Schulzentrum am Wört - Schlussrechnung für Bauteile A und B der Sanierung liegen vor / Gesamtkosten liegen unter der Kalkulation, aber: Stadt Tauberbischofsheim muss tiefer in die Tasche greifen

Die Sanierung des Schulzentrums am Wört kostet die Stadt mehr als veranschlagt. Aufgrund geringerer Zuschüsse als kalkuliert muss die Kommune rund 1,5 Millionen Euro mehr aufbringen.

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Harald Fingerhut
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Trotz niedriger Gesamtkosten wurden die Bauteile A und B der Sanierung des Schulzentrums am Wört für die Stadt teurer als zunächst veranschlagt. © Harald Fingerhut

Tauberbischofsheim. „Bildung ist das höchste Gut und unsere wichtigste Ressource“, hört man immer wieder von den Landespolitikern. Getreu diesem Motto investiert Tauberbischofsheim seit geraumer Zeit in die Schulen der Kreisstadt und wird es auch weiter tun.

Weniger Zuschüsse

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Zu Beginn stand gleich eine Herkulesaufgabe: die Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums am Wört. Die Schlussabrechnung für die ersten beiden Abschnitte A und B der Maßnahme liegen nun vor. Das Ergebnis: Die Stadt muss tiefer in die Tasche greifen, mehr Eigenmittel für die Ertüchtigung und Erweiterung des Schulzentrums aufwenden. Der Grund: Die Zuschüsse sind nicht wie erhofft vom Neckar an die Tauber geflossen. Sowohl beim Schulbauförderprogramm als auch beim Ausgleichstock gab es weniger Zuschüsse vom Land als einkalkuliert worden waren.

Bauteil A

Die Maßnahmen im Bauteil A umfassen die Generalsanierung des bisherigen Schulgebäudes der Pestalozzi-Werkrealschule. Der offizielle Baubeginn war im August 2013. Die Bauzeit erstreckte sich bis Februar 2017. Ab September 2014 konnte der Schulbetrieb in den frisch sanierten Räumen wieder aufgenommen werden.

Die Stadt kalkulierte für diesen Abschnitt mit Gesamtkosten von rund neun Millionen Euro. Als Zuschüsse vom Land plante sie aus dem Schulbauförderprogramm 4,4 Millionen Euro sowie 1,5 Millionen Euro aus dem Ausgleichstock ein. Die verbleibenden 3,1 Millionen Euro sollten aus der Stadtkasse beziehungsweise über Kredite finanziert werden. Doch die Zuschüsse flossen nicht wie eingeplant: Aus dem Schulbauförderprogramm gab es nur rund 3,6 Millionen Euro, aus dem Ausgleichstock 700 000 Euro.

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Gut für die Stadt war, dass die Maßnahme nicht ganz so teuer wurde, wie kalkuliert. Die Gesamtkosten belaufen sich letztendlich auf 8,3 Millionen Euro. Dies bedeutet, dass die Stadt knapp 900 000 Euro mehr aufbringen muss.

Bauteil B

Die Maßnahmen im Bauteil B, die den Neubau eines Fachklassentrakts sowie eines Lehrer- und Verwaltungsbereichs für die Riemenschneider-Realschule und die Pestalozzi-Werkrealschule umfassen, wurden im Dezember 2015 in Angriff genommen. Die Fertigstellung erfolgte im September 2017. Von diesem Zeitpunkt an wurden die neuen Fachräume in dem Gebäudekomplex auch für den Schulunterricht genutzt. Bei der Kostenverteilung gab es nahezu das gleiche Spiel wie beim Bauteil A.

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Zur Finanzierung der Gesamtkosten von veranschlagten rund acht Millionen Euro rechnete die Stadt mit Zuschüssen von 2,6 Millionen Euro aus dem Schulbauförderprogramm und 1,5 Millionen Euro aus dem Ausgleichstock. Gemeinderat und Verwaltung gingen deshalb von rund 3,9 Millionen Euro aus, die von der Kreisstadt aufzubringen waren.

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Tatsächlich gingen Fördermittel von 1,5 Millionen Euro aus dem Schulbauförderprogramm 2014 und 715 000 aus dem selben Topf im Jahr 2015 ein. Weiter gab es 800 000 Euro aus dem Ausgleichstock. Da die tatsächlichen Kosten 7,5 Millionen Euro betragen, muss die Stadt für den Bauteil B nun rund 4,5 Millionen Euro selbst aufbringen.

Unterm Strich bedeutet das für die Kreisstadt, dass sie für beide Bauabschnitte etwa 1,5 Millionen Euro mehr aufbringen muss.

1,5 Millionen Euro mehr für Stadt

Diese Summe ist kein Pappenstiel. Und hätte man bei den Gesamtkosten nicht ein günstigeres Ergebnis erzielt, wäre das von der Kreisstadt im Nachhinein zu stopfende Loch noch größer gewesen.

Wie kann das passieren? Wurden zugesagte Fördermittel gekürzt? Oder war die Verwaltung schlichtweg zu optimistisch bei den Zuschüssen. Die FN fragten bei Stadtkämmerin Barbara Kuhn nach.

„Wir haben bei der Antragstellung noch keine Förderzusage. Bei der Schulbauförderung gibt es eine Formel, die wir ansetzen. Beim Ausgleichstock sind es eher ,Wunschvorstellungen’ der Stadt“, erklärte Kuhn. „In der Regel beantragt die Stadt immer mehr, als dann tatsächlich vom Land beschieden wird. Meist werden dann manche Maßnahmen nicht als förderfähig anerkannt. Im konkreten Fall hatten wir beim Bauteil A einen Fehler in der Antragstellung. Wir hatten den Auswärtigenanteil falsch, das heißt zu hoch berechnet.“

Der richtige Förderantrag hätte geringer ausfallen müssen. Kuhn: „Beim Ausgleichstock wussten wir, dass es für eine Schulbaumaßnahme maximal 1,5 Millionen Euro gibt. Beide Förderprogramme sind natürlich davon abhängig, wie groß der Fördertopf ist und wie viele Anträge im Programmjahr mit welcher Förderhöhe vorliegen.“

Der Gemeinderat nahm von der Fertigstellung und Abrechnung der Maßnahmen zustimmend Kenntnis. Nachfragen gab es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats in der Stadthalle nicht.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.