FN-Facebook-Umfrage - Eine Mehrzahl der Nutzer schätzt die persönliche Beratung und will nach Ende der Corona-Pandemie den Einzelhandel weiter unterstützen „Lauf’ nicht fort, kauf’ im Ort“

Viele Einzelhändler haben unter Corona besonders zu leiden – manch einer ist gar von der Insolvenz bedroht. Im Gegensatz dazu boomt das Online-Geschäft. Ein Trend, der noch zu stoppen ist?

Von 
Klaus T. Mende
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Corona hat vor allem für den innerstädtischen Einzelhandel schwerwiegende Folgen. Laut einer FN-Facebook-Umfrage wollen viele Nutzer nach Ende der Pandemie die Geschäfte vor Ort unterstützen. © DPA

Odenwald-Tauber. In Zeiten der Pandemie sind viele Innenstädte, in denen es ohnehin bereits zahlreiche Leerstände gibt, noch mehr verwaist – für zahlreiche Kommunen eine Besorgnis erregende Entwicklung. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier hat zwar angekündigt, Milliardengelder bereitzustellen, um diesen Tendenzen den Kampf anzusagen. Letzten Endes liegt es jedoch vor allem am Verbraucher-Verhalten, ob die Citys über kurz oder lang doch wieder mit mehr Leben erfüllt werden können. In einer Facebook-Umfrage wollten die Fränkischen Nachrichten wissen, wie die Nutzer dazu stehen.

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„Ich werde den Einzelhandel künftig nicht mehr oder weniger unterstützen“, meint Marius Hubert Hartmann aus Estenfeld. „Wenn ich was brauche, schaue ich, genauso wie vorher auch, wie ich am schnellsten an mein Zeug komme.“

Kathrin Dudek aus Creglingen bummelt gerne in Städten oder Passagen und vermisst es sehr. „Ich hoffe, es kommen alle bestmöglich aus dieser Situation heraus. Ich würde gerne die Einzelhändler unterstützen, bestelle aber auch Sachen im Internet, wenn sie dort günstiger sind, oder ich keine Zeit zum Bummeln habe und etwas brauche.“ Klamotten und Schuhe probiere sie gerne vor dem Kauf vor Ort an – schon deswegen brauche es den Einzelhandel.

Eine ganz fundierte Meinung äußert Selahattin Kiliç aus Buchen – und dürfte manch einem aus der Seele sprechen: „Bevor das Volk unter die Arme greifen soll, sollte der Staat doch vorbildlich vorgehen und die längst fälligen Hilfen ausbezahlen.“

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„Momentan denke ich noch nicht darüber nach, da uns Corona noch eine ganze Weile begleiten wird“, ist eine Userin überzeugt. Auch wenn die Geschäfte im Frühjahr öffnen dürften, halte sie es nicht für richtig, in Massen in die Stadt zu strömen. Solange keine Normalität einkehren könne, „muss der Staat große wie kleine Unternehmer gleichermaßen unterstützen“. Eine andere entgegnet ihr: „Dann macht auch der letzte dicht, wenn sie sich auf den Staat verlassen.“

Eine weitere Nutzerin bringt ihre Ansicht kurz und prägnant auf diesen Nenner: „Ohne Maske Einzelhandel, mit Maske Internet.“ Und Claudia Blietschau aus Tauberbischofsheim ist der Überzeugung, dass viele das Bummeln vermissen: „Ich probiere gerne was an, bevor ich es kaufe.“ Im Übrigen habe es doch gar nicht so schlecht funktioniert mit Beschränkung der Kundenzahl und Mundschutz. Michaela Klein aus Gerlachsheim argumentiert ähnlich: „Die Regierung sieht das leider anders – Restaurants und Läden sind nicht schuld an den hohen Zahlen.“

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Der Bad Mergentheimer Hans Ziegler bestellt grundsätzlich nur das, was wirklich dringend notwendig ist, im Internet – und da nach Möglichkeit bei Fachmärkten. „Die Bestellerei an sich finde ich alles andere als stressfrei. Danach nimmt man sich extra Zeit, um an genau dem Tag zu Hause zu sein, an dem das Paket kommen soll, um dann festzustellen, dass es doch erst morgen kommt.“ Und am Ende müsse man doch zur Post oder zu einem Paketshop fahren, weil der Zusteller nicht geklingelt habe. „Da finde ich es wesentlich angenehmer, mal eben in die Stadt zu fahren. Das geht schneller, ist am Ende weniger zeitaufwendig und kostet zudem keine Versandkosten. Zudem sehe ich, was ich da kaufe und erlebe keine unangenehmen Überraschungen“, meint er.

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„Bis alles vorbei ist, haben wir kein Geld mehr, um überhaupt noch jemandem unter die Arme zu greifen“, äußert sich ein Leser klipp und klar.

Die Städte hätten jahrelang dafür gekämpft, dass man nicht mehr in sie hineinfahren könne – wenn doch, werde man mit hohen Parkgebühren und einer Verkehrsplanung so gegängelt, dass es einem vergehe, äußert sich Marco Fürst-Dietrich aus Bad Mergentheim. Dazu hätten die gleichen Kommunen den „Malls“ die Baugenehmigungen in den entsprechenden Gewerbegebieten erteilt und damit und dem zuvor angeführten Grund den Einzelhandel kaputtgemacht, „weil die Menschen es eben gern bequem haben“.

Ein junger Mann will erst wieder Nägel mit Köpfen machen, wenn sich die Corona-Situation einigermaßen normalisiert hat: „Solange ich mit Lappen im Gesicht ins Geschäft muss, bestelle ich lieber.“

Der Külsheimer Bertram Kaufmann kann es nicht mehr hören, dass Amazon und Co. Schuld an der Entwicklung sein sollen. „Jeder Händler kann seine Artikel per EAN-Code bei Amazon einstellen, Stückzahl und Preis dazu – fertig. Bei Bestellung hat man zwei Tage Zeit zu versenden. Kauft man bei Amazon etwas, immer bei einem Händler bestellen, Porto zahlen – „und gut ist“.

„Lauf’ nicht fort, kauf’ im Ort“, so die Devise von Dirk Kurz aus Igersheim. Natürlich sei es teurer, wenn man seine Einkäufe in einer Innenstadt tätige, da der Kostenfaktor ein anderer für den Betreiber sei – Betriebs- und Personalkosten, Gewerbesteuer und im Fall von Bad Mergentheimer Fremdenverkehrsabgabe. „Aber ist es nicht auch ein Stück Lebensqualität, in einer schönen Innenstadt mit einer Vielfalt von verschiedenen Läden und Cafés mit Familie oder Freunden einkaufen zu gehen und Zeit miteinander zu verbringen? Wir haben es selbst in der Hand, wie sich unser Stadtbild in der nächsten Zeit darstellen wird.“

Für eine andere Verbraucherin komme online einzukaufen nicht in Frage. „Ich gehe lieber in den Laden, schaue die Ware an und kann vor Ort anprobieren.“

Eine weitere Nutzerin sagt, sie sei selbst Einzelhändler und könne sich nicht vorstellen, dass „es uns bald nicht mehr gibt – aber so wird es wohl sein“.

Die Tauberbischofsheimerin Sandra Raphaella Seiler tätigt pro Jahr vier bis acht Online-Bestellungen, wenn es sich um exotische Waren handele, die man in herkömmlichen Geschäften nicht bekomme. Ansonsten seien ihr die direkte Begutachtung der Artikel und die persönliche Beratung im Einzelhandel sehr wichtig. „Ich werde auch weiterhin unsere Geschäfte in der Stadt unterstützen und möchte auch ein Appell an alle Bürger richten, dies ebenso zu tun.“ Dabei gehe es zum Einen um das Flair, denn eine ausgestorbene Fußgängerzone wäre eine öde Umgebung. Zum Anderem gehe es auch darum, dass es sehr traurig, bedrückend und besorgniserregend sei für die vielen Geschäftsleute, „die ihre Existenz verlieren“, und ebenso für die vielen Menschen, die unverschuldet in die Arbeitslosigkeit katapultiert würden. „Deshalb sind alle aufgerufen, dem entgegenzusteuern und die Einzelhändler und deren Mitarbeiter nicht im Stich zu lassen.“

„Wenn ich genau weiß, was ich brauche, bestelle ich gern im Internet“, beteiligt sich ein Kunde an der Diskussion. „Vor allem, weil es oft Sachen sind, die ich bei uns in der Gegend sowieso nicht oder nur extrem überteuert bekomme.“ Bei Schuhen und Klamotten gehe es jedoch nicht ohne Anprobieren.

Für Herrad Cristina Vogelhuber aus Tauberbischofsheim ist das Ganze ein städteplanerisches Problem. Sämtliche Supermärkte und Ähnliches aus den Innenstädten in die Peripherie zu verlagern, sei das Hauptproblem. „Als Teenie bin ich gerne samstags für Mama einkaufen gegangen. Norma, Lidl, Kupsch, Metzgerei und mehrere Bäckereien in der Innenstadt, ebenso Klamotten, Schuhe, Sportsachen, und und und . . . Die Fußgängerzone war voll, man traf viele Leute. Und heute? Keine Supermärkte – ,big shopping’ in der nächsten Großstadt oder online. Schade.“

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt