AdUnit Billboard
Kaleidoskop Tauberbischofsheim - Veranstaltung zur Baukultur mit regionalen Beispielen und externen Experten im Engelsaal stieß auf große Resonanz

Mut zur Gestaltung auch in der Provinz zeigen

Von 
hg
Lesedauer: 
Viele Anregungen und Diskussionsstoff gab es beim zweiten Kaleidoskop-Tauberbischofsheim (von links) mit Moderatorin Mariella Schlüter, Rolf Klärle, Dagmar Wolf, Klaus Kornberger und Jórunn Ragnarsdóttir. © Veranstalter

Tauberbischofsheim. Die junge Reihe „Kaleidoskop Tauberbischofsheim“, die im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde (die FN berichteten), schöpfte auch bei ihrer zweiten Veranstaltung in Präsenz in diesem Jahr wieder aus dem Vollen. Dass sie dabei nicht die Bodenhaftung verlor, lag unter anderem an den „Tauberbischofsheimer Persönlichkeiten“ Dagmar Wolf und Klaus Kornberger und der Einbeziehung des Publikums während der Diskussion. Moderiert wurde der Abend wiederum von der Architekturjournalistin Mariella Schlüter.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Architekt Rolf Klärle zeigte in einem Kurzvortrag regionale Beispiele hochwertiger Architektur, die ganz individuell auf den jeweiligen Ort reagieren: die Ortsmitte in Gamburg als Reparatur und Wiederbelebung einer innerörtlichen Brachfläche, die Brennerei Herz im Gewerbegebiet in Bad Mergentheim und das überregional bekannte und mit zahlreichen Architektur- und Nachhaltigkeitspreisen ausgezeichnete Projekt „Hof8“ in Schäftersheim.

Gast aus Berlin

Anschließend betrat der Gast aus Berlin die Bühne, die profilierte und renommierte Architektin Jórunn Ragnarsdóttir, deren Werk deutschlandweit Beachtung erfährt und unter anderen zahlreichen Preisen den Deutschen Architekturpreis 2014 für das Kunstmuseum Ravensburg gewann. Zusätzlich ist die Architektin Ragnarsdóttir in den verschiedensten Kommissionen und Beiräten aktiv.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Bei ihrem Kurzvortrag im Engelsaal ging sie mit der Vorstellung der „16 Stationen im Remstal“ auf das Thema „Fokus: Ort“ ein, zeigte als Kuratorin der Ausstellung die dort baulich umgesetzten pavillonartigen Architekturen und betonte den besonderen Mut der Gemeinden, Neues zu wagen und überkommunal zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig scheute sie nicht die Ehrlichkeit: für die hochkarätigen Beiträge sei sie vor allem auf den Ehrgeiz der beteiligten Architekturbüros angewiesen, da für die Bearbeitung der Aufgabe nur ein fast symbolisches Honorar gezahlt werden konnte.

Interventionen entlang der Rems

Das gemeinsame Ergebnis aber spricht für sich. So entstand eine Perlenkette an Interventionen entlang der Rems, wo Tourismus und Baukultur Hand in Hand geht: vom Dach im Wald zum Hochzeitsturm auf der Obstwiese, eine Tanzlinde, und an der Mündung drei Badehäuschen – um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Den zweiten Teil ihres Vortrags widmete sie dem gerade fertiggestellten neuen Volkstheater in München, ein Werk aus ihrem Stuttgarter Büro Lederer-Ragnarsdóttir-Oei, das jüngst zum Gewinner des Otto-Borst-Preises gekürt wurde. Der zeitgenössische Stadtbaustein im Schlachthofviertel nutzt geschickt Teile des Bestands und kreiert dabei selbstbewusst einen neuen kulturellen Ort. Neuerdings hat Jórunn Ragnarsdóttir die Fäden in Stuttgart an die jüngere Generation übergeben und in Berlin gemeinsam mit Ehemann Arno und Sohn Sölvi Lederer in Berlin ein neues Büro gegründet.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Die an die Kurzvorträge anschließende Podiumsdiskussion mit Klaus Kornberger und Dagmar Wolf öffnete sich rasch ins Publikum. Da einige von Rolf Klärle gezeigten Beispiele aus der direkten Umgebung stammten, wollte ein Teilnehmer wissen, warum es denn in Tauberbischofsheim noch immer kein vorzeigbares aktuelles Projekt gebe. Liegt es an den Investoren, den Gemeinden oder der Gestaltungssatzung wollte er wissen.

Jórunn Ragnarsdóttir gab sich überzeugt: eine Gestaltungssatzung bringe keine schöne Architektur. Für eine gute Antwort im gestalterischen Sinn müsse man wissen „wie man die Frage stellt“. Sie verglich es mit der Erziehung: „Wenn 2 + 2 = 4 gelehrt wird, wird nur eine Lösung gelernt. Wenn wir sagen 4 = . . . da gibt es plötzlich ganz viele Möglichkeiten.“

Christine Jouaux, Vorsitzende der hiesigen Architektenkammer, wies darauf hin, dass Gemeinden die Möglichkeiten eines mobilen Gestaltungsbeirats nutzen könnten, um bei verschiedensten Projekten fachlich beraten zu werden. Auch Anette Schmidt äußerte sich erfreut über die Diskussion und sprach davon, dass man als Stadtgesellschaft stets verschiedene Belange miteinander verhandeln müsse. So gebe es zum Beispiel den Bedarf an Wohnraum in der Stadt, was auf den wenigen Grundstücken eine gewisse bauliche Dichte erfordere.

Darauf, dass beim „Fokus: Ort“ auch Wohngebiete und nicht nur die Innenstadt gemeint sind, wies Rolf Klärle hin – und dass man diese besonders sensibel gestalten müsse, betonte seine Kollegin Ragnarsdóttir. Die Frage, ob das Taubertal nicht ähnliche Potenziale und Qualitäten wie das Remstal habe, und ob eine kuratierte Intervention nicht auch hier möglich wäre, beschäftigte alle Beteiligten noch über die Diskussion hinaus.

Nach der Diskussion folgte die obligatorische Bücherspende an die Mediothek. Für die nächste Veranstaltung am Freitag, 8. Juli, mit dem Thema „Fokus: Projekt“ sind mit Christian Holl, Architekturkritiker aus Stuttgart, und Dr. Barbara Malburg-Graf, Prozessbegleiterin aus Weissach, wieder spannende Gäste vor Ort. Die Veranstaltung findet im Forum des Matthias-Grünewald-Gymnasiums unter Beteiligung von Schülerinnen und Schülern statt. hg

AdUnit Mobile_Footer_1