In Zeiten von Corona - Auch Fahrschulen in der Region Odenwald-Tauber passen sich den Gegebenheiten an und bieten online Theorieunterricht / Kritik an den hohen Kosten „Technischem Fortschritt nicht verschließen“

Von 
Klaus T. Mende
Lesedauer: 

In Zeiten von Corona sind auch Fahrschulen aufgerufen, neue Wege zu gehen. Es gibt erste Erfahrungen mit theoretischem Online-Unterricht – und die sind teils positiv.

Voraussetzungen

Nachfolgend ein Blick auf die Auflagen des Verkehrsamtes im Landratsamt zur zunächst bis 30. September befristeten Durchführung von Online-Theorieunterricht:

Die maximale Teilnehmerzahl ist auf 50 Fahrschüler beschränkt.

Der Online-Unterricht darf nur von den Räumlichkeiten der Hauptstelle aus erfolgen.

Für den Unterricht ist eine bestimmte Software zu verwenden.

Die Überwachung durch den Treuhandverein für den Online-Unterricht ist durch den Antragsteller sicherzustellen.

Diese Genehmigung kann bei unsachgemäßer Durchführung des Online-Unterrichts jederzeit widerrufen werden. ktm

AdUnit urban-intext1

Odenwald-Tauber. „Es ist grundsätzlich so, dass der Fahrlehrerverband immer gesagt hat, diese ,heilige Kuh’ schlachten wir nicht, sondern wir wollen Präsenz-Theorieunterricht.“ Christoph Heintz von der Tauberbischofsheimer Fahrschule „Fit for Drive“ bereitet gerade die nächste Übungseinheit mit seinen Schützlingen via Bildschirm vor. Seit rund 70 Jahren gibt es Präsenzunterricht – und das sollte so beibehalten werden. Eigentlich.

Doch die Corona-Pandemie habe der gesamten Branche die Möglichkeit gegeben, „einen technischen Fortschritt zu machen“. Sein Credo sei deshalb von Anfang an gewesen, sich dem nicht zu verschließen, sondern voranzuschreiten, um „Theorieunterricht mit Abstand anzubieten“ – online eben.

Absolutes Neuland

An den Bildschirmen in den Räumen der Fahrschule beginnt in wenigen Minuten der theoretische Teil – mehr als ein Dutzend potenzielle künftige Verkehrsteilnehmer sitzen in heimischer Umgebung vor ihren Laptops, um von dem routinierten Fahrlehrer Tipps für ihre Zukunft hinter dem Steuer zu erhalten und Fragen beantwortet zu bekommen. Für Christoph Heintz ist diese Art des Lehrens und Lernens absolutes Neuland. Er hat sich mit dieser Möglichkeit aber schnell angefreundet. Und er kann sich gut vorstellen, dass er diese auch in der Nach-Corona-Zeit im Angebot hat – sofern auch vonseiten der Behörden im Anschluss grünes Licht gegeben wird. Er hofft, dass diese vorübergehende Erlaubnis bis 30. September verlängert werde – „und irgendwann auch Standard ist“.

AdUnit urban-intext2

Und wie funktioniert das Ganze? „Die Teilnehmer müssen einen Link anklicken. Dann befinden sie sich bereits im Schulungsraum“, erklärt Heintz im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. „Den Link bekommen sie von uns zugeschickt.“ Für die Fahrschüler habe dies den Vorteil, dass sie dem Unterricht in völlig entspannter Umgebung folgen können.

Die gut eineinhalb Stunden vor dem Laptop seien leicht zu absolvieren. Er habe den Eindruck, dass dies auch insgesamt recht positiv aufgefasst werde.

AdUnit urban-intext3

Theorieunterricht „auf Abstand“ ist für Heintz ohnehin die konzentriertere Variante für die Fahranfänger. Es gelte, sich jetzt an neue Möglichkeiten zu gewöhnen. „Es gibt interaktive Lernräume. Mit den Fahrschülern können Lerngruppen gebildet werden, in denen sich der eine um den Bereich Vorfahrt und Ampeln, ein anderer um das Thema Verkehrszeichen und wieder ein anderer um ,Rechts vor links’ kümmert.“

AdUnit urban-intext4

Im Gegensatz zur Theorie sei bei Praxisunterricht Präsenzpflicht unabdingbar. „Wir haben zwar einen Simulator, an dem aber nur gewisse Grundzüge geübt werden können“, informiert Christoph Heintz – etwa, wie vermieden werde, den Wagen abzuwürgen, oder welche Kniffe es beim Anfahren gebe. Ansonsten seien reale Situationen im Straßenverkehr absolut notwendig.

„Ich kann es mir nicht vorstellen, dass man in der Praxis in den kommenden 20 Jahren auf den Simulator umsteigt und sich vom Präsenzunterricht entfernt.“

Was die theoretische Prüfung angehe – sie ist trotz Corona offiziell erlaubt – sei ohnehin Präsenzpflicht vorgeschrieben, da sie vom TÜV abgenommen werde.

Die Fahrschule Thorsten Schnell ist in Walldürn, Höpfingen und Buchen vertreten. „Im Moment bieten wir online Theorie an, was wir beim Landratsamt genehmigen lassen mussten“, teilt Beatrice Schnell auf Anfrage unserer Zeitung mit. Diese Erlaubnis liege auch vor. Somit sei dieser Teil der Ausbildung für alle Klassen abgedeckt.

„Dieser Unterricht wird auch von den Fahrschülern sehr gut angenommen“, so Beatrice Schnell. „Unsere Fahrlehrer empfinden diesen Unterricht als Zusatzausbildung und Alternative extrem gut. Generell ist aber die Präsenz noch etwas besser, da man auch persönlich auf einige Themen mehr eingehen kann.“ Aber im Moment sei diese Alternative brauchbar.

Kontra-Seite überwiegt

Joachim Kaden von der gleichnamigen Fahrschule in Wertheim sieht Online-Unterricht, wie er zurzeit angeboten wird, eher kritisch. Für ihn überwieget die Kontra-Seite. „Diese Art von Unterricht bedeutet einen hohen Kostenaufwand für Fahrschule und -schüler, denn nicht jeder hat die technischen Voraussetzungen, um daran teilzunehmen“, erklärt er. Weiterhin ist er der Überzeugung, dass Fahrschüler in heimischer Umgebung während des Unterrichts mehr abgelenkt seien – etwa durch andere Personen im Haushalt oder laufende Fernsehapparate. „Sie sind dann also nicht mehr so sehr bei der Sache.“

Ein anderer Gesichtspunkt für Joachim Kaden ist, dass die sozialen Kontakte verloren gingen. Zudem könnten Diskussionen im Unterricht besser koordiniert werden als online. Und zu guter Letzt würden durch den Online-Unterricht während der Pandemie immer mehr Fahrschüler für die praktische Prüfung vorbereitet. Da die praktische Ausbildung allerdings derzeit untersagt sei, „kommt es hier zu einem Stau“.

Kaden abschließend: „Prinzipiell ist Online-Unterricht nicht schlecht. Doch so wie es im Moment läuft, ist es aus meiner Sicht keine gute Alternative.“

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt