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Badische Landesbühne - Turbulente Agenten-Parodie „Unser Mann in Havanna“ begeisterte das Publikum in der Tauberbischofsheimer Stadthalle

Tauberbischofsheim: Leichte Theaterkost in schweren Zeiten

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ferö
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„Gekonnt ist gekonnt“: Nur vier Schauspieler zauberten in dem Stück „Unser Mann in Havanna“ eine turbulente Agentenkomödie mit fast 30 Rollen auf die Bühne der Tauberbischofsheimer Stadthalle. © Felix Röttger

Tauberbischofsheim. Zwei vergnügliche – und trotz der Einschränkungen durch Corona – entspannte Stunden bescherte die Badische Landesbühne den Theaterfreunden in der großzügig bestuhlten Stadthalle in Tauberbischofsheim mit der Agenten-Parodie „Unser Mann in Havanna“. René Laier verkörpert in der Bühnenadaption des gleichnamigen Romans von Graham Greene den Staubsaugerverkäufer Wormold, den die kostspieligen Wünsche seiner Tochter Milly in die Arme des britischen Geheimdienstes treiben.

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Der Inszenierung von Carsten Ramm gelingt es, mit den drei weiteren Schauspielern Tobias Strobel, Martin Behlert und Nadine Pape dank treffender Mimik und Gestik und der Kostüme von Kerstin Oelker eine unglaubliche Geschichte mit einer Vielzahl unterschiedlichster Charaktere unterhaltsam auf die Bühne zu bringen. Ein farbenfrohes Bühnenbild von Tilo Schwarz und karibische Gitarrenklänge von Hennes Holz tun ihr Übriges, um die spannungsgeladene Atmosphäre in Kubas Hauptstadt Havanna kurz vor Castros Revolution nachempfinden zu können.

Handlung und Dialoge profitieren stark von den eigenen Erlebnissen des Autors, der selbst zeitweise während des Zweiten Weltkrieges für den britischen Auslandsgeheimdienst in Westafrika tätig war. Unstillbar ist der Hunger von Nachrichtendiensten in Zeiten des Kalten Krieges nach vermeintlich brisanten Informationen über den politischen Gegner und seine Absichten. So trifft es sich prächtig, dass ein Agent den braven Wormold für den britischen Geheimdienst anwirbt und seine Geldsorgen beendet. René Laier hat als unbedarfter Staubsaugerverkäufer seine besten Momente, als der die Ratschläge des Leipziger Freundes Hasselbacher, der immer wieder in seinen sächsischen Dialekt zurückfällt, gewissenhaft beim Aufbau eines Agentennetzes befolgt.

„Was sie nicht finden können, erfinden sie einfach“, meint Hasselbacher und fügt hinzu: „Solange sie lügen, richten sie keinen Schaden an“. Kurzerhand bessert Wormold seine Kasse gewaltig auf, als er die Technik eines Staubsaugers überdimensional abzeichnet und zu einer Geheimwaffe erklärt, die in den kubanischen Bergen in einer Militäranlage gebaut wird.

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Mächtig beeindruckt und beunruhigt schickt London eine Sekretärin zur Unterstützung nach Havanna. Wormold sieht die Zeit gekommen, seine nicht existierende Agentenschar fantasiereich wieder verschwinden zu lassen. Doch gefangen in seiner Rolle wie der Zauberlehrling, den Johann Wolfgang von Goethe sagen lässt: „Die ich rief, die Geister – werd ich nicht mehr los“, tappt der Superagent bei seinen Bemühungen von einer Verlegenheit in die andere.

Damit nicht genug: Von der Gegenseite wird bei einem Bankett seine Vergiftung geplant, der Wormold nur dank einer Warnung von Hasselbacher haarscharf entgehen kann. Den skrupellosen Polizeichef Segura, der ein Auge auf seine Tochter geworfen hat, animiert er zu einem Schachspiel mit Whiskeyflaschen als Spielfiguren, die bei der Eroberung vom Gegner postwendend geleert werden müssen. Auf diese Weise hofft Wormold, vom betrunkenen Gast, der gerne sein Zigarettenetui aus Menschenhaut vorzeigt, an geheime Informationen zu kommen. Als es tatsächlich zu einem Mord an Hasselbacher kommt, wird aus dem Agentenspiel bitterer Ernst. Jetzt reicht es Wormold und er offenbart sich seiner Sekretärin Beatrice, mit der er dann nach England zurückkehrt.

Da niemand wegen des ganzen Schwindels sein Gesicht verlieren will, kann Wormold voller Stolz vor der Queen niederknien, um für seine Verdienste um das Vaterland zum Ritter geschlagen zu werden.

Für diese gelungene Aufführung eines Theaterstücks mit einer fast unentwirrbaren Mischung aus Übertreibung, Täuschung, Erfindung und Lüge gab es für die den Gitarristen und das vielseitige Schauspielquartett kräftigen Beifall. ferö

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