Katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius - 50. Jahrestag der Weihe des Gotteshauses mit einem festlichen Wochenende begangen Von Begegnungen, die das Leben ändern

Von 
Martin Vierneisel
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Der Projektchor bereicherte den Gottesdienst.

© Martin Vierneisel

Tauberbischofsheim. Das Wochenende stand in der Pfarrei St. Bonifatius, Tauberbischofsheim, ganz im Zeichen der Feier zum 50. Jahrestag der Kirchenweihe. Der Freiburger Weihbischof Karl Gnädinger hatte vor fünf Jahrzehnten die Reliquien des Heiligen Bonifatius in den Altar eingebracht und das Gotteshaus geweiht.

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Aus diesem Anlass fand am Samstag ein Chorworkshop mit Gregor Linßen statt. Linßen ist freiberuflicher Referent für Neues Geistliches Lied (NGL) bei Chorwochenenden und kirchenmusikalischen Werkwochen in ganz Deutschland und war musikalischer Leiter für diverse diözesane Großprojekte und internationale Wallfahrten. Er schrieb die offizielle Weltjugendtagshymne "Venimus adorare eum" (2005), diverse Katholikentagslieder und das Mottolied zur internationalen. Messdienerwallfahrt 2015

In diesem Workshop bekamen die 60 Teilnehmer die Gelegenheit, mit Gregor Linßen gemeinsam Lieder für den Sonntagsgottesdienst einzustudieren.

Sowohl die bildliche Veranschaulichung von Techniken, den richtigen Rhythmus im Lied zu halten wie zum Beispiel das "Holzhacken", oder eine Szene aus Loriot als Eselsbrücke für die Aussprache machten den Tag interessant. Auch einige Hintergründe zu den Liedern, die er geschrieben hat, ließ der Kirchenmusiker die Teilnehmer wissen.

Glorialied mit Friedensgruß

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So erzählte Linßen zum Beispiel, weshalb er in ein Glorialied einen Friedensgruß mit eingebaut hat. Für ihn komme im Gottesdienst der Friedensgruß eigentlich viel zu spät. Die Sänger lernten so eine Reihe von neuen, teils anspruchsvolle Liedern. Auch Spaß und Austausch untereinander kamen nicht zu kurz.

Am Abend fand ein Triokonzert unter dem Thema "Kinder des Lichts" gemeinsam von und mit Gregor Linßen, Johannes Wallbusch und Christina Hernold statt Gregor Linßen sah diesen Abend nicht einfach als "Konzert in einer Kirche" an. Er rief die Zuhörer auf, seinen Gedanken zu folgen. Er wolle keine Antworten geben. Oft seien es auch nur Fragen, die er sich stelle und die einfach zum Nachdenken anregen sollten. Fragen über das Leben, Über den Sinn des Lebens, die Dankbarkeit und wem man dankbar sei, aber auch Fragen nach Gottes Wille, Nächstenliebe und Glaube versuche er durch Texte und passende Lieder anzureißen. Für ihn solleLeben Spaß machen. Er sei dankbar für seine Eltern, dankbar für seine Kinder, dankbar für seine Freiheit, dankbar für sein Leben. Gott spiele hier immer und irgendwie eine Rolle.

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Dieses Konzert rief einerseits einfach nur zum Zuhören auf und diesen Gedanken zu folgen und selbst für sich Rückschlüsse zu ziehen. Bei bekannten Liedern wie "Gott sei Ehre, Gott sei Dank , "Ein Licht in dir geborgen" oder "Verbirg' Dein Gesicht" sprang der Funke über, die Teilnehmer klatschten und sangen gerne mit. Wer beim Chorworkshop am Nachmittag bereits dabei gewesen war, hörte das ein oder andere Lied nun aus professionellem Mund. Linßen ermutigte, auch Visionen zu haben und von diesen zu erzählen. Glaube brauche Visionen, um sich zu entwickeln, so seine Meinung. Auch verschiedene Musikstile fanden an diesem Abend ihren Platz. Zum Ende des Konzerts wurde das Lied "1000 Jahre wie ein Tag" sogar gerappt.

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Beeindruckend waren nicht nur Gesang und Gitarre. Johannes Wallbusch überzeugte mit viel Spielfreude und Improvisationstalent am Keyboard immer wieder aufs Neue. Das Zusammenspiel der drei Musiker war für alle sehr eine tolle Sache. Umrahmt wurde die Musik auch durch eine besondere Beleuchtung der Bonifatiuskirche durch das Team von Gregor Linßen, welche so die Stimmung an diesem Abend noch unterstrich . Mit farbigen Lichtern erscheint die Kirche nochmals interessanter. Durch Licht und Schatten kamen verschiedene Details wie der Tabernakel besonders zur Geltung.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Festgottesdienstes. Dekan Gerhard Hauk zelebrierte gemeinsam mit Bernd Gehrke und dem ersten Pfarrer der Pfarrei St. Bonifatius, Rudi Müller, den Gottesdienst. Musikalisch mitgestaltet wurde der Gottesdienst vom Projektchor unter der Leitung von Gregor Linßen, der am Tag zuvor die Lieder einstudiert hatte.

Rudi Müller war nicht nur der erste Pfarrer, sondern hat während seines Wirkens in der Pfarrei oft auch selbst Hand angelegt . Ihm ist es mit zu verdanken, dass das Gemeindehaus entstanden ist. Der frühere Kaplan der der Kirchengemeinde Tauberbischofsheim, Bernd Gehrke, war als Festprediger eigens aus Freiburg angereist. Dort ist er mittlerweile Sekretär des Erzbischofs Stephan Burger, der ebenfalls hier in Tauberbischofsheim seine Jahre als Kaplan als verbracht hat.

Vorübergehende Behausung

In seiner Predigt ging Gehrke zuerst auf die Zeltbauweise der Bonifatiuskirche ein. Das Zelt sei im eigentlichen Sinn "eine vorübergehende Behausung". Besonders an so einem Jubiläum werde dies deutlich. Jubiläum bedeute nämlich nicht nur Rückschau, sondern vor allem Aufbruch. Anders ausgedrückt sei die Gegenwart der Weg von der Vergangenheit in die Zukunft. Christen seien immer Reisende und niemals fertige Menschen. Am Glauben heiße es immer zu wachsen. Und Kirche sei eine Gemeinschaft, die zusammen auf diesem Weg sei. Am Ort "Kirche" fänden Begegnungen statt, die das Leben veränderten. Dies drücke sich vor allem in den Sakramenten wie Taufe, Hochzeit oder Beichte aus.

Gehrke stellte des Weiteren auch einen Vergleich mit anderen Kirchenräumen an, in denen von "Kirchenschiff" die Rede sei. Auch ein Schiff sei in Bewegung von Ort zu Ort, so wie die Kirche in Bewegung sei und sich wandele. Man solle, so zitierte er einen Autoren, "nicht stehen, sondern gehen". Pfarrer Gehrke verstand es so anschaulich, der Gemeinde seine Gedanken anlässlich des Jubiläums nahezubringen.

Dass Kirche in Bewegung ist, wurde auch durch die Beiträge des Chores deutlich. So riefen die Neuen Geistlichen Lieder wie "Gott, wir kommen zu dir" oder "Gottes Geist bricht über uns ein" zum Mitsingen auf, auch wenn vielleicht die Rhythmen ungewohnt waren.

Auch Dekan Hauk war von der Predigt angetan, die er in den Dankesworten an Pfarrer Gehrke als "Grundsanierung" des Herzens bezeichnete. Er dankte ebenfalls dem Chor und Gregor Linßen für die intensive Vorbereitung des Festgottesdienstes. Gregor Linßen dürfe gerne wiederkommen.

Nach dem Gottesdienst war noch Gelegenheit, sich bei einem kleinen Stehempfang auszutauschen. Dieses Angebot wurde rege genutzt.

Nach dem Pfarrfest im Juli und dem Festgottesdienst am Sonntag blickt die Pfarrgemeinde St. Bonifatius auf ereignisreiche Monate des Feierns zurück. Abgerundet wird das Jubiläum durch den Gemeindebrief, der demnächst nach den Sonntags Gottesdiensten verteilt wird und am Schriftenstand ausliegen wird.