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Konzert

Präzision gepaart mit spielerischer Leichtigkeit

Das Junge Kammerorchester Tauberfranken begeisterte das Publikum im Tauberbischofsheimer Rathaussaal

Von 
Tobias Endres
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Das Junge Kammerorchester Tauberfranken beim Auftritt im Tauberbischofsheimer Rathaussaal. © Tobias Endres

Tauberbischofsheim/Main-Tauber-Kreis. Junge Menschen, die für Musik brennen und ihre Leidenschaft teilen, sind ein großes Glück für ein musikbegeistertes Publikum – so auch im vollbesetzten Rathaussaal in Tauberbischofsheim, wo sich die Zuhörer des Jungen Kammerorchesters Tauberfranken (JKO) von den jungen Musikern mitreißen und entzünden ließen. Das JKO ist ein Auswahlorchester der größten Nachwuchstalente der Landkreise Main-Tauber, Heilbronn und Ludwigsburg und setzt sich ausschließlich aus Schüler und -innen sowie Studenten und -innen zusammen, die einmal im Jahr in den Sommerferien in einer intensiven zehntägigen Probephase ein anspruchsvolles Programm erarbeiten.

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Wie konzentriert und professionell die jungen Musiker sich ihrer Musik widmen und zu welcher musikalischen Meisterschaft sie fähig sind, davon konnte sich das beeindruckte Publikum überzeugen. Die Dozenten Andreas Berge, Kirsten-Imke Jensen-Conrad (beide Violine), Manja Huber (Viola), Regine Friederich (Cello) und Orchesterleiter und Dirigent Thomas Conrad hatten das Feuer in den Jugendlichen entfacht und gemeinsam mit den Talenten ein anspruchsvolles Programm erarbeitet, das von Spannungen und Kontrapunkten lebte und ein hohes Maß an Professionalität und Akkuratesse erforderte.

Angesichts der gemeinsamen Leidenschaft verwundert es nicht, dass alle beteiligten Dozenten das Projekt seit 2016 ehrenamtlich und in ihrer Freizeit begleiten und die Nachwuchsmusiker einen guten Teil ihrer Sommerferien darauf verwenden, um alljährlich ihr Publikum auf eine musikalische Reise mitnehmen und ihre Liebe zur Musik teilen zu können.

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Möglich gemacht hatte das Konzert Rotary Tauberbischofsheim. Die Zusammenarbeit zwischen Rotary und dem Jungen Kammerorchester war bereits vor drei Jahren angebahnt und musste coronabedingt verschoben werden. Umso mehr war es ein Grund zur Freude, dass nun endlich der Rathaussaal erfüllt war mit den fulminanten Klängen des Ensembles.

Bereits mit den ersten Takten der Kammerorchester-Version des Streichquartetts Nr. 3 G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart zeigten die jungen Musiker ihre Spielfreude und brachten die Bewegung und Leichtigkeit, die der 17-jährige Mozart seinem dritten von insgesamt 23 Streichquartetten eingeschrieben hatte, zum Schwingen und Schweben. Mit traumtänzerischer Sicherheit zeichneten sie die Bewegungen des Quartetts nach und machten schon zu Beginn des Konzerts deutlich, dass sie technische Genauigkeit und Präzision mit unbändiger spielerischer Freude vereinen können.

Die musikalische Reise führte dann zu einer ausgesprochen ungewöhnlichen Begegnung, die auch dem Konzert seinen Titel gab: Strings meet Tuba. Das Concerto for Tuba and Strings des norwegischen Komponisten Arild Plau gehört zu den wenigen Orchesterstücken, die für die Tuba als Soloinstrument geschrieben wurden.

Als Solist überzeugte Tubist Donath Rehm, der mit dem lyrischen und virtuosen Werk die ganze Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten seines Instruments zeigen konnte. Atemberaubende Tonsprünge wechselten sich ab mit zarten und liebreizenden Passagen bis in die höchsten und tiefsten Tonregionen. Die ungewöhnliche Zwiesprache zwischen dem Blechbläser und den mit großer Akribie und Achtsamkeit aufspielenden Streichern wurde so zu einem zärtlichen Rendezvous, das gerade in den leisen und elegischen Passagen an einen Tanz zwischen den ungleichen Instrumenten erinnerte. Rehm überzeugte durch höchste Virtuosität und einer Zartheit, die der unbedarfte Zuhörer diesem Instrument kaum zutraute. Als kongeniale Spielpartnerin brillierte die Violonistin Pauline Langer, deren filigrane Tonlinien die Tuba zu umflügeln schienen. Die Geschlossenheit und Transparenz mit der das JKO r musizierte, war der herausragenden Leistung des Dirigenten Thomas Conrad zu verdanken. Er spannte einen dramaturgischen Bogen durch das komplexe und spannungsreiche Werk und formte einen homogenen Klangkörper, der mit bewundernswerter Prägnanz und Luzidität musizierte.

Nach der Pause führte Conrad sein Orchester durch die mythisch verwobenen Ebenen und die bisweilen schroffen Klippen der Sinfonia per archi des schwedischen Komponisten Kurt Atterberg. Die jungen Musiker zeigten hierbei, dass sie in der elegischen Poesie ebenso heimisch sind wie im rhythmischen Überschwang.

Mit großer Präzision ließen sie die Themen durch die Instrumentengruppen fließen und stürzten sich mit Hingabe in die bewegten und stürmischen Passagen. Gerade in der präzisen Ausgestaltung der Kontraste zwischen langsam und bewegt, mild und heftig, elegisch und heiter wurde deutlich, über welch differenzierten Gestaltungsfähigkeiten die jungen Musiker verfügen.

Im letzten Satz verzauberten schließlich die feinfühligen Soli von Cello (Frederika Finkbeiner) und Violine (Elias Burkhardt) ehe die Sinfonia im wundervoll weltentrückten Pianissimo verklang.

Nach dem nicht enden wollenden Applaus überraschte das Kammerorchester noch mit einer Zugabe: Ein Tango mit Tuba, der die glücklich beseelten Zuhörern mit einem Lächeln im Gesicht aus diesem mitreißenden Konzerterlebnis entließ.

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