Landwirtschaft - Aktuelle Trockenheit hat in der Region noch keine negativen Auswirkungen auf die sonst gute Entwicklung im Getreide-, Obst- und Weinanbau „Wir brauchen ganz dringend Regen“

Von 
Susanne Sohns
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Die Landwirte der Region hoffen auf Regen, damit sich die bisher gute Entwicklung im Getreide-, Obst- und Weinanbau fortsetzt. © Susanne Sohns

Landwirte, Obstbauern und Winzer hoffen auf Regen. Die aktuell herrschende Trockenheit ist zwar gut für die laufende Heuernte. Ansonsten stimmt die Situation aber eher nachdenklich.

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Main-Tauber-Kreis. In den letzten beiden Wochen zeigten die Thermometer in der Region konstant hohe Temperaturen. 30 Grad und mehr waren keine Seltenheit. Geregnet hat es in diesem Zeitraum nur sehr wenig. Vielerorts überhaupt nicht. Große Trockenheit ist die Folge. Prompt wird über drohende Ernteausfälle für die deutschen Landwirte berichtet. Die Fränkischen Nachrichten nahmen sich dem Thema an, um zu erfahren, wie die ansässigen Landwirte ihre Lage sehen, wie die Heuernte läuft und welche Einschätzung das Landwirtschaftsamt abgibt.

Bei der Fahrt mit dem Auto durch die Region ist offensichtlich, dass schon viele Wiesen abgeerntet sind. Das geschnittene Gras wird als Heu getrocknet oder für Silage verwendet. Das Einbringen des Futters für die Tiere der Landwirte ist für den Winter von enormer Wichtigkeit. Da sollte nichts schief gehen, denn Futter zu kaufen, kann sich nicht jeder Landwirt leisten. Mitte Mai fingen schon viele Landwirte in der Region an, ihr Heu einzufahren. Inzwischen wird schon der zweite Schnitt für die Silage vorgenommen und das letzte Heu eingefahren. „Die Menge an Heu und die Qualität sind dieses Jahr sehr gut“, sagt Manfred Blesch, Bio-Landwirt aus Uiffingen. „Teilweise hätten wir schon früher den Schnitt vornehmen können. Ich wollte aber nicht mit dem Wetter pokern. Wenn die Gräser bis zum Blühen kommen, tut es langfristig auch den Wurzeln gut. Deshalb ist ein späterer Schnitt auch sinnvoll“, so Blesch. Das Wetter habe mit Blick auf die Heuernte natürlich sehr gut mitgespielt. „Allerdings müsste es dann dringend mal wieder regnen, damit auch das Getreide wieder weiterwachsen kann“, erklärt Blesch weiter.

Der für die Region besonders bekannte Grünkern sei das erste Getreide, das reif wird. Viele Getreidearten, insbesondere das Wintergetreide, bekämen langsam schon eine gelbliche Farbe, was den Reifegrad anzeige. „Das ist sehr früh“, so Blesch. Er beobachte in den letzten Jahren eine kontinuierlich frühere Ernte – egal ob bei Heu, Obst oder Getreide.

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„Derzeit wäre Regen in allen Kulturen dringend erforderlich. Das gilt besonders für Getreide, das sich aktuell in der Kornfüllungsphase befindet“, bestätigt Markus Moll vom Landratsamt Tauberbischofsheim. „Niederschlag wird im Moment umso dringender benötigt, als durch das relativ nasse Frühjahr die Wurzelentwicklung geringer war als in Normaljahren. Die Pflanzen haben sich deshalb weniger tief und intensiv verwurzelt als sonst“, so Moll weiter.

Nicht nur für Nutztiere wie Kühe wird Heu gemacht. Viele Menschen haben noch hier und da ein Wiesenstück und machen Heu für ihre Hobbytiere – beispielsweise Pferde, Kaninchen oder Schafe.

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Auch Frank Mittnacht aus Löffelstelzen macht in diesen Tagen Heu mit seiner Familie. „Meine Frau hat ein Pferd – da ist es natürlich klar, dass die ganze Familie bei der Heuernte hilft“, sagt er im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Ein bisschen Bauchweh und Nervenkitzel sei immer dabei.

Bislang gute Entwicklung

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„Da müssen viele Faktoren auf den Punkt funktionieren. Das Wetter muss mitspielen und auch auf die Technik müssen wir uns verlassen können“, erzählt Mittnacht weiter.

Die Obstbauern Behringer aus Bobstadt sind entgegen der beunruhigenden Meldungen aus ganz Deutschland zufrieden mit der bisherigen Entwicklung ihres Obsts. „Die Blüte ist gut verlaufen, es gab keinen Frost. Leider haben wir bei einem Gewitter an den Äpfeln Hagelschäden bekommen. Der Schaden hält sich aber zum Glück in Grenzen“, erklärt Markus Behringer. Mitte Juni beginne die Kirschernte bei den Obstbauern und danach sei die Zwetschge dran.

Die Weinbauern der Region sind ebenfalls zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Jahres. Während es im letzten Jahr starke Schäden an den Reben, wie auch am Obst, durch späten Frost gegeben hatte, verlief die heikle Phase der Blüte in dieser Periode offenbar mehrheitlich problemlos.

„Bis jetzt hatten wir Winzer ein entspanntes Jahr. Je nach Lage und Rebsorte war die Rebblüte hier Ende Mai und Anfang Juni. Durch trockenes Wetter und – dank eines nassen Winters – gleichzeitiger guter Grundfeuchtigkeit im Boden, haben sich die Reben sehr gut entwickelt“, stellt Martin Baumann aus Gerlachsheim fest.

Frostlose Blütezeit, gute Qualität des Heus, erste Kirschen in Hülle und Fülle, guter Ansatz beim Getreide – in der Region stehen die Zeichen für eine erfolgreiche Erntezeit nicht schlecht – trotz der aktuellen Trockenphase. Allerdings muss es möglichst bald auch mal wieder ordentlich regnen. Darin sind sich die Landwirte alle einig.

Das Wetter für die kommenden Tage scheint neben vereinzelten Gewittern, auch den einen oder anderen örtlichen Regenschauer bereit zu halten. Die Landwirte hoffen inständig darauf: „Wir brauchen ganz dringend Regen“.