Schließung wegen Corona - Uwe Schmidt will auf dem Klageweg erwirken, dass seine vier Fitness-Studios in der Region unverzüglich wieder öffnen dürfen „Wir haben alle Vorgaben erfüllt“

Auf dem Klageweg will Uwe Schmidt erreichen, dass er seine vier Fitness-Studios in Tauberbischofsheim, Wertheim, Bad Mergentheim und Buchen umgehend wieder öffnen darf.

Von 
Harald Fingerhut
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Gähnende Leere herrscht derzeit in den Studios von Fit & Fun. Uwe Schmidt will mit seinem Antrag beim Verwaltungsgericht in Mannheim erreichen, dass die vom Land angeordnete Schließung aufgehoben wird. © Harald Fingerhut

Tauberbischofsheim. Uwe Schmidt versteht die Welt oder genauer die Maßnahmen von Bund und Land zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht mehr. Vor allem ist für ihn unbegreiflich, dass von der Politik Fitness-Studios als Einrichtungen ausgemacht worden sind, die die Ausbreitung von Covid-19 begünstigen, und deshalb schließen müssen. Betroffen sind in seinem Betrieb auch 20 festangestellte Mitarbeiter, die er erneut sozusagen in einen „Zwangsurlaub“ schicken musste.

Umfassendes Hygienekonzept

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„Wir haben seit der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown ein gut durchdachtes Hygienekonzept erarbeitet, nach dem unsere Kunden trainieren“, sagt der Chef von Fit & Fun. Zudem werde jeder Trainierende erfasst, wann er kommt und wann er geht. „Laut einer Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist das wichtigste Instrument zur Eindämmung der Pandemie die Nachverfolgung der Kontakte – und das ist bei uns definitiv zu 100 Prozent gewährleistet“, stellt Schmidt gegenüber den FN fest.

Das umfassende Hygienekonzept beinhalte weiter, dass Trainingsgeräte mit den nötigen Sicherheitsabstände zueinander aufgestellt sind. Dafür wurde auch die Zahl der Trainierenden reduziert. Mittlerweile hat er das Hygienekonzept sogar weiterentwickelt. Im Falle einer Wiedereröffnung würde es einen Schichtbetrieb geben. Wenn eine Schicht mit dem Training fertig ist, bleibt das Studio für eine halbe Stunde leer, so dass noch einmal jede Maschine gereinigt werden kann.

Weiter führt Uwe Schmidt ins Feld, dass einige aussagekräftige Studien vorgelegt worden seien, die ein Ansteckungsrisiko in Fitness-Studios durch Covid-19 für gering erachteten. „Wir haben seit der Wiedereröffnung und der Einführung unseres Hygienekonzepts noch keinen Corona-Fall gehabt, von einem Ansteckungsherd ganz zu schweigen“, betont der Fitness-Experte. „Wir haben auf alle bei einer Infektion notwendigen Fragen eine Antwort, genauso wie die Kollegen der Gastronomie.“

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Für Uwe Schmidt stellt sich deshalb die Frage: „Wieso müssen wir schließen und andere, die überhaupt keine Auflagen erfüllen, dürfen öffnen.“ Er nennt hier als Beispiele Einkaufspassagen oder Outlet-Center, in denen die Menschen ohne Maske herumliefen oder sie zum Essen und Trinken abnehmen würden. „Hier erfolgt sicherlich keine Erfassung der Kunden, so dass eine Rückverfolgung der Kontakte unmöglich ist.“

Hebel falsch angesetzt

Für Uwe Schmidt steht deshalb fest, dass die Politik die Hebel an der falschen Stelle ansetze, um die Infektionsgefahr einzudämmen. Als Negativ-Beispiele führte er auch Busse und Bahnen an, in denen die Menschen ganz eng beieinanderstünden. Aber das werde hingenommen. Für den Geschäftsmann eine Ungerechtigkeit und eine Ungleichbehandlung.

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Deswegen hat er beim Verwaltungsgericht in Mannheim einen Antrag zur Überprüfung der Rechtsgültigkeit der Schließung von Fitness-Studios gestellt. Im Juristendeutsch lautet das so: „Der Vollzug der § 1a, Abs. 6, Nr. 7 und § 1a, Abs. 9, Nr. 5 der Verordnung der Landesregierung Baden-Württemberg über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 (Corona-Verordnung – CoronaVO) vom 23. Juni 2020 (GBl. 483), zuletzt geändert durch Artikel 1 der sechsten Verordnung der Landesregierung Baden-Württemberg vom 1. November, wird vorläufig ausgesetzt.“ Im Klartext: Die Vorschrift, die den Betrieb von öffentlichen und privaten Sportanlagen sowie Fitness-Studios untersagt, soll zurückgenommen werden.

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Im Antrag wird auch aufgeführt, dass Schmidt die über zweimonatige Zwangsschließung genutzt habe, um ein Hygiene- und Infektionspräventionskonzept zur Wiedereröffnung seiner Studios zu erstellen. Grundlage hierfür sei das „Konzept zur Wiedereröffnung von Fitness-Studios nach dem Höhepunkt der Covid-19 Pandemie“, erstellt von Mitarbeitern der Technischen Universität München und der IST-Hochschule Düsseldorf vom 28. April 2020.

Die Einhaltung des Mindestabstands, permanente Gerätedesinfektion und Prüfung des Gesundheitszustands der Trainierenden waren mit einem erheblichen – auch finanziellen – Mehraufwand verbunden, wird in dem Antrag weiter ausgeführt. Problematisch während der Schließung zwischen dem 16. März und 2. Juni sei zudem gewesen, dass keine Akquise von Neukunden betrieben werden konnte. Ein Umsatzanstieg bedingt durch Neukunden blieb aus. Um die schließungsbedingte Kündigung von bereits bestehenden Trainingsverträgen zu unterbinden, war Schmidt gezwungen, die Mitgliedsbeiträge für den Mai auszusetzen. Laut der betriebswirtschaftlichen Auswertung für Mai führte dies zu einer fast sechsstelligen Umsatzeinbuße im Vergleich zum Februar. Gleichzeitig waren laufende Kosten, wie Miete und Arbeitslohn sowie Sozialabgaben, weiterhin durch den Antragsteller zu entrichten.

Natürlich, so räumt Uwe Schmidt ein, gibt es staatliche Hilfe für die Betreiber der Fitness-Studios. Aber diese sei „auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Neukunden blieben aus, und die Fluktuation bleibe nicht nur, sondern steige. Für Schmidt spielt aber bei der Verteilung von Hilfspaketen noch ein anderer Gedanke eine wichtige Rolle: „Es wäre meiner Meinung nach sinnvoller gewesen, dieses Geld ins Gesundheitssystem zu investieren, indem man unter anderem das Pflegepersonal besser entlohnt.“

Weiter wird in dem Antrag darauf hingewiesen, dass die Untersagung des Betriebs der Fitness-Studios als Totalverbot ausgestaltet ist. Friseure, Barbershops, Einzelhandelsbetriebe und Märkte können hingegen unter Auflagen auch weiter in Betrieb bleiben. Durch die Schließung fehlen Schmidt im November die Mitgliedsbeiträge von vier Studios. Zudem kommt die Fluktuation, die durch Neuanmeldung im November nicht ausgeglichen werden kann. Diese Mitglieder fehlen dann auch in der Zukunft. Wirtschaftlich muss die gesamte Fitness-Branche 2021 mit einen Verlust von einer Millionen Mitgliedern (Quelle Ntv) und Umsatzeinbußen von etwa einer Milliarde Euro rechnen.

Um erneute schließungsbedingte Kündigungen von Trainingsverträgen zu vermeiden, muss Uwe Schmidt die Mitgliedsbeiträge für November erneut aussetzen, sollte der Antrag beim Verwaltungsgericht erfolglos bleiben. Dies würde ein weiteres Mal eine Umsatzeinbuße eines niedrigen sechsstelligen Betrags für alle vier Studios bedeuten.

Hamburg macht Hoffnung

Hoffnung auf den Erfolg der Klage macht Uwe Schmidt die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg am Dienstag in einem Eilverfahren. Es kam zu dem Urteil, dass die vom Hamburger Senat in der Corona-Eindämmungsverordnung angeordnete Schließung von Fitness-Studios rechtswidrig ist. Grund für den Erfolg des Klägers vor Gericht ist, dass die Hamburger Senatsverwaltung aufgrund der starken Eingriffe in die Grundrechte die Schließung der Fitness-Studios nicht ohne Mitwirkung des Parlaments hätte verhängen dürfen. Rechtskräftig ist die Entscheidung allerdings noch nicht.

In den Augen von Uwe Schmidt ist sie aber gerecht und bestärkt ihn in seinem Tun.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.