Soziale Medien - Polizeihauptkommissar Frank Belz und sein Team wollen die Öffentlichkeit unterstützen, sich vor Betrug und Fake-News zu schützen „Menschenverstand nicht ausschalten“

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Barbara Englert
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Ob undurchsichtige Gewinnspiele oder dubiose Kettenbriefe – im Netz lauern allerlei Gefahren, Betrüger versuchen, die Daten der User auszuspionieren. Hier ist höchste Vorsicht geboten, warnen Social-Media-Experten der Polizei. © DPA

Odenwald-Tauber. Ob eine als Gewinnspiel getarnte Falle oder ein Kettenbrief über angebliche Gefahren in der Region – Falschmeldungen und Betrug sind allseits gegenwärtige Bedrohungen im Internet. Doch wie erkennt man den Schwindel? Frank Belz, Social-Media-Manager des Polizeipräsidiums in der Käthchenstadt, sind die typischen Täuschungsversuche bestens bekannt.

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Ein Klassiker seien Gewinnspiele, so der erfahrene Kriminalhauptkommissar, die mit Versprechungen und realistischen Logos den arglosen Teilnehmern Daten entlocken wollen. Oftmals per E-Mail verschickt, landeten sie meist allerdings schon automatisch im Spam-Ordner. Falls man aber wirklich Interesse an einem solchen Gewinnspiel habe, empfiehlt Belz verschiedene Webseiten. Dort würden gefälschte Angebote gemeldet, recherchiert und aufgedeckt. So könne man sich hier vor einer Teilnahme gründlich informieren.

Lieber vorher erkundigen

Bei Personenfahndungen, etwa via Facebook, müsse ebenso große Vorsicht an den Tag gelegt werden. Private Suchaktionen ohne polizeilichen Hintergrund dürften nicht ohne Weiteres weitergeleitet werden. So gebe es beispielsweise Fälle von einem Elternteil, das durch Posts Hinweise zum Aufenthalt seiner Kinder bekommen will, obwohl ihm das Sorgerecht entzogen worden war. Damit machten sie sich möglicherweise jedoch strafbar, schließlich seien echte polizeiliche Fahndungen an Vorschriften und rechtliche Hürden gebunden. „Bei Unsicherheiten zur Echtheit der Fahndungsaktion soll man sich lieber bei der Polizei erkundigen.“

Auch die Teilung von Kettenbriefen mit zweifelhaftem Inhalt sollte unterlassen werden. Gerade zur bevorstehenden dunklen Jahreszeit gebe es wieder vermehrt Meldungen von schwarz gekleideten Männern, die vor Schulen Kindern auflauerten. Solche Nachrichten würden oft von Handy zu Handy weitergeschickt. „Dann verbreitet sich das wie ein Lauffeuer“, berichtet Belz. Eltern, die solche oder ähnliche Mitteilungen erhalten, sollten diese nicht weiterschicken, sondern die Situation überdenken und dann selbst einschätzen.

Achtsamkeit ist angebracht

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Bei Dating-Portalen sei ebenfalls große Achtsamkeit gefragt – vor allem, wenn man einen potenziellen neuen Partner noch nie persönlich getroffen hat.

Allzu oft würden leichtsinnig Bilder in den sozialen Medien verschickt, die später als Druckmittel eingesetzt werden. Im Falle einer solchen Erpressung müsse man sich den Fehler eingestehen und eine Anzeige erstatten – „selbst wenn es dem Betroffenen peinlich ist“.

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Dies seien nur einige Tricks, mit denen Verbrecher versuchen, ihre Opfer zu täuschen – allerdings mit steigender Tendenz. Denn je mehr soziale Medien es gebe, desto häufiger Betrüger nutzten diese, erklärt der 48-Jährige. „Da ist wirklich jeder zu einem sensiblen Umgang mit den sozialen Medien aufgefordert.“

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Auch das Polizeipräsidium in Heilbronn hat sich 2016 sowohl einen Twitter- sowie einen Facebook-Account zugelegt. Auf diesen Seiten können die Beamten direkt mit den Menschen in der Region Heilbronn-Franken in Kontakt treten.

„Wir sind sehr zufrieden, weil es ein wahnsinnig gutes Fahndungsmittel ist“, äußert sich Belz gegenüber den Fränkischen Nachrichten. Mit einem Klick könne man zum Beispiel auf Facebook rund 34 000 Menschen erreichen. Aus dem Main-Tauber-Kreis sowie dem Neckar-Odenwald-Kreis gebe es jedoch derzeit noch recht wenige User. Daher appelliert Belz an die hier Lebenden, die Seite des Präsidiums verstärkt zu liken, um wichtige Informationen und Warnungen aus erster Hand zu erhalten.

Das Social-Media-Team bearbeitet die Beiträge mit größter Sorgfalt – von Beamtensprache keine Spur. Stattdessen geht es hier recht locker zu. Zur Attraktivität der Beiträge werde mitunter mal eine witzige Formulierung eingepflegt. So wurden beispielsweise Songtexte umgeschrieben und Gedichte verfasst. Videos in typischer „Tik-Tok-Manier“ seien ebenfalls geplant, erzählt der Experte.

Allerdings machten sogenannte „Trolle“, wie die provozierenden Unruhestifter im Netzjargon gerne genannt werden, nicht einmal vor den Accounts der Polizei halt. So sammelten sich auch unter den Posts des Heilbronner Präsidiums bisweilen auch mal beleidigende Kommentare. Dass sich die Schreiber damit strafbar machen, sei ihnen aber wohl nicht bewusst. „Hier werden oft Grenzen überschritten, die im normalen Leben sonst nie überschritten werden“, meint Frank Belz. Bei einigen Nutzer scheine es sogar, als würden sie im Netz ihr Schamgefühl komplett verlieren. Selbst wenn deren Accounts oftmals anonym zu sein scheinen, könnten die Ermittler sie aber nicht selten dennoch entlarven.

Damit Kinder lernen, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen sollen, werden in der gesamten Region Informationsveranstaltungen und besondere Projekte organisiert, wie zum Beispiel die Kampagne „Was macht mein Kind im Netz?“. Immerhin gehöre die Medienerziehung heutzutage wie das Fahrradfahrenlernen zum Auftrag der Eltern dazu. Und auch die Schulen seien hier mit im Boot.

Doch nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsenen müssten extrem vorsichtig sein. Für den richtigen Umgang im Internet hat Belz deshalb für alle Altersklassen ein paar Tipps parat.

„Jeder ist selbst verantwortlich“

Zunächst sei es wichtig, seine Sicherheitseinstellungen auf allen Social-Media-Plattformen zu überprüfen. „Dafür ist jeder selbst verantwortlich.“ E-Mails von Unbekannten solle man am besten überhaupt nicht beachten. Wenn man seine private E-Mail-Adresse nicht selbst jemandem gegeben hat, handele es sich nämlich meist um Spam-Nachrichten. Vorteilhaft sei, regelmäßig den Posts des Polizeipräsidiums zu folgen, um rasch informiert zu werden.

Falls man wirklich in eine Falle gerät, solle man sich nicht von falscher Scham leiten lassen und eine Anzeige erstatten. Am wichtigsten sei es jedoch, dass man grundsätzlichen vorsichtig ist und mit einer gesunden Skepsis Meldungen hinterfragt, rät Belz. „Man soll seinen gesunden Menschenverstand nicht ausschalten, wenn man den PC anschaltet.“