Pandemie - Wahrscheinlich waren Filme und Bilder mit VS-Mobiliar noch nie so oft im Fernsehen und in Zeitungen wie seit Corona-Beginn VS Tauberbischofsheim: Kinder als wichtigste Kunden

Die Schulen sind ein großes Thema im Lockdown. Illustriert wird das stets gerne mit einem Blick in ein Klassenzimmer. Oft erspäht man dabei Möbel aus Tauberbischofsheim.

Von 
Sabine Holroyd
Lesedauer: 
Ob Bilder leerer Klassenzimmer (oben) oder Fotos und Filme aus dem Distanz-Unterricht: Oft sind darauf VS-Möbel zu sehen. Eine Werbebroschüre aus den 1950er Jahren zeigt drei Jungen bei einem nicht zur Nachahmung empfohlenen „Stresstest“ auf dem berühmten VS-Holzkufenstuhl (unten). © dpa/VS

Tauberbischofsheim. Es ist fast schon ein gewohnter Anblick: Ohne die Themen Präsenzunterricht und Homeschooling kommt seit Monaten fast keine Nachrichtensendung mehr aus. Wahrscheinlich tauchte VS-Mobiliar noch nie so oft im Fernsehen auf wie während der Pandemie.

AdUnit urban-intext1

Ein Grund für ein Gespräch mit Jens Heller, Bereichsleitung Dienstleistungen und Produkte, sowie Dr. Axel Haberer, Leiter Marketing, von den Vereinigten Spezialmöbelfabriken in Tauberbischofsheim. Auch die Referentin Marketing und Kommunikation, Dagmar Wolf, nahm daran teil.

Frau Wolf, wie viele Menschen arbeiten denn bei den VS?

Dagmar Wolf: Gut 1500 Mitarbeitende sind bei der VS-Gruppe beschäftigt – davon etwa zwei Drittel in der Produktion, die ausschließlich in Tauberbischofsheim stattfindet, sowie ein Drittel im Angestelltenbereich wie Verwaltung, Verkauf oder Entwicklung.

AdUnit urban-intext2

Herr Heller, wie ist Ihr Ressort aufgeteilt?

Jens Heller: Insgesamt verteilen sich 33 Kolleginnen und Kollegen auf die Bereiche Dienstleistungs- und Produktmanagement, Entwicklung und Design, sowie die Serienkonstruktion samt eigenem Musterbau.

AdUnit urban-intext3

Neben zahlreichen In-house-Entwicklungen arbeitet VS regelmäßig mit Architekten und Designern zusammen, um das Portfolio mit externen Ideen und Anregungen abzurunden.

AdUnit urban-intext4

Herr Haberer, wie viele Schulen in Deutschland sind mit VS-Schulmöbeln ausgestattet?

Haberer: Wir schätzen, dass von rund 45 000 Schulen in Deutschland in mindestens jeder dritten Schule Möbel oder Tafeln von VS zu finden sind. Unsere Möbel überstehen ja viele Schülergenerationen, daher ist oftmals auch aus lange zurückliegenden Jahren noch ein Stück aus Tauberbischofsheim zu finden.

Welche dieser Schulen in Deutschland ist am weitesten entfernt von Tauberbischofsheim?

Dagmar Wolf: Im Norden ist das die Grundschule Ramsharde in Flensburg. Allerdings gibt es auch noch Schulen, die sich näher an der dänischen Grenze befinden. Diese grenznahen Schulen kaufen über einen Händler in Dänemark ein, den wir wiederum beliefern. Im Süden handelt es sich um das Gertrud-von-le-Fort Gymnasium in Oberstdorf.

Welche europäischen Länder und Städte setzen ebenfalls auf VS-Schulmöbel?

Wolf: Viele! Wir haben ein Tochterunternehmen in Frankreich, Mobilier VS, über das wir zum Beispiel den Rahmenvertrag für alle städtischen Pariser Grundschulen gewonnen haben. Außerdem Skandinavien, Benelux, Südeuropa, Osteuropa. Auf Reisen schaue ich gerne durch Schulfenster und habe da schon mehrmals VS-Möbel entdeckt – das letzte Mal in Schottland.

Beliefern Sie auch Schulen anderer Kontinente mit Möbeln und wenn ja, wo?

Wolf: Selbstverständlich. Ein wichtiger Markt ist für uns Nordamerika. Dort sind wir mit unserer Tochter VS America präsent, die ihren Sitz in Charlotte hat und auch Anfragen aus Kanada und Südamerika bedient. Dann der Nahe Osten, abgedeckt über VS Furniture Middle East FZC. Asien, Australien und Neuseeland.

Wie haben sich die Ansprüche an diese Möbel denn geändert?

Heller: Zum einen stehen heutzutage in vielen Schulen ganz andere Anwendungen im Fokus – nämlich flexibler Unterricht mit wechselnden Lernumgebungen wie Gruppenarbeiten oder das Nutzen neuer Flächen, zum Beispiel das bodennahe Lernen oder die Möblierung von Fluren und Marktplätzen.

Daneben sind unterschiedliche Anforderungen je Markt und Land zu beachten, wie etwa unterschiedliche Höhen unserer Produkte – hier sei das Stichwort jahrgangsübergreifendes Lernen erwähnt – oder verschiedenste Anforderungen an Zertifizierungen oder den Brandschutz.

Wie haben sich das Design und das Material im Lauf der Jahre verändert?

Haberer: Bis in die 1970er-Jahre waren ja noch Vollholz-Möbel sehr stark im Einsatz. Bestes Beispiel ist der berühmte Holzkufenstuhl von VS – fast so etwas wie der Millionseller VW Käfer, und für viele ein Wahrzeichen aus dem Taubertal. Design und Funktionalität haben sich stark verändert hin zu einer sparsameren Materialverwendung, höherer Flexibilität und Ergonomie bei der Nutzung und reduzierter Gestaltung.

Die Gestelle sind aus Stahlrohr und Sitz-/Lehnenschalen aus Sperrholz oder Polypropylen – ein Kunststoff, der sich sehr gut recyceln lässt. Die Materialien lassen eine wirtschaftliche Serienproduktion zu, was ein wichtiger Aspekt ist.

Was für ein Gefühl ist es, wenn man als jemand, der eng mit der Produktion verbunden ist, Bilder oder Filme mit VS-Möbeln in den Nachrichten sieht? Macht einen das ein bisschen stolz?

Heller: Ja, zweifelsohne. Neben der eigenen Tätigkeit bei VS sind viele Kolleginnen und Kollegen ohnehin schon sehr lange mit VS verbunden. Hier merkt man, dass es sich durch und durch um ein Familienunternehmen handelt.

Darüber hinaus begleiten mich die VS-Produkte fast mein Leben lang: Ich arbeitete schon immer an Möbeln von VS, spätestens seit der Grundschule.

Haberer: Natürlich. Das zeigt ja, dass VS als Produkt weltweit im Einsatz sind. Aber traurig stimmt uns dabei, dass bei den Bildern in den Nachrichten derzeit natürlich unsere wichtigsten Kunden fehlen: nämlich die vielen Kinder als Nutzer der Möbel in den Klassenzimmern.

Von ihnen bekommen wir oftmals sehr positive Rückmeldungen, weil unsere neueren Schulmöbel Bewegung zulassen, flexibel und leicht sind und unterschiedlichste Sitzpositionen unterstützen.

Wolf: Das ist schon toll zu sehen, wo VS überall vertreten ist, wie omnipräsent wir in der Schule sind. Und wie viele Kinder mit uns lernen dürfen.

Mir schicken Kollegen auch immer wieder Ausschnitte oder Screenshots, wenn sie ein Bild mit VS-Möbeln entdeckt haben, das Nachrichten oder Fernsehbeiträge illustriert.

Mehr zum Thema

Coronavirus - täglich aktualisierte Grafiken Main-Tauber-Kreis: Fallzahlen und Sieben-Tage-Inzidenz

Veröffentlicht
Von
Ralf Scherer
Mehr erfahren

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim

Thema : Coronavirus FN

  • Das würde ich morgen als erstes machen, wenn Corona heute vorbei wäre Mit dem Bus nach Mailand für einen Campari

    Für viele ist es ein Wunsch, fast alle sehnen es herbei: das Ende der Corona-Pandemie. Um dann wieder Dinge zu tun, die vorher normal und alltäglich waren – und jetzt etwas Besonderes sind.

    Mehr erfahren
  • Tauberbischofsheim Drei weitere Virus-Mutationen im Main-Tauber-Kreis

    Zwölf neue Fälle einer Covid-19-Infektion wurden am Donnerstag im Main-Tauber-Kreis bestätigt. Der Inzidenzwert lag bei 54,4. Main-Tauber-Kreis. Die gesamtzahl der bisher im Main-Tauber-Kreis bestätigten Coronavirus-Infektionen ist am Donnerstag um zwölf auf insgesamt 3193 gestiegen. „Die betroffenen Personen leben im Gebiet von sieben Städten und Gemeinden. Es handelt sich in mindestens sieben Fällen um Kontaktpersonen zu bereits bekannten Fällen. Elf Betroffene befinden sich in häuslicher Isolation, eine Person wird stationär behandelt“, teilte das Landratsamt mit. Unterdessen sind zehn weitere und damit insgesamt 3029 Personen wieder genesen. Derzeit sind 100 Personen aktiv von einer nachgewiesenen Infektion betroffen. Diese Fälle verteilen sich auf das Gebiet der Kommunen (Zahl neuer Fälle jeweils in Klammern): Ahorn: 0, Assamstadt: 3, Bad Mergentheim: 14 (+1), Boxberg: 8, Creglingen: 5, Freudenberg: 15 (+2), Großrinderfeld: 1, Grünsfeld: 1, Igersheim: 1, Königheim: 1, Külsheim: 0, Lauda-Königshofen: 7 (+1), Niederstetten: 9 (+1), Tauberbischofsheim: 5 (+1), Weikersheim: 2, Werbach: 1 (+1), Wertheim: 23 (+5) und Wittighausen: 4. Der Wert der Sieben-Tage-Inzidenz lag am Donnerstag bei 54,4. Eine Woche zuvor, am 18. Februar, hatte er noch bei 36,3 gelegen. Bei drei weiteren der in den vergangenen Tagen gemeldeten Infektionsfälle im Main-Tauber-Kreis wurden Mutationen des Coronavirus durch nachträgliche Typisierung der Laborprobe nachgewiesen. Dabei handelt es sich in zwei Fällen um die britische Variante des Coronavirus (B.1.1.7). Bei einer Probe steht der Nachweis, um welche Virusvariante es sich handelt, noch aus. Damit wurde nunmehr bei insgesamt 29 Fällen im Landkreis eine Virusmutation nachgewiesen. Bei allen Fällen wurde durch das Gesundheitsamt die Quarantänezeit auf mindestens 14 Tage verlängert. Dies betrifft auch etwaige Kontaktpersonen und deren Haushaltsangehörige. Hilfen für Busunternehmen Das im letzten Sommer von der Landesregierung beschlossene Förderprogramm „Stabilisierungshilfen Bustouristik“ für Unternehmen der Reisebusbranche, die aufgrund des monatelangen Verbots von touristischen Busreisen in Liquiditätsengpässe gerieten, wird im Jahr 2021 fortgesetzt. Im vergangenen Jahr wurden Stabilisierungshilfen für 1549 Reisebusse an 293 Unternehmen gewährt. Insgesamt stehen 40 Millionen Euro für die Jahre 2020 und 2021 zur Verfügung. Mit der Verlängerung des Programms setzt das Land Baden-Württemberg seine Bemühungen fort, um die zumeist familiengeführten Reisebusunternehmen möglichst unbeschadet aus der Krise zu führen und insgesamt die für Baden-Württemberg wichtige Reisebranche auch im Jahr 2021 zu sichern. Die Stabilisierungshilfen errechnen sich anhand von Festbeträgen pro Fahrzeug, die je nach Fahrzeugklasse, Schadstoffklasse und prozentualem Anteil der touristischen Reisen im gesamten Unternehmen gestaffelt sind. 2020 haben von den 1549 Reisebussen 1005 Fahrzeuge der Klasse Euro VI zusätzlich einen Ökobonus in Höhe von 20 Prozent erhalten. Des Weiteren wurden 223 Fahrzeuge mit einem Bustouristik-Anteil von unter 50 Prozent gefördert. Hierunter fallen auch Fahrzeuge, die teilweise in Linienverkehren eingesetzt werden. Insgesamt wurden noch 28 Oldtimer gefördert, die ebenfalls für touristische Reisen im Einsatz sind. Umgesetzt wird dieses Programm von der L-Bank Baden-Württemberg. lra/Bild: dpa

    Mehr erfahren
  • Bad Mergentheim Schwerer Krankheitsverlauf nicht vorhersehbar

    Dr. Hans Drexl, Oberarzt in der Medizinischen Klinik 1 im Caritas-Krankenhaus und Oberarzt auf der Corona-Intensivstation, berichtet exklusiv in den Fränkischen Nachrichten von seinen Erlebnissen:

    Mehr erfahren