70 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs - Die ersten Tage nach der Besetzung der Stadt / Tagesablauf normalisiert sich wieder Militärbanknoten als Zahlungsmittel

Von 
Uwe Büttner
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Tauberbischofsheim. Das 99. US Chemical Mortar Battalion (Mörser Bataillon) besetzt am 31. März Dienstadt und rückt dann am 1. April zusammen mit Einheiten der 4. US Infanterie-Division in Tauberbischofsheim ein.

Amerikanische Soldaten präsentieren im Eingangsbereich des Badischen Hofs eine erbeutete Fahne der Nationalsozialisten.

© Sammlung Uwe Büttner
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Am 1. April 1945 wird das 119. US Panzerpionier-Bataillon auf seinem Marsch von Hardheim nach Tauberbischofsheim von Wehrmachtseinheiten bombardiert. Die Einheit bleibt bis zum 2. April in Tauberbischofsheim und marschiert dann weiter Richtung Würzburg.

Verbände der 63. US Infanterie Division rücken in Tauberbischofsheim ein, Teile des 253. Infanterie-Regiments bleiben in der Stadt. Landrat Klaus Tellenbach und der Kommissar der Gendarmerie werden von den Amerikanern verhaftet. Ein Teil der Division marschiert weiter Richtung Bad Mergentheim und beteiligt sich hier an den Kämpfen um den Ort.

Von Heckfeld her rollen am Vormittag amerikanische Panzer nach Lauda und dort dann über die unzerstörte Tauberbrücke. Die Stabsgruppe mit dem Kommandeur Colonel Charles B. McClleland fährt nach Distelhausen und baut dort den Gefechtsstand der 101. Cavalry-Group auf.

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Im gleichen Zeitraum erhält die 92. Auklärungs-Schwadron im Raum Heckfeld den Befehl zum Sammeln und die Marschbereitschaft herzustellen. Am Mittag erfolgt der Aufbruch zu einem Vorstoß über Tauberbischofsheim, Krensheim und Bütthart mit Zielrichtung Kitzingen.

Das Oberkommando der Wehrmacht berichtet vom 1. April 1945 folgendes: "Im Maintal zwischen Miltenberg und Wertheim wie an der unteren Tauber sind Kämpfe mit vordringenden Panzerabteilungen im Gange. Angriffe auf Bad Mergentheim scheiterten unter erheblichen Panzerverlusten der Amerikaner.

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Im südlichen Odenwald und in der Rheinebene südlich Schwetzingen verteidigen sich unsere Truppen zäh gegen den nach Süden drängenden Gegner. Jagd- und Kampfflugzeuge richteten trotz starker Abwehr wirksame Bomben- und Bordwaffenangriffe gegen angloamerikanische Truppen- und Fahrzeugkolonnen, besonders an Flussübergängen."

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Am 2. April 1945 verlegt die 4. US Infanterie-Division unter dem Kommando von Generalmajor Harold W. Blakeley ihren Stab und Gefechtsstand nach Tauberbischofsheim und zieht einen Tag später nach Kirchheim weiter. Bis zum 2. April werden die in Gefangenschaft geratenen Wehrmachtssoldaten im Garten zwischen dem Haus Berberich und der Kinderschule und danach im Garten des Landratsamtes (Riedernhof) untergebracht.

Das Oberkommando der Wehrmacht meldet für den 2. April 1945 folgendes: "Im Spessart sowie zwischen der unteren Tauber und dem Main-Dreieck sind erbitterte Abwehrkämpfe entbrannt. Aus dem Gebiet zwischen Bad Mergentheim und der Rheinebene südlich Heidelberg drückt der Feind weiter nach Süden. Tag- und Nachtangriffe unserer Luftwaffe richten sich mit nachhaltiger Wirkung gegen die feindlichen Nachschubverbindungen."

Am 3. April 1945 werden die Geschäfte in der Stadt von der Stadtverwaltung angewiesen, bis zur endgültigen Regelung Waren gegen Marken oder Karten abzugeben. Am 4. April 1945 werden die Opfer vom 31. März, 45 Soldaten und 8 Zivilisten, auf dem Tauberbischofsheimer Friedhof beigesetzt. Ab dem 5. April 1945 ist im "Grünen Baum" eine Verpflegungsstation des Roten Kreuzes eingerichtet, von der aus an die hier untergebrachte Ausländer und durchziehende Deutschen Lebensmittel ausgegeben werden. Die meisten Mittagessen mit 888 Portionen und die meisten Abendessen mit 963 Portionen werden am 7. April 1945 ausgegeben.

Am 11. April 1945 werden für die 75. Lebensmittelperiode 5500 Karten ausgegeben. Am 15. April 1945 wird das Finanzamt in der Hindenburgstraße 20 (heute Landratsamt Haus 2) von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt und hier zeitweise das Hauptquartier der 7. US Armee untergebracht. Kommandeur der 7. US Armee ist Lieutnant-General Alexander M. Patch.

Ab dem 16. April 1945 "normalisierte" sich wieder der Tagesablauf in der Kreisstadt und viele Firmen nehmen wieder ihren Betrieb auf. Carl Roth aus Wertheim wird von der amerikanischen Militärregierung des Landkreises Tauberbischofsheim als Landrat für den Kreis Tauberbischofsheim eingesetzt. Die amerikanische Militärregierung des Landkreises Tauberbischofsheim zieht zuerst in die Zahnarztpraxis Dr. Kleinheisterkamp in der Bahnhofstraße 15, später dann in den Südflügel des 2. Stockes des Landratsamtes (Riedernhof). Noch bis Anfang der 1950er Jahre ist in der Bahnhofstraße 15 der Sitz des US-Resident Officers, der für alle US-Angelegenheiten zuständig ist.

Direktor der Militärregierung ist 1st Lt. John Zecca, sein Stellvertreter 1st Lt. Athel W. Crocker. Am 27. April 1945 wird vom Landratsamt für alle Gemeinden eine Personenbestandsaufnahme angeordnet. Die Stadt Tauberbischofsheim meldete folgende Zahlen: ortsansässige Personen: 3324, evakuierte Personen 2336, Ausländer 639, zusammen 6299 (Einwohnerzahl 1939: 3609). Die 800 amerikanischen Soldaten werden hierbei nicht berücksichtigt. Die Besatzungssoldaten der US-Armee in Tauberbischofsheim gehören der 63. US-Infanterie Division und der 84. US-Infanterie Division an. Ihre Hauptquartiere befinden sich in der Hauptstraße 89 (253. Infanterie Regiment der 63. Inf. Div. "Blood & Fire") und in der Wellenbergstraße 7 (335. Infanterie Regiment 84. Inf. Div. "Railsplitter").

Am 30. April 1945 werden von der Alliierten Militärbehörde Alliierte Militärbanknoten in Umlauf gebracht, diese sind von nun an gesetzliches Zahlungsmittel in Tauberbischofsheim.

Am 1. Mai 1945 werden auf Anordnung der Stadtverwaltung die 1937 umbenannten Straßennamen wieder geändert. Aus dem Adolf-Hitler-Platz wird der Sonnenplatz, der Platz der SA wird wieder zum Marktplatz, die Robert-Wagner-Straße zur Hauptstraße und die Hindenburgstraße zur Schmiederstraße. Für die Tauberbischofsheimer ist der Krieg zu Ende, während in anderen Teilen des damaligen Reichs noch bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 weiter gekämpft wird.

Im Mai 1945 beschließen Angehörige des 253. Infanterie-Regiments der 63. US Infanterie Division im Rathaus in Tauberbischofsheim eine Bühnenshow zu inszenieren. Sie kreieren eine Parodie der Oper "Carmen" von Georges Bizet - ihre "Carmen-Show". Im Tauberbischofsheimer Rathaus finden nach der Premiere drei weitere Aufführungen mit den 44 Akteuren und der Band statt. Das musikalisch-komische Programm kommt so gut bei den Kameraden an, dass die Soldaten beschließen weiterhin gemeinsam in Bad Mergentheim im Hauptquartier der 63. Infanterie-Division aufzutreten. Danach tourt die "Carmen-Show" als Truppenunterhaltungsprogramm unter der Leitung von Lt. Bob Bogan durch ganz Europa. Bis September 1945 hatte das Ensemble bereits 143 Aufführungen vor 300 000 GIss gegeben.