Fachvortrag im Krankenhaus - Dr. Gerhard Schüder referierte vor 120 Gästen zum Thema Krampfadern "Mehr als nur eine Schönheits-Operation"

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Tauberbischofsheim. Krampfadern sind zwar eine Volks-, aber keine Zivilisationskrankheit, denn schon die alten Griechen baten vor über 2500 Jahren darum, von diesem Leiden befreit zu werden. Mit diesem kurzen Rückblick in die Geschichte startete Dr. Gerhard Schüder, Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie, seinen Vortrag über die Gefäßerkrankung vor rund 120 Zuhörern im Krankenhaus Tauberbischofsheim.

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Maßgeblich Schuld an diesem Leiden trage unser aufrechter Gang. Durch ihn entstehe ein massiver Druck auf die Venen, was diese stark in Mitleidenschaft ziehe und die Funktion der Venenklappen beeinträchtigen könne: "Das Blut in den betroffenen Venen fließt dadurch in die falsche Richtung. Die sogenannten Krampfadern entstehen", so Schüder.

Dies passiere häufig im fortgeschrittenen Lebensalter, etwa durch eine vorwiegend stehende Tätigkeit und vermehrt auch durch eine angeborene Bindegewebsschwäche. Eine Veranlagung, die sich von Generation zu Generation weitervererbe. "Natürlich kann es auch passieren, dass man der Erste in der Reihe ist", sagte Dr. Gerhard Schüder. "Bei einem Krampfadernleiden sind die Venen direkt unter der Haut - auch oberflächliche Venen genannt - betroffen. Je nach Schweregrad werden Therapie und Wundheilung zunehmend schwieriger", erklärte der Facharzt für Allgemein-, Bauch und Gefäßchirurgie. Deshalb sei es wichtig, die Gefahren nicht zu unterschätzen und frühzeitig zu handeln.

Gefahren nicht unterschätzen

"Wer sagt, eine Krampfader-OP sei eine Schönheits-OP, hat schlichtweg keine Ahnung", appellierte Dr. Gerhard Schüder an die Zuhörenden. "Unbehandelt drohen nämlich schwere Folgeschäden wie Entzündungen, offene Beine, Blutgerinnsel bis hin zu einem lebensgefährlichen Gefäßverschluss." Bei Symptomen wie Spannungs- und Schweregefühl in den Beinen, Wadenkrämpfen vermehrt in der Nacht und das im Sommer häufiger als im Winter, solle man aufmerksam sein. Hinweise auf schwerwiegendere Schäden seien eine extrem trockene Haut mit Pigmentveränderung und offene Wunden. Letztere deuteten bereits auf eine Funktionsschwäche der tief liegenden Venen hin und sollten unbedingt vermieden werden. Anders als bei den alten Griechen seien Krampfadern heute jedoch konservativ, minimal-invasiv, aber auch operativ gut und schonend behandelbar. Als Basistherapie um einem Krampfadernleiden vorzubeugen oder es konservativ - also ohne Operation - zu therapieren, sei die beste Methode neben einer ausreichenden Bewegung das Tragen von orthopädischen Stützstrümpfen oder -strumpfhosen.

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Wichtig sei, dass diese perfekt sitzen, da nur so das gewünschte Entlastungsergebnis erreicht werden könne. Lasse sich konservativ nichts mehr erreichen, gebe es für Patienten verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. So kämen etwa eine Lasertherapie, eine Sklerosierungstherapie oder eine Krampfadern-OP in Frage. "Unser Steckenpferd sind die schonenden Verfahren, bei denen die Krampfadern in einem kleinen ambulanten Eingriff verödet werden. Hier hat sich insbesondere die Radiofrequenzablation als bewährte minimal-invasive Methode etabliert", erläuterte der Chefarzt. Hier werden die Proteinstrukturen der Bindegewebskomponenten der betroffenen Venen unter Ultraschallkontrolle mittels Radiofrequenzwellen zerstört. Dabei wird eine Sonde über einen kleine Öffnung in die Vene eingebracht, auf circa 70 Grad erhitzt und dann schrittweise zurückgezogen, mit dem Ziel die kaputte Vene komplett zu verschließen. Alles in allem seien die Möglichkeiten vielfältig und man finde für jeden Betroffenen die optimale Therapie.