50 Jahre Städtepartnerschaft - Vereine, Abteilungen und Gruppen haben großen Anteil an der seit fünf Jahrzehnten bestehenden Erfolgsgeschichte Sport und Musik als zentrale Bindeglieder

Von 
Mike Kinzie
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Immer mit dabei: Die Stadt- und Feuerwehrkapelle um Gustav Endres, hier beim Jubiläumstreffen in Vitry im vergangenen Jahr.

© Fabian Greulich

Sehr großen Anteil am erfolgreichen Gelingen der 50-jährigen Partnerschaft zwischen Tauberbischofsheim und Vitry-le-François haben die Vereine, Abteilungen und Gruppen der Stadt. Ein Rückblick.

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Tauberbischofsheim. Während die Schulen in erster Linie die Jugend zusammenführen, sind es in den Sportabteilungen, Musikvereinen und sonstigen Gruppen vor allem Menschen, die ein gemeinsames Interesse teilen und sich begegnen. Und über ein gemeinsames Interesse kommt man eben leichter in Kontakt.

Es ist gelebte Tradition, dass sich mindestens alle fünf Jahre zu den großen Jubiläumsfeiern Sportvereine und Musiker aus beiden Partnerstädten treffen. Daneben beteiligen sich auch immer wieder andere Gruppen, wie die Volkstanzgruppe, die Heimatfreunde, die Bischemer Kröten oder die Freiwillige Feuerwehr. Mehrmals war auch schon eine Gruppe Motorradfahrer bei Jubiläen in Vitry-le-François. Auch der Kunstkreis war mehrfach in der Partnerstadt aktiv.

Schöner ist es natürlich, wenn die Beziehungen so eng sind, dass man sich auch in der Zeit zwischen den Jubiläen trifft. Solche Verbindungen bestehen im Sport vor allem bei den Judoka, Handballern und Gymnastinnen, seit einigen Jahren auch beim Fechtnachwuchs. Häufigere Kontakte gab es auch bei den Volkstänzern und der Stadt- und Feuerwehrkapelle. Bei all diesen Gruppen sind über die Jahre, teilweise Jahrzehnte, viele persönliche Freundschaften entstanden, von denen der Vereinskontakt profitiert.

Langjährige Freundschaft

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Die Judoabteilung im TSV unter Jochen Fels ist dabei ein leuchtendes Beispiel. Fast schon so lange, wie die Partnerschaft besteht, nämlich über 40 Jahre, unterhält man ununterbrochen Kontakt zum Judoclub in Vitry. Dass die Verbindung so lange gehalten hat, kann man an der großen Kontinuität an der Abteilungsspitze der Tauberbischofsheimer Judoka festmachen. Genauer an der Person Jochen Fels.

Seine langjährige Freundschaft zu den verschiedenen Führungspersonen in Vitry hat immer dafür gesorgt, dass es weiterging mit der Verbindung. So traf man sich auch abseits von Partnerschaftsbegegnungen, besuchte sich zu Geburtstagen und unternahm gemeinsame Ausflüge. Was die Judoabteilung allerdings besonders zum herausragenden Vorbild stempelt, ist die Art und Weise, wie man auf die Nachricht vom schlimmen Unfall des französischen Sportkameraden Patrice Jacotez reagierte.

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Dieser hatte sich bei den französischen Meisterschaften bei einem Fall die Halswirbelsäule gebrochen und ist seither vom Hals abwärts gelähmt. Unter der Führung von Jochen Fels organisierten die Judoka eine öffentliche Spendenaktion in Tauberbischofsheim, verkauften T-Shirts mit dem Aufdruck "Tous pour Patrice" (Alle für Patrice).

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Die Übungsleiter der Abteilung spendeten ihre kompletten Aufwandsentschädigungen an das Hilfskonto. Auf diese Weise avancierten die Judoka aus der Kreisstadt zum Musterbeispiel für den Slogan von der "gelebten Partnerschaft". Damit animierte man auch andere, dem Verunglückten zu helfen. So spendete der Rotary Club Tauberbischofsheim einen namhaften Betrag an den Sportler aus Vitry.

Eine weitere Abteilung mit festen Beziehungen nach Frankreich sind die Handballer. Seit dem ersten Aufeinandertreffen beim zehnjährigen Jubiläum 1976 bestehen feste Bande von der Tauber an die Marne. Dies ist nicht ganz überraschend, gehört doch der langjährige Präsident des Städtepartnerschaftskomitees, Mike Kinzie, den Handballern an. Nicht nur bei den Jubiläen traf man sich; die Tauberbischofsheimer waren mehrmals zu Turnieren in Vitry, umgekehrt die Vitryaner auch mehrmals beim Sommerturnier der Handballer des TSV. Auch wenn die aktive Zeit der Spieler aus den frühen Jahren längst vorbei ist, zieht es doch die ehemaligen Handballer vom AS Vitry jedes Jahr in stattlicher Anzahl zum Tauberbischofsheimer Altstadtfest. Mittlerweile haben die ersten Väter sogar schon ihre erwachsenen Söhne dabei. So wurde der traditionelle Besuch in "Tauber" quasi an die nächste Generation "vererbt".

Die dritte Abteilung mit regelmäßigen sportlichen Kontakten zur Partnerstadt ist die Turnabteilung im TSV, und hier vor allem die rhythmischen Sportgymnastinnen. Ihr Pendant ist "La Champenoise", der Turnverein aus Vitry. Treibende Kraft auf Tauberbischofsheimer Seite ist Patricia Steinam, die ebenfalls im Städtepartnerschaftskomitee engagiert ist. Neben den Treffen bei Jubiläen waren die jungen Sportlerinnen schon mehrfach zum "Tag des Sports" in Vitry, die jungen Französinnen auch schon zu gemeinsamen Trainingswochenenden an der Tauber. Ein herausragendes Ereignis war der Wochenendworkshop, den die französiche Trainerin Christelle Ouriet in der Kreisstadt durchführte, und zu welchen auch Vertreterinnen weiterer Turnvereine kamen.

Seit 1976, beim zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum, ist die Volkstanzgruppe Tauberbischofsheim in der Städtepartnerschaft aktiv. Zwar hat Vitry-le-Francois keine eigene Volkstanzgruppe, doch es fand sich schnell Kontakt zu den Volkstänzern von "Les Morelles" (Die Schwalben) aus Sainte Marie du Lac, etwa zehn Kilometer von Vitry entfernt. Keine Jubiläumsfeier, kein Umzug, wo sie nicht mit ihren farbenfrohen Trachten die Veranstaltung bereicherten, mit ihren Tänzen die Menschen unterhielten. Die beiden Gruppen kamen sich so nahe, dass man 1991, beim 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft, sogar eine eigene Partnerschaft zwischen den beiden Tanzkreisen abschloss.

Schon seit Beginn der Partnerschaft 1966 mit dabei sind die Stadt- und Feuerwehrkapelle Tauberbischofsheim und der "Cercle des XVII", der Fanfarenzug aus Vitry. Auch für sie gilt: Bei jedem Jubiläum, bei jedem Umzug waren sie dabei und immer ein Genuss für Ohren und Augen. Hier ist vor allem eine Person hervorzuheben, die als ganz junger Mann bereits 1966 über den Gräbern von Verdun ein Trompetensolo spielte. Gustav Endres wirkt seit vielen Jahren als Dirigent und "Chef des Ganzen". Er hat somit die Partnerschaft vom ersten Tag an miterlebt und mitgestaltet.

Junge Partnerschaft

Eine noch recht junge Partnerschaft ist im Vergleich der Kontakt zwischen dem Fechtclub Tauberbischofsheim und den Fechtern aus Vitry. Dieser spielt sich in erster Linie beim Nachwuchs ab. Neben Patricia Steinam, die sich auch hier sehr für das Gelingen der Partnerschaft einsetzt, ist es vor allem Peter Behne vom FC zu verdanken, dass sich Kinder aus beiden Vereinen in den letzten Jahren mindestens einmal jährlich hier wie dort bei Turnieren treffen. Über die Kinder sind dann natürlich auch Eltern eingebunden, ganz im Sinne der Idee von Städtepartnerschaft, nämlich die Bevölkerungen soweit wie möglich zu verbinden.

Natürlich gab es darüber hinaus noch weitere Kontakte zwischen anderen Vereinen und Abteilungen, die alle zur 50-jährigen Erfolgsgeschichte der Partnerschaft beigetragen haben.