Verkehrsaufklärungsaktion „Junge Fahrer – Gib Acht im Verkehr“ - Kampagne „No Game“ bis 28. November im Tauberbischofsheimer Berufsschulzentrum zu Gast Nicht im Blindflug unterwegs sein

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Elisa Katt
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Im Selbstversuch mit der sogenannten Rauschbrille erfuhren die Schüler im Rahmen der Aufklärungsaktion „No Game“ die Auswirkungen von Alkohol auf kognitive und motorische Fähigkeiten am eigenen Leib. © Elisa Katt

Zweck der Kampagne „No Game“ ist es, junge Fahrer für Risikofaktoren und Unfallursachen im Verkehr zu sensibilisieren. Denn anders als im Videospiel gibt es auf der Straße keinen Reset-Button.

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Tauberbischofsheim. Um eine kurze Textnachricht zu schreiben, braucht ein Jugendlicher im Schnitt rund fünf Sekunden, wie Polizeihauptmeisterin (PHM) Sabine Hönninger bei ihrem Vortrag im Rahmen der Veranstaltung „No Game“ an der Kaufmännischen Schule in Tauberbischofsheim von zwei Schülern im Selbsttest nachweisen ließ. Bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde bedeutet das ganze 140 Meter gefährlichen Blindflug.

Ablenkung als Ursache

Das Thema Ablenkung solle deshalb im Fokus der Verkehrsaufklärungsaktion „No Game“ stehen, wie Polizeihauptkommissar (PHK) Erwin Weiß erklärte. Dazu hatte PHK Roberto Monaci vom Referat Prävention Zahlen vorbereitet, die eine „alarmierende Tendenz“ aufzeigen. Ablenkung als tödlicher Unfallgrund sei in Baden-Württemberg von zwölf Prozent 2016 auf 17 Prozent im folgenden Jahr gestiegen.

Um das Bewusstsein junger Autofahrer für Risikofaktoren und Unfallursachen aller Art zu steigern, findet landesweit die Verkehrssicherheitskampagne „No Game“ statt. Veranstaltet vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Heilbronn, Außenstelle Tauberbischofsheim, ist diese Kampagne vom 21. bis 28. November in der Kaufmännischen Schule in Tauberbischofsheim – in Kooperation mit der Gewerblichen Schule – zu Gast.

Richtige Anlaufstelle

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„Es ist kein Computer-Spiel, bei dem man rausfliegt und wieder von vorne anfängt“, betonte Oberstudiendirektor Robert Dambach, Leiter der Kaufmännischen Schule, die Wichtigkeit einer solchen Aktion. Oberstudiendirektor Hermann Ruppert, Leiter der Gewerblichen Schule, schloss sich dem an: In den letzten anderthalb Jahren habe er zwei Schüler durch tödliche Verkehrsunfälle verloren. Rainer Ruppert von der Stadtverwaltung war der Meinung, an den Berufsschulen sei man „an der richtigen Stelle“, da ein Großteil der Schüler bereits mit dem Auto unterwegs sei.

Trotz aller Bemühungen seien junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren noch immer eine Risikogruppe im Straßenverkehr, die mit einem Anteil von nur acht Prozent an der Bevölkerung des Kreises dennoch an rund einem Viertel der Unfälle beteiligt sind, so Polizeipräsident Hans Becker, der eigens aus Heilbronn angereist war.

Klima der Bereitschaft

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Im Main-Tauber-Kreis sei ein Klima der Bereitschaft zu spüren, dahingehend etwas zu bewegen. An den Berufsschulen könne man junge Leute zu diesem Zweck an der richtigen Stelle abholen. Positiv bewertete Becker die Auswirkungen des begleiteten Fahrens und der 0,0 Promille-Grenze während der Probezeit: „Es lohnt sich also, in die Prävention zu investieren.“

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Wolfgang Kranz vom Verkehrsamt nannte einige Fälle aus dem Kreis, „die durch das Raster der Prävention durchgerutscht sind“. So hätten 2018 bisher 131 Fahrer zu einem Aufbauseminar antreten müssen, 16 seien zum wiederholten Mal aufgefallen. Entzogene Führerscheine gab es acht. Diese Zahlen seien allerdings nicht unbedingt repräsentativ. Allgemein sprach Polizeioberrat Burkhard von der Groeben von einer „großen Verkehrsdisziplin und -sicherheit“ im Main-Tauber-Kreis.

Ebenfalls bei der Pressekonferenz zu Wort kamen Ulrich Deiß vom Fahrlehrerverband zum Thema illegale Autorennen, Diplom Ingenieur Karl Schweizer vom TÜV Süd zum Thema Tuning sowie Hilmar Keller vom Roten Kreuz zum Thema Rettungsgasse bei Unfällen und PHM Bernhard Haag zum Thema Alkohol und Drogen an Schulen.

Selbstversuche

Wie schon am Tag zuvor nutzten zahlreiche Schüler das Angebot der Ausstellung. Zunächst sensibilisierte Polizeihauptmeisterin Hönninger sie mit einer Präsentation für Themen wie „Hauptunfallursache Geschwindigkeit“, „Abgelenkt durch digitale Medien“ oder „Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“. Danach durften die Jugendlichen an verschiedenen Aktionen und Selbsttests teilnehmen.

Am Stand der Verkehrswacht Main-Tauber-Kreis erfuhren sie mithilfe einer Rauschbrille die Folgen von Alkohol für kognitive und motorische Fähigkeiten am eigenen Leib. Mit der Brille vor den Augen gestaltet sich selbst das Laufen um einen Pylon oder das Aufheben von kleinen Münzen als Herausforderung. Zudem bestand die Möglichkeit, die eigene Reaktionen zu überprüfen und an einem Sehtest teilzunehmen.

Um ein besseres Gefühl für das eigene Auto, speziell in extremen Situationen, zu gewinnen, warb Peter Bernhardt zudem für das von der Verkehrswacht angebotene Fahrsicherheitstraining.

Sich in Sachen Erste Hilfe üben konnte man am Stand des Deutschen Roten Kreuzes. „Die Leute möchten helfen, aber sie haben Angst, etwas falsch zu machen“, schilderte Artur Heilemann seine Erfahrungen.

Es sei wichtig, seine Kentnisse regelmäßig aufzufrischen, denn: „Je länger ein Kurs her ist, desto größer wird die Unsicherheit. Dabei ist das einzig Falsche, was man tun kann, gar nicht zu helfen.“