Landgericht Mosbach: 30-jähriger Haupttäter muss viereinhalb Jahre in Haft - Stellvertretender Filialleiter war einer der Drahtzieher und sitzt wie zwei weitere Tatbeteiligte in U-Haft Raubüberfall auf Tauberbischofsheimer Einkaufsmarkt: „Showman“, der die Räubermaske trug

Nach dem Raubüberfall auf einen Tauberbischofsheimer Discounter im Dezember 2019 muss der 30-jährige Haupttäter viereinhalb Jahre hinter Gitter. Drei weitere Tatbeteiligte sitzen in U-Haft.

Von 
Fabian Greulich
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Das Landgericht Mosbach verurteilte am Montag einen 30-Jährigen (Achter von rechts), der im Dezember 2019 eine Discounter-Filiale in Tauberbischofsheim überfallen hat, zu viereinhalb Jahren Haft. © Fabian Greulich

Tauberbischofsheim/Mosbach. Es war der 16. Dezember 2019, als kurz vor 22 Uhr ein maskierter Mann den Einkaufsmarkt in der Pestalozziallee betrat. In der Hand hielt er eine Pistole und richtete sie auf eine Mitarbeiterin und den stellvertretenden Marktleiter, um dann die Öffnung des Tresors zu fordern, in dem sich die Einnahmen einer ganzen Woche befanden – laut Staatsanwaltschaft rund 57 000 Euro.

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Die Mitarbeiterin und den Filialleiter fesselte er mit Kabelbindern und ließ sie in einem Aufenthaltsraum zurück.

Der 30-Jährige, der sich vor dem Mosbacher Landgericht am Montag vollumfänglich geständig zeigte, muss nun wegen schweren Raubs in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung für vier Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Während der Verhandlung wurde aber auch klar, dass der junge Mann den Überfall nicht maßgeblich vorbereitet hatte und alles andere als das „planerische Genie hinter der Tat“ war, wie es der Staatsanwalt formulierte. Vielmehr sei er nur der „Showman“ gewesen, der die Räubermaske trug.

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Tatsächlich waren in den Überfall drei weitere Männer verwickelt. Dies ergaben die Ermittlungen der Kriminalpolizei. Alle drei sitzen zwischenzeitlich in Untersuchungshaft und warten auf ihren Prozess.

Einer von ihnen – das ist an dem Fall besonders kurios – ist der stellvertretende Filialleiter (27) selbst. Er ließ sich, das ist inzwischen klar, im Beisein einer völlig ahnungslosen und durch die Tat schwer traumatisierten Mitarbeiterin in den Überfall als Opfer verwickeln, wirkte an der Tatausführung aber maßgeblich mit und entpuppte sich im Nachhinein als einer der Planer.

Insgesamt vier Tatbeteiligte

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Ideengeber und weiterer Drahtzieher soll ein ehemaliger Mitarbeiter der Discounter-Filiale in Tauberbischofsheim sein, der seinen Job dort erst kurze Zeit vor der Tat verloren hatte. Er hielt sich zum Tatzeitpunkt bewusst in einem Spielcasino auf, um ein Alibi zu haben. Täter Nummer vier fuhr den Fluchtwagen.

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Eine weitere Besonderheit des Überfalls war das Vorgehen der Täter bei der Beschaffung des Geldes aus dem Tresor.

Da sich die so genannten Safebags (mehrmals täglich abgepackte Geldpakete), die den Großteil der Beute ausmachten, in einem Innentresor befanden, der auch für den stellvertretenden Filialleiter nicht allein zu öffnen war, kam ein Staubsauger zum Einsatz. Damit wurden die Geldpakete durch den Einwurfschlitz angesaugt und aus dem Tresor geborgen.

„Das war alles genau geplant und wurde mir vorher auch so erklärt“, gab der Angeklagte zu. Was er nicht gewusst, und auf keinen Fall gewollt habe, so der 30-Jährige, sei, dass Unbeteiligte zu Schaden kommen. Er sei kein böser Mensch und habe aus einer persönlichen Notlage heraus gehandelt. Unter anderem habe er Schulden und ein Drogenproblem.

Bei dem Überfall habe er bewusst nur eine Spielzeugpistole verwendet und sei davon ausgegangen, dass außer dem Komplizen niemand mehr im Markt sei. Genau deshalb habe man nur eine Woche zuvor, am Montag, 9. Dezember, den Überfall kurzfristig abgeblasen.

„Eigentlich sollte das Ganze schon da stattfinden, denn es war wohl besonders viel Geld im Tresor zu erwarten“, so der Angeklagte. Da aber noch Kundschaft im Laden war, habe er das Signal des stellvertretenden Filialleiters – eine vom Parkplatz aus gut sichtbar aufgestellte Cola-Flasche – missachtet und mit dem Fahrer des Fluchtwagens den Rückzug angetreten.

Kurz danach sei die Entscheidung gefallen, am darauffolgenden Montag zuzuschlagen. Erst im Laden habe er die Anwesenheit der Mitarbeiterin bemerkt. Diese Aussage widerlegten am Montag jedoch nicht zuletzt die Aussagen der Zeugen.

Die 56-jährige Mitarbeiterin sagte aus, sie habe mit den psychischen Folgen stark zu kämpfen. Sie befinde sich seit der Tat in psychologischer Behandlung. Lange Zeit habe sie gar nicht arbeiten können. Mittlerweile sei sie wieder an der Kasse tätig, allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen. So müsse sie immer an der äußersten Kasse sitzen, um den Rücken frei zu haben.

Ein zuständiger Kripo-Beamter schilderte im Zeugenstand nochmals die Situation am Tatort sowie die einzelnen Ermittlungsschritte der Polizei. So habe man relativ früh den Verdacht gehabt, dass es einen „Insider“ geben muss. Schnell geriet daraufhin der stellvertretende Filialleiter in den Fokus der Ermittler. Auch den entlassenen Mitarbeiter hatte man bald auf dem Zettel.

Zahlreiche Ungereimtheiten im Tatablauf, etwa die Flucht durch das Lager, oder die Tatsache, dass der Filialleiter nicht den stillen Alarm auslöste, hätten die Kriminalbeamten stutzig gemacht.

Brille führt zum Täter

Zum Angeklagten habe aber letztlich dessen Brille geführt, die dieser am Tatort zurückgelassen hatte. Ein Optiker aus der Region konnte die Brille aufgrund der außergewöhnlichen Sehstärke tatsächlich zuordnen. „Ohne die Brille würde der Angeklagte heute wahrscheinlich nicht hier sitzen“, so der Ermittler. Im Zeugenstand bestätigte auch der stellvertretende Filialleiter die Schilderungen des Tathergangs in weiten Teilen.

Mit dem Urteil von viereinhalb Jahren blieb Richterin Dr. Barbara Scheuble etwas unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von fünf Jahren gefordert hatte.

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Redaktion Leiter der Redaktionen Tauberbischofsheim, Wertheim und Regionales