - Robert Hollerbach rief die Wallfahrt 1988 wider ins Leben / Versprechen stammt aus den Zeiten des 30-jährigen Krieges Am Anfang waren elf Pilger unterwegs

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Bei der ersten Wallfahrt 1988 machten sich elf Pilger auf den Weg (Bild links). Die Zahl der Pilger ist im Lauf der Jahre immer mehr angewachsen.

© Dettelbach-Wallfahrt

30 Jahre Fußwallfahrt nach Dettelbach - dieses Jubiläum wurde 2017 gefeiert. 1988 machten sich die Pilger erstmals auf den Weg zur Wallfahrtskirche zur "Schmerzhaften Mutter Gottes".

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Walldürn/Dettelbach. Anlässlich der 30. Fußwallfahrt von Walldürn nach Dettelbach im Juli gab Marliese Ackermann an der Stammbergkapelle in Tauberbischofsheim - dem Zielort des ersten Tages - einen Rückblick auf die drei Dekaden der erlebnisreichen Fußwallfahrt. Sie ist von Anfang an dabei und Organisatorin der Wallfahrt.

Entsprechend dem damaligen Gelöbnis und der Tradition der Stadt Walldürn nach den Wirren des 30-jährigen Krieges mit vielen verheerenden Pestjahren hat der damalige Bürgermeister Robert Hollerbach im Frühjahr 1988 wieder eine mehrtägige Fußwallfahrt ins Leben gerufen, sagte sie zum Ursprung der Fußwallfahrt. Um diese Idee zu forcieren und baldigst zu realisieren, folgten noch zahlreiche Gespräche im Architekturbüro des damaligen Bürgermeisters wie auch am "Stammtisch Hirsch".

Es folgten Besprechungen, Sitzungen und viel kreative Pionierarbeit. Zunächst galt es, passable Pilgerwege abseits der Verkehrsstraßen zu finden. Es folgten etliche Erkundungstouren anhand von Wanderkarten und Informationen über die am Wege liegenden Ortschaften. Es galt markante Gehwege, angemessene Einkehrmöglichkeiten und passende Geländewege zu erkunden.

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An diesen Vorbereitungen beteiligten sich auch Arbeitskollegen des Architekturbüros von Robert Hollerbach: Adolf Kupetz und Marliese Ackermann als auch Stammtischfreund Willi Kuhn.

Der Wallfahrtstermin stand: 29. September bis 1. Oktober 1988, also nach den Sommerferien. Später wurde der Termin an die bestehende Buswallfahrt angelehnt, immer das Wochenende nach der hiesigen Wallfahrtszeit.

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Zur ersten Fußwallfahrt hatten sich zunächst neun Personen angemeldet, zwei kamen unangemeldet an der Laurentiuskapelle dazu; also begaben sich elf Pilger am Donnerstagmorgen nach dem Gottesdienst in der Basilika bei strömendem Regen auf den Pilgerweg: Robert Hollerbach, Hermann Kaufmann, Willi Kuhn, Adolf Kupetz, Egon Zahn, Theo Trabold, Erna Zorngiebel, Rita Trunk, Elfriede Frei, Karl Hefner und Fahrer Alfred Bleier. Unterwegs schlossen sich noch an: Horst Hommers, Klaus und Ursel Mairon, Adolf Frei und Stadtpfarrer Pater Wigbert. Der erste Begleitbus wurde bereits damals von Margot Hennig unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Pausen- und Haltestationen wurden kurzfristig unterwegs festgelegt. Die große, alte Dettelbacher Wallfahrtsfahne wurde damals auf der ganzen Wegstrecke mitgetragen. Zum Vorbeter wurde der damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Hermann Kaufmann von Robert Hollerbach verpflichtet, Mitvorbeter waren Rita Trunk und Horst Hommers.

Betten nachreserviert

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Die erste Übernachtung war im "Badischen Hof" in Tauberbischofsheim. Aufgrund weiterer Mitpilger mussten einige Betten nachreserviert werden. Hilfreiche Adressaten waren: Leitstelle im ehemaligen Büro und Telefonzellen auf der Wegstrecke, um noch weitere Übernachtungsmöglichkeiten in Tauberbischofsheim oder in Gaststätten benachbarter Gemeinden zu erfragen.

Nachdem für den Rücktransport der Wallfahrer mehr Autos als vorauszusehen notwendig wurden, sind dann am dritten Tag folgende Personen nach Randersacker gekommen, um den gesamten Rücktransport zu gewährleisten: Marliese Ackermann, Berti Gramlich, Anna und Josef Kreis, Magda und Gerhard Trunk, Rudolf Mechler, Karl Grimm, Helmut Trunk, weitere Mitpilger: Martha Wick, Theodor und Rosemarie Wick.

Die reservierten Übernachtungen in Randersacker reichten nicht aus, somit fanden Pilger auch Unterkunft in Theilheim, wo sie in sehr familiärer Atmosphäre untergebracht waren. Durch den ständigen Anstieg der Wallfahrer wurden weitere Übernachtungen in Tauberbischofsheim, in Dittigheim, Hochhausen, später im ehemaligen Konvikt Tauberbishofsheim dazu gewonnen.

Gefragt waren und sind noch heute die privaten Unterkünfte in Theilheim mit der gemeinsamen Verpflegung im dortigen Pfarrheim, wofür dem dortigen Frauenbund großer Dank gelte.

Die steigenden Teilnehmerzahlen benötigten Neuerungen: Begleitbusse mit einem Gepäckwagen, den lange Zeit Irmin Heusler fuhr und auch stiftete. Weitere Begleitbusse stellten verschiedene Firmen kostenlos, im Jubiläumsjahr: Taxi Schmidt, Margot Hennig und Bus Berberich. Dank galt auch allen Fahrern.

Die Rot-Kreuz-Begleitung besorgte anfangs Horst Hommers, nach seinem Tod versieht diesen Dienst Adalbert Sahner. Die Kaffeepausen an der Stammbergkapelle besorgten 20 Jahre lang Jürgen Spieler in Begleitung von Ernst Heinrich. Aktuell werden die Pilger von Karin Kuhn mit ihren Verwandten sowie Conny Seubert versorgt. Für Verpflegung unterwegs und für sonstiger Betreuung sorgen Sponsoren. Seit 25 Jahren begleitet die Odenwälder Trachtenkapelle die Pilger zum Pilgergottesdienst in Dettelbach, dank des Engagements des damaligen Stadtpfarrers Pater Wigbert.

Bei der 10. Wallfahrt stiftete Mitbegründer Egon Zahn ("Engelwirt") eine neue Dettelbach-Fahne, und ehrte den Initiator der Fußwallfahrt, Robert Hollerbach, mit einem Pilgerstab. Am 10-Jahr-Jubiläum 1998 nahmen bereits 130 Fuß-Wallfahrer teil, darunter nicht nur Walldürner, auch viele auswärtige Pilger. Zum 25-Jahr-Jubiläum stiftete Mitwallfahrer Ralf Englert ein selbst geschnitztes Kreuz, das seither ganz vorne den Weg zeigt.

Die täglichen Gottesdienste während der dreitägigen Fußwallfahrt in Walldürn, Kleinrinderfeld und Dettelbach werden jeweils von Walldürner Geistlichen, ehemals die Augustiner und seit zehn Jahren die Franziskaner Minoriten, zelebriert unter Mitgestaltung von Diakon Karl-Heinz Becker.

Dem engagierten Vorbeter-Team gehören Pfarrgemeinderatsvorsitzender Wolfgang Eisenhauer und Diakon Karl-Heinz Becker an. Eine Fülle von Vorarbeiten leistet seit 30 Jahren Marliese Ackermann, die seit 30 Jahren unermüdlich Herz und Hand der Fußwallfahrt verkörpert. Bei jeder Wallfahrt gedenkt die Pilgergruppe stets den ehemaligen Teilnehmern, besonders dem Initiator und Wiedergründer, Altbürgermeister Robert Hollerbach.

Diese bereits 30. Fußwallfahrt- Tradition soll noch lange viele Menschen zusammenführen zum Lobe Gottes und der großen Fürsprecherin Maria der Mutter Gottes, so Marliese Ackermann. Dank galt allen bisherigen Teilnehmern und Unterstützern der Wallfahrt.