Matthias-Grünewald-Gymnasium Tauberbischofsheim - Schüler und Lehrer des geschlossenen MGG kommunizieren über Plattform auf der Schulhomepage Videokonferenz am Küchentisch

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Ulrich Feuerstein
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Videokonferenz am Küchentisch: Das Bild zeigt die MGG-Lehrer Tobias Endres (rechts) und Sebastian Link im Austausch mit Schülern. © Ulrich Feuerstein

Wegen des Coronavirus ist das Matthias-Grünewald-Gymnasium bis 20. März geschlossen. Die Schüler werden aber weiter unterrichtet – über eine eigens eingerichtete Plattform im Internet.

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Tauberbischofsheim. Wo sich sonst hunderte Schüler auf dem Pausenhof tummeln, herrscht gähnende Leere. Die Schule ist geschlossen. Wegen Corona. Die Frist wurde gerade bis Freitag, 20. März, verlängert. Regulärer Unterricht findet derzeit keiner statt.

Damit die Zeit nicht ungenutzt verstreicht, haben die Verantwortlichen am MGG ein ungewöhnliches Projekt gestartet. Eine Lernplattform auf der Schulhomepage ermöglicht es Schülern und Lehrern, per Internet miteinander zu kommunizieren. Für die höheren Klassen wurden eigene Foren eingerichtet. Einige bereiten sich jetzt sogar per Videochat auf das schriftliche Abitur vor.

Wie der Deutschkurs von Tobias Endres. Per Videokonferenz sind die Teilnehmer zusammengeschaltet. Von seiner Küche aus diskutiert er mit seinen Schülern über ein Zitat von Hermann Hesse. Dann werden Textstellen zitiert und Argumente ausgetauscht. Fast wie in einem richtigen Klassenzimmer.

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„Die Krise ist auch eine Chance“, macht Tobias Endres deutlich. Jetzt könne man ausprobieren, was für die Zukunft wichtig werde. An Lernplattformen mit virtuellen Klassenzimmern führt seiner Meinung nach kein Weg vorbei. „Die Schüler lernen Formen des Arbeitens kennen, die in der modernen Welt üblich sind.“

Sebastian Link weist darauf hin, dass bereits seit Montag die schulische Grundversorgung sichergestellt ist. Als Netzwerkadministrator hat er in einem wahren Kraftakt es möglich gemacht, dass Schüler und Lehrer über die Schulhomepage miteinander kommunizieren können. Nach seiner Einschätzung hat es sich bezahlt gemacht, dass das MGG schon seit Jahren die Digitalisierung vorantreibt. „Ich habe bereits bestehende Strukturen nutzen können und sie erweitert“, so Link. Das Kreismedienzentrum habe ihn dabei unterstützt, den Online-Unterricht zu realisieren.

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„Es klappt reibungslos, Schülern über die Lernplattform Aufgaben und Materialien zur Verfügung zu stellen“, freut sich Sigrid Böhrer. Mittlerweile sind nach Angaben der stellvertretenden Schulleiterin alle Klassen versorgt. Die Lehrer nutzen, so ihr Eindruck, die Plattform nicht nur dazu, um bekannten Lernstoff zu üben, sondern auch um neue Inhalte einzuführen. Sie wertet es als „starkes Zeichen, dass es uns gemeinsam gelingt, den Unterricht virtuell am Laufen zu halten.“

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In ihren Augen ist die Lernplattform ein Zukunftsmodell, um bei Unterrichtsausfällen den direkten Kontakt zwischen Schülern und Lehrern zu ermöglichen.

Elternbeiratsvorsitzender Bernd Mott lobt das besonnene Vorgehen des Schulleitungsteams und die schnelle Reaktion auf die sich ändernde Lage. „Quasi über Nacht wurde ein digitaler Schulbetrieb aus dem Boden gestampft“, erklärt er. Seiner Meinung nach verdient das höchste Anerkennung und Dank.

Positive Rückmeldungen kommen auch von den Schülern. „Homeschooling innerhalb kurzer Zeit einzurichten, zeigt, wie unabhängig unser Gymnasium in Krisenzeiten ist“, betont Lennart Erlenbach. Der Klassensprecher der 9a findet, dass die Schüler ungemein von der Lernplattform profitieren, weil damit weniger Unterricht entfällt und Themen sogar vertieft werden können.

Selina Rosenberger und Maximilian Thomas sind erstaunt von der Kreativität mancher Lehrer. „Die eingestellten Lernvideos machen den Stoff verständlicher“, versichern die beiden und finden, dass das MGG seiner Auszeichnung als digitale Schule gerecht werde.

Die schulische Zwangspause bietet ungewohnten Freiraum, der sinnvoll geplant werden will. „Es macht Spaß, den Tag selbst zu strukturieren“, berichtet Maja Beuschlein. Jetzt kann die Oberstufenschülerin sich so viel Zeit für ihre Aufgaben nehmen, wie sie benötigt. Hannah Schlenker denkt schon weiter: „Der Umgang mit der Lernplattform ist ein gutes Training für das selbstständige Arbeiten an der Universität.“

Katharina Schuhmacher hat erkannt: „Man wächst auf jeden Fall an dieser Erfahrung.“

Ganz verzichten wollen die Schüler auf den regulären Unterricht allerdings nicht. „Die sozialen Kontakte bleiben etwas auf der Strecke“, bedauert Florian Andriessens.

„Ich vermisse das Unterrichtsgespräch“, sagt Silas Paul. Mia Dietz nennt Homeschooling zwar eine gute Alternative zum normalen Unterricht, noch mehr schätzt sie aber den persönlichen Kontakt mit Lehrern. „Sie können den Schulstoff verständlicher erklären.“