Glättemelde-Anlagen - Im gesamten Main-Tauber-Kreis sind insgesamt zehn aufgestellt / Sie liefern zeitnah wichtige Informationen zur örtlichen Wetterlage Vorzeitig agieren statt spät reagieren

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Barbara Englert
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Main-Tauber-Kreis. Manch einem sind die großen, mit Kameras ausgestatteten Pfosten am Straßenrand mit Sicherheit schon aufgefallen. Was von einigen fälschlichweise vielleicht für ein „Überwachungsinstrument“ gehalten wird, ist in Wahrheit eine moderne Glättemelde-Anlage.

Alle Informationen der Anlagen laufen zentral zusammen. Unser Bild zeigt (von links) Thomas Knörzer vom Straßenbauamt, Straßenmeister Michael Baun und Winterdiensteinsatzleiter Elmar Haun. © Landratsamt
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„Dank der genauen Messungen könnten sich die Einsatzleiter der Straßenmeistereien auf Streufahrten viel besser vorbereiten“, erklärt Thomas Knörzer vom Straßenbauamt am Landratsamt Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim, Sachgebiet Betrieb und Verkehr, im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

Die Anlage ermittle die Lufttemperatur und die Feuchtigkeit sowie die Fahrbahntemperatur – Daten, die über ganz spezielle Sensoren in der Straße ermittelt werden. Diese Informationen werden weitergeleitet, so dass die Mitarbeiter die Werte überall und jederzeit abrufen könnten, berichtet Knörzer weiter. Auch der Deutsche Wetterdienst habe im Übrigen Zugang zu den Messdaten – und könne mit diesen detaillierten Berechnungen anstellen.

Wenn die Fahrbahnen in der kalten Jahreszeit dann glatt zu werden drohen, löst die Anlage einen Alarm aus und informiert den zuständigen Einsatzleiter. Doch schon im Voraus orientierten sie sich anhand der vorliegenden Daten.

Frühzeitig Vorbereitungen treffen

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Im gut funktionierenden Zusammenspiel mit den Vorhersagen des Deutschen Wetterdiensts sowie der Meldungen des Straßenwetter-Informationssystemes (Swis) könnten die Einsatzleiter frühzeitig Vorbereitungen treffen. So werde in manchen Fällen bereits gestreut, bevor es zu Gefahrenstellen kommen könne.

Übrigens verwendeten die Streufahrzeuge kein gewöhnliches Körnersalz, lässt der Mitarbeiter des Straßenbauamtes weiter verlauten. Stattdessen werde eine Salzlauge auf der Straße verteilt. Sie hafte besser auf dem Asphalt und „ist daher effektiver und umweltschonender“.

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Dank der an der Anlage montierten Kameras könnte zudem festgestellt werden, ob es an bestimmten Abschnitten schneit und die Straßen schon weiß bedeckt sind. „Das ist eine große Hilfe“, meint der 45-Jährige gegenüber unserer Zeitung. So könnten die Straßenmeister aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen überprüfen, wo es in ihrem Gebiet noch regnet und wo schon Schneeflocken fallen.

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Im Rhythmus von zehn Minuten würden Bilder geschossen, mit denen die Straßenwärter arbeiteten. Dabei seien die Kennzeichen von vorbeifahrenden Autos nicht zu erkennen. Und im Allgemeinen würden die Bilder ohnehin nicht weitergegeben, weshalb man sich also nicht sorgen müsse, überwacht zu werden.

Insgesamt gibt es zehn Glättemelde-Anlagen im gesamten Main-Tauber-Kreis, wobei 2014 die erste Anlage in Bad Mergentheim installiert wurde. 2017 kamen vier weitere nach – und ab 2019 die letzten fünf. Damit sei der Kreis gut abgedeckt. „Wir sind jetzt im Endstadium“, äußert sich Thomas Knörzer.

Finanziert wurden die Anlagen je nach Standort. Sind sie an einer Bundesstraße stationiert, ist der Bund zuständig, stehen sie an einer Landstraße, übernimmt folgerichtig das Land Baden-Württemberg die Kosten.

Für die kalte Jahreszeit rät Thomas Knörzer dringendst, die Autos winterfest zu machen. Reifen müssten rechtzeitig gewechselt werden – und generell dann die Fahrer ihre Geschwindigkeit an die Witterung anpassen.

Außerdem sei Rücksichtnahme auf die Streufahrzeuge ausgesprochen wichtig. So werde beispielsweise auf innerörtlichen Straßen zu dicht geparkt und außerorts zu schnell gefahren, was für die Einsatzgruppe zu einem großen Problem führen könne.

Appell an die Bürger

Des Weiteren appelliert Knörzer an die Bürger, dass sie „verständnisvoll mit der Situation umgehen“. Natürlich könnten die Streufahrzeuge nicht überall gleichzeitig vor Ort sein. Immerhin umfasse das Straßennetz im Kreis 908 Kilometer an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. „Das ist eine Strecke von Tauberbischofsheim bis Venedig.“

Wenn der Schnee geräumt werde, müssten sie im Übrigen sogar die doppelte Strecke abfahren, das heiße auch wieder von Venedig ins Taubertal zurück. Daher bittet er um Rücksicht und angepasste Geschwindigkeit, „wenn in diesem Winter wieder Streufahrzeuge für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer im Einsatz sind“.