Land und Leute - Der „Ur-Ümpfemer“ Sepp Hartmann ist der „Mister Fastnacht“ im Tauberbischofsheimer Stadtteil / Sein Heimatort liegt ihm sehr am Herzen „Wenn ich gebraucht werde, bin ich da“

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Sabine Holroyd
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Voll konzentriert: Sepp Hartmann vor zwei Jahren beim Umzug in Impfingen. © Sabine Holroyd

„Ich tue alles dafür, dass in Impfingen etwas los ist“, sagt „Ur-Ümpfemer“ Sepp Hartmann. Deshalb organisierte er auch jahrelang den Fastnachtsumzug im Tauberbischofsheimer Stadtteil.

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Impfingen. Sepp Hartmann heißt natürlich Josef mit „richtigem“ Vornamen. Aber so nennt ihn niemand. Er ist einfach „der Sepp“. „Wenn meine Mutter mich ,Josef‘ rief, dann war Alarmstufe rot“, sagt er und lächelt spitzbübisch.

Fragt man ihn nach den Anfängen des Impfinger Fastnachtsumzugs, kommt gleich noch ein Sepp ins Spiel: der „Scheidlers Sepp“, wie ihn Sepp Hartmann nennt. Mit ihm zusammen hob er das närrische Spektakel, das anfangs immer am Fastnachtsdienstag stattfand, sozusagen aus der Taufe. Der erste „Umzug“ bestand aus einem einzigen Wagen und ging gleich mal – zumindest aus Sepp Hartmanns Sicht – gründlich in die Hose: „ Die Musikkapelle saß auf dem Wägele. Ich habe mit der uralten Feuerwehrspritze ein bisschen Wasser ,verteilt’. Leider drehte sich der Wind und ich traf die Kapelle. Das war’s dann mit der Musik.“

Anfang der 70er Jahre fiel der Beschluss, den Umzug auf den Fastnachtssonntag vorzuverlegen. Seitdem wuchs der Gaudiwurm kontinuierlich an. Eine gute Entscheidung war wohl auch, das närrische Spektakel nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Inzwischen freuen sich die Impfinger über regelrechte Besucherscharen.

„Wunderschöne Wagen“

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Hartmann kann den vielgerühmten Zusammenhalt im Tauberbischofsheimer Stadtteil nur bestätigen: „Die Impfinger Vereine machen alle gerne mit und bauen wunderschöne Wagen.“

Nach guter alter Tradition schellte er auch die Fastnacht im Ort aus. „Er schrie und läutete gewaltig. Er dachte sich: Den Fasching, den erhalt’ ich!“, dichtete Markus Wühr damals zum Dank.

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Und für die Organisation von 33 „Ümpfemer Fastnachtsumzügen“ überreichte ihm der damalige Ortsvorsteher Gottfried Wühr 2006 eine Urkunde.

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Doch warum setzt sich Hartmann, der im April 76 Jahre alt wird, so sehr für seinen Heimatort ein? „Ich wurde in Impfingen geboren. Deshalb freue ich mich, wenn dort etwas los ist, wenn wir uns als Ort präsentieren“, erklärt er. Und deshalb ist es für ihn auch selbstverständlich, sich zu engagieren – und das nicht nur zur fünften Jahreszeit.

Seit über 60 Jahren ist er Mitglied bei der TSG, hat selbst lange Fußball gespielt: „Erst war ich in der Abwehr und zum Schluss bei der AH im Sturm. Auch im Tor stand ich schon – ich war immer da, wo ich gebraucht wurde“.

Er hängt sich richtig „’nei“

Hartmann, der viel Wert auf Disziplin legt, war zehn Jahre Jugendleiter, trainierte erfolgreich die C-Jugend und die Mädchenmannschaft. Heute ist er Spielausschussvorsitzender und pflegt mit Hingabe den Rasen auf dem Sportplatz. Auch bei den Vorbereitungen zur 700-Jahr-Feier des Tauberbischofsheimer Stadtteils hängte sich das Organisationstalent „richtig ’nei’“, wie Hartmann es im schönsten Impfinger Dialekt sagt.

Unterkriegen lässt er sich nicht so schnell. Dazu ist er viel zu sehr ein „Beißer“, wie er es selbst nennt. Als ihm beispielsweise ein Arzt prophezeite, dass er bald ein künstliches Kniegelenk benötige, meldete sich Sepp Hartmann sofort im Fitness-Studio an. Dort trainiert er auch heute fast täglich – und hat immer noch sein eigenes Kniegelenk.

Schlechte Laune kennt der erklärte „Eintracht Frankfurt“-Fan nicht. „Ich bin immer positiv gestimmt und geb’ einfach Gas“, beschreibt er sich selbst. Damit gerade vor einem Großereignis wie dem Fastnachtsumzug wirklich alles funktioniert, setzt er lieber auf den persönlichen Kontakt als auf digitale Medien. „Ich gehe bei den Leuten vorbei und rede mit ihnen. Dann weiß ich auch, dass es wirklich klappt.“ Jeden Tag zieht es ihn auch heute noch ins Impfinger Sportheim – um zu „schauen, ob alles in Ordnung ist“. Zur Jugend hat er einen guten Draht. „Die jungen Leute sind nicht schlechter als früher, sie ticken nur anders“.

Auf der Nase herumtanzen lässt er sich jedoch nicht: „Wenn zum Beispiel ein Ball fehlt und sie hören aber nach dem Training laute Musik, dann zieh’ ich ihnen schon mal den Stecker raus. Dann sagen sie: Sepp, wir machen’s! Dabei habe ich noch gar nicht erklärt, was ich von ihnen will“. Solche Anekdoten liebt er.

Dieses Jahr wird er den Impfinger Umzug im schwarzen Schwalbenschwanz, mit Zylinder und einem uralten „Kärrele“ begleiten. Die Organisation hat er in jüngere Hände gelegt. Philipp Bundschuh ist jetzt der Anführer der „Ümpfemer Poppen“ und damit der „Oberpoppe“. „Philipp hat’s druff“, lautet das Lob des bisherigen Cheforganisators.

Dass der „Hartmanns Sepp“ aber weiterhin „dazu hilft“, versteht sich bei einem Kaliber wie ihm fast schon von selbst.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim