FN-Interview - Friseurmeister Jürgen Imhof gibt Einblicke in seinen Salon im Lockdown und Tipps, wie man diese Zeit auch frisurtechnisch übersteht „Wir freuen uns sehr auf das Wiedersehen mit unseren Kunden“

Jürgen Imhof ist auch mit 66 Jahren noch ein Friseurmeister mit Leib und Seele. Doch nun musste er seinen Salon in Tauberbischofsheim zum zweiten Mal schließen – diesmal sogar mit Verlängerung.

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Sabine Holroyd
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Das Lächeln fällt ihm schwerer als sonst: Jürgen Imhof in seinem verwaisten Salon in Tauberbischofsheim. © Sabine Holroyd

Tauberbischofsheim. Jürgen Imhof hat in seinem Beruf schon viel erlebt. Doch zwei Lockdowns in einem Jahr sind natürlich auch für ihn eine ganz neue Erfahrung, auf die er gerne verzichtet hätte.

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Vor genau 35 Jahren hat er sich selbständig gemacht und könnte sich eigentlich auf den Ruhestand vorbereiten. Doch Jürgen Imhof wünscht sich (fast) nichts mehr, als seinen Salon endlich wieder öffnen zu dürfen.

Herr Imhof, der Lockdown ging nun auch noch in die Verlängerung. Was halten Sie davon?

Jürgen Imhof: Nachdem das auch meinen Betrieb betrifft, bin ich natürlich nicht begeistert davon. Wir hatten und haben strenge Hygienevorschriften, an die wir uns penibel gehalten haben. Mir sind keine Salons bekannt, die verantwortlich für Corona-Ansteckungen waren. 2020 hatten wir zwei Monate geschlossen. Mit der jetzigen Verlängerung sind es 2021 schon wieder sechs Wochen. Diese Situation ist für viele existenziell bedrohend. Ich habe das Glück, in eigenen Räumlichkeiten zu sein.

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Wie ist die Lage bei Ihnen im Salon? Wie viele Beschäftigte haben Sie? Befinden sich alle momentan in Kurzarbeit?

Imhof: Bei mir sind zur Zeit acht Mitarbeiter beschäftigt, zwei davon sind Auszubildende. Fünf Mitarbeiter befinden sich also in Kurzarbeit, bei einer weiteren Mitarbeiterin ruht das Arbeitsverhältnis.

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Das heißt, Sie bilden nach wie vor aus?

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Imhof: Ja, bereits seit Beginn meiner Selbstständigkeit im Januar 1986.

Wie fühlen Sie sich als Arbeitgeber, wenn Sie Ihre Angestellten in Kurzarbeit schicken müssen?

Imhof: Das tut mir sehr leid, denn sie sind toll, wir sind ein sehr gutes Team. Wie jeder andere, haben auch sie ihre Lebenshaltungskosten oder durch den Erwerb von Eigentum Verbindlichkeiten, die bezahlt werden müssen. Durch die WhatsApp-Gruppe, die ich gegründet habe, stehe ich im ständigen Kontakt mit meinen Angestellten.

Wie wirken sich die Schließungen auf den Nachwuchs aus? Ist das Interesse, den Friseurberuf zu erlernen, noch da?

Imhof: Die Schließungen behindern die Ausbildungsentwicklung. Auch danach sind die Qualifizierungsmaßnahmen – bedingt durch Hygieneauflagen – für unsere Auszubildenden viel schwieriger. Ein Beispiel: Kosmetische Dienstleistungen wie Augenpflege, Maniküre und Depilationen dürfen im Betrieb nicht durchgeführt werden. Die Attraktivität und das Interesse haben generell in allen handwerklichen Berufsbildern in den letzten Jahren verloren. In meinem Betrieb jedoch hatte und habe ich bis heute jährlich viele Bewerbungen. Dabei war ich bis jetzt in der glücklichen Situation, viele begabte und motivierte junge Menschen ausbilden zu können. Die Pandemie und die damit verbundene Schließung der Betriebe beeinflusst meiner Meinung nach das Interesse an unserem Berufsbild jedoch weniger.

Wie geht es Ihnen finanziell? Kamen die Soforthilfen bei Ihnen an? Wie hoch ist der bürokratische Aufwand?

Imhof: Wir sowie alle anderen Friseurbetriebe haben enorme Ertragsausfälle. Dadurch wird die Liquidität des Betriebes stark beeinflusst. Die Soforthilfe kam im ersten Lockdown sehr schnell an. Die Situation jetzt im zweiten Lockdown diesbezüglich ist eine andere. Der bürokratische Aufwand ist durch die Schließung des Betriebs allerdings überschaubar.

Durch die Abstandsregeln konnten Sie und alle Ihre Kollegen vor der Schließung längst nicht so viele Kunden bedienen wie normalerweise. Wie hoch war beziehungsweise ist der organisatorische Aufwand, wie groß der praktische?

Imhof: In meinem Betrieb sind die Abstandsregeln kein großes Problem, da wir über großzügige Platzverhältnisse verfügen. Das ist in kleinen Salons schwieriger. Den organisatorischen Aufwand wie Desinfektion der Plätze, Hygienestationen, Einmalumhänge, hohes Wäscheaufkommen und sonstige Hygienemaßnahmen, Dokumentationen und die damit verbundenen Kosten nehmen wir gerne in Kauf, wenn Kunden bedient werden dürfen und am Abend Erträge in der Kasse sind.

Gibt es Kunden, die Sie anrufen und fragen, ob sie nicht doch „ausnahmsweise“ und ganz heimlich einen Termin bekommen könnten?

Imhof: Auch das kommt vor. Da gibt es jedoch bei mir keine Ausnahmen. Diese Situation verleiht der Schwarzarbeit Dynamik und führt dann im Nachhinein zu Kundenverlusten in den Betrieben.

Machen Sie Bilder von offensichtlich professionell gestylten Fußballern wütend?

Imhof: Natürlich. Das sehen wir nicht nur bei Fußballern. Im Fernseher bekommt man das fast täglich vor Augen geführt, dass es für ein bestimmtes Klientel offenbar andere Maßstäbe gibt.

Eigentlich könnten Sie sich mit 66 Jahren auch in den Ruhestand zurückziehen. Vor 35 Jahren machten Sie sich selbstständig und waren noch nie in solch einer Situation. Haben Sie trotz Ihrer großen Liebe zu Ihrem Beruf schon mal daran gedacht, jetzt vielleicht doch aufzuhören?

Imhof: Ein ganz klares Nein. Nach wie vor übe ich meinen Beruf mit großer Begeisterung und Leidenschaft aus. Ich habe ein tolles Team, mit dem es täglich Spaß macht, in unserem Betrieb zu arbeiten und unsere Kunden zufriedenzustellen.

Allerdings beginne ich damit, mir für meine Frau und mich mehr Freiräume zu schaffen.

Haben Sie Tipps für Frauen und Männer gleichermaßen, wie sie, trotz geschlossener Salons, frisurmäßig gut über die Runden kommen? Was kann man selbst tun, ohne mit der Schere ein komplettes Desaster anzurichten?

Imhof: Bei den Frauen ist oftmals das Nachfärben die Problemstellung. Die Ansätze kann man behelfsmäßig gerade im optischen Bereich mit Farbe selbst tönen. Viele Kundinnen holen daher ihre Farbe bei uns fürs „Heimtuning.“

Bei Schnitten sieht es anders aus. Da kann ich Damen wie Herren nur empfehlen, durchzuhalten – wir müssen es auch.

Ansonsten kann man für mehr Halt oder Stand im Haar verschiedene geeignete Stylingprodukte anwenden, um besser über diese Zeit zu kommen.

Wir freuen uns jetzt schon alle sehr auf die Öffnung des Salons und auf das Wiedersehen mit unseren Kunden.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim