Orden feiert Jubiläum - Vor 30 Jahren wurde die Walldürner Komturei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem gegründet Alles dreht sich um das Heilige Land

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Ralf Marker
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Die Komturei Walldürn des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem feiert in diesem Jahr Jubiläum. Das Bild zeigt Mitglieder des Ordens 2014 beim Großen Blutfeiertag bei der Wallfahrt zum Heiligen Blut.

© Bernhard

Walldürn. Sie waren bei der Wallfahrt 2014 ein echter Blickfang - die Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Die Ritter mit weißen Ordensmänteln, die Damen mit schwarzen Mänteln und auf diesen jeweils das Ordenswappen mit dem roten fünffachen "Jerusalemkreuz". Was mancher nicht weiß: In Walldürn gibt es eine Komturei des Ordens, und das schon seit 30 Jahren. Im Herbst wird das Jubiläum gefeiert. Für die FN war das ein Grund, sich mit Walter Herre, dem derzeit leitenden Komtur, über den Orden, seine Aufgaben und Ziele zu unterhalten.

Zahlen und Fakten zum Ritterorden

  • Die Deutsche Statthalterei bringt jährlich etwa 1,5 Millionen Euro auf. Insgesamt sammeln die Grabesritter in aller Welt jedes Jahr mehr als zehn Millionen Euro.
  • Hiermit werden in Friedenszeiten Baumaßnahmen in den vom Orden unterstützten Häusern gefördert, während jetzt vorrangig mit allen verfügbaren Mitteln humanitäre Hilfe geleistet wird.
  • Die Anzahl von 300 000 Katholiken im Heiligen Land hat als religiöse Minderheit nur einen Anteil von weniger als zwei Prozent an der Gesamtbevölkerung. Deswegen ist die wichtigste Aufgabe, die Erhaltung und Förderung des christlichen Lebens im Heiligen Land.
  • Dem Ritterorden gehören weltweit 30 500 und in Deutschland 1400 Mitglieder an. Von den 1400 Migliedern sind 70 Prozent Männer, 17 Prozent Frauen und 13 Prozent Geistliche.
  • Das Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren. Die deutsche Statthalterei ist in sechs Ordensprovinzen und 38 regionale Komtureien gegliedert.
  • Eine dieser Komtureien ist die Komturei St. Bonifatius, Walldürn.
  • Weitere Informationen gibt es unter www.oessh.net im Internet.
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"Wir sind Mitglieder eines päpstlichen Ritterordens in der katholischen Kirche, der 1868 durch Papst Pius IX. gegründet wurde. Der Orden hat den besonderen Auftrag vom Heiligen Vater, zum Wohle der Christen im Heiligen Land aktiv zu sein und die christliche Lebensführung seiner Mitglieder zu fördern. Dies geschieht durch das gemeinsame Gebet und durch Spenden", so Herre im Gespräch mit den FN. "Wir sind kein Orden wie andere, und wir haben auch nichts mit den Ritterorden der Kreuzzüge zu tun."

Die Gemeinschaft von katholischen Christen ist ein Laienorden, der Frauen und Männer als auch Geistliche aufnimmt. "Im Mittelpunkt der Spiritualität unseres Ritterordens steht die Grabeskirche in Jerusalem als Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi."

Vorrangiges Ordensziel ist die Förderung der religiösen und sozialen Aktivitäten und Einrichtungen der katholischen Kirche im Heiligen Land, um dort den katholischen Glauben zu erhalten. Daher unterstützt der Ritterorden im Heiligen Land den Bau und die Unterhaltung von Kirchen, 41 Schulen, die Universität und das Caritas Baby Hospital von Bethlehem, Kindergärten und Altenheimen bis zur Ausbildung junger Leute und direkter Hilfe für sozial Schwache.

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"Im Sinne des friedlichen Zusammenlebens und der Ökumene steht diese Hilfe nicht nur christlichen Religionsgemeinschaften zur Verfügung, sondern allen Menschen, unabhängig ihrer religiösen Überzeugung und ethnischer Herkunft", sagt Herre weiter. Der das mit Blick in die Zukunft für "eine friedensstiftende Maßnahme, einen wichtigen Aspekt der Ordensarbeit" hält.

"Eine große Sache"

Die Komturei St. Bonifatius, Walldürn wurde vor 30 Jahren in Walldürn gegründet, das 30-Jahr-Ordensjubiläum wird am 25. Oktober gefeiert. "Für eine kleine Komturei ist das eine große Sache", sagt Herre. Zu der Feier werden die Mitglieder anderer Komtureien kommen, auf dem Programm stehen die Eucharistiefeier in der Basilika und ein Festakt im Pfarrheim.

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Mit dem 1. Leitenden Komtur Apotheker Wolfgang Döhling an der Spitze gab es sechs Gründungsmitglieder. Der Komturei gehören zurzeit 20 Ordensmitglieder aus den Regionen Neckartal, Tauber, Main, Hohenlohe und Odenwald an. Ein Drittel der 20 Ordensritter ist weiblich und der stellvertretende Leitende Komtur ist eine Komtur-Dame. "Damit wird der hohe Stellenwert der Frauen im Orden deutlich", so Herre.

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Der Komtureisitz in Walldürn ist eine Besonderheit, da die meisten Komtureien ihren Sitz in einer Bischofsstadt haben. Die Grabesritter der Komturei treffen sich monatlich, um mit ihrem Prior Gottesdienst zu feiern, religiöse Vorträge zu hören, auf Augenhöhe zu diskutieren oder sich unter Gleichgesinnten auszutauschen.

Aufnahme in den Orden

"Um die Aufnahme kann man sich nicht bewerben, man wird angesprochen", führte Herre weiter aus. Als zum Beispiel er vor 15 Jahren angesprochen wurde, musste er nicht erst zum Mitmachen bewegt werden. Er kannte schon durch Freunde in der Komturei den Ritterorden und war mit den ritterlichen Grundhaltungen und Ordenszielen vertraut. "Mich begeistert der geschwisterliche Umgang der Ordensmitglieder und die gelebte Religiosität miteinander sowie konkrete Hilfe für die bedrängten Christen im Heiligen Land leisten zu können", so der Leitende Komtur.

Sorge machen den Ordensmitgliedern der Frieden im Nahen Osten und sie steigende Zahl der Christen, die das Heilige Land verlassen. Angesichts der kriegerischen Konflikte sei "unsere Solidarität mit den Christen und allen Menschen guten Willens vor Ort gefragt, die hilft - sei es im Gebet oder in materieller Hinsicht", so Herre. Wenn die Zahlen der Christen, die das Heilige Land verlassen, nach wie vor steigen, sei das ein Grund zur Sorge. "Das Heilige Land darf nicht eines Tages ohne lebendige christliche Gemeinschaft sein. Und wenn die kostbaren Orte der biblischen Überlieferung und des Lebens Jesu nicht mehr in der Obhut von gläubigen Christen sind, sehen wir, was passiert: Der Blick nach Ostsyrien und den angrenzenden Irak zeigt dramatische Bilder. Wir sehen, wie Kirchen angezündet und religiöse Stätten verwüstet werden."

Es gebe aber auch Zeichen, die Hoffnung machen. Zum Ersten sei an die Pilgerinvestitur der Deutschen Statthalterei in Jerusalem im Herbst 2013 zu erinnern. Über 500 Ordensmitglieder haben sich zu dieser Reise auf den Weg ins Heilige Land gemacht. "Von der christlichen Bevölkerung in Jerusalem wurde unser Pilgerweg als Geste großer Solidarität empfunden."

Zum Zweiten die ermutigende Pilgerfahrt des Papstes ins Heilige Land, so Herre weiter. "Papst Franziskus hat uns wegweisende Worte im Heiligen Land mit auf den Weg gegeben, Worte des Friedens, der Versöhnung, der interreligiösen Verständigung."