Matthias-Grünewald-Gymnasium - Literatur- und Theaterkurs führte moderne Version von "Romeo und Julia" auf Kontroverse auf die Musik transferiert

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Julia (Klara Müller) trauert über den toten Romeo (Finn Hackenberg). Szene aus der Aufführung des Literatur- und Theaterkurses des MGG.

© Feuerstein

Tauberbischofsheim. Als Sinnbild bedingungsloser Liebe und Treue bis in den Tod sind sie unsterblich geworden. An der Feindschaft ihrer Familien gehen sie zugrunde.

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Die Geschichte von Romeo und Julia ist Shakespeares meistgespieltes Drama. Der Literatur- und Theaterkurs des Matthias-Grünewald-Gymnasiums brachte eine moderne Version des Klassikers unter der Leitung von Tobias Endres in der Mensa zur Aufführung.

Das tragische Schicksal von Romeo und Julia hat Menschen zu allen Zeiten berührt. Die beiden entstammen verfeindeten Familien, verlieben sich unsterblich ineinander und finden den Tod, weil ein unberechenbares, ganz vom blinden Zufall bestimmtes Schicksal unerbittlich waltet.

In Gegenwart versetzt

Das dramatische Geschehen ist also hinlänglich bekannt, Legion ist die Zahl der künstlerischen Umsetzungen. Am berühmtesten ist vielleicht die Verfilmung mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes. Der Literatur- und Theaterkurs versetzte Shakespeares Original in die Gegenwart. Grundlage der Inszenierung war Thomas Braschs Übertragung aus dem Englischen. Seine kongeniale Nachdichtung orientierte sich an Shakespeares Sprachkraft. Der Rhythmus des gesprochenen Wortes erinnerte bisweilen an modernen Sprechgesang.

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Die Tragödie um das leidenschaftliche Paar bettete der Literatur- und Theaterkurs ein in die Auseinandersetzung rivalisierender Musikgruppen. Da fügte es sich gut, dass das Matthias-Grünewald-Gymnasium mit den "Rockets" und "BluePrint" auch über zwei Schulbands verfügt. Der auch auf musikalischer Ebene ausgetragene Konflikt der verfeindeten Familien gab der Inszenierung einen besonderen Reiz.

Die wartete mit einigen weiteren gelungenen Regieeinfällen auf. Das Geschehen spielte sich an mehreren Schauplätzen ab. So wurde die ganze Mensa zur Bühne. Das Publikum geriet auf diese Weise mitten hinein in den Konflikt. Technische Spielereien waren eine andere Facette. Ein per Laptop eingespieltes Video zeigte Romeo und Julia als glückliches Paar. Die blühende Natur diente dabei als sinnfällige Liebesmetapher. Im Vorfeld hatte Tobias Endres noch versucht, die Erwartungen zu dämpfen. Man habe die Proben aufgrund terminlicher Schwierigkeiten nicht abschließen können, meinte er. Die Aufführung präsentiere deshalb einen Zwischenstand und sei eher als eine öffentliche Probe zu verstehen. So viel Untertreibung wäre gar nicht nötig gewesen.

Großartige Schauspieler

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Einmal in Fahrt gekommen, wuchsen die jungen Schauspieler über sich hinaus. Großartig Klara Müller und Finn Hackenberg als junges Liebespaar, dessen reine Unbedingtheit der Liebe vom Tod bedroht ist. Angela Knam und Magdalena Seiler waren Freundinnen, die Julia mutig zu ihrem Liebesglück verhelfen wollten. Amadeus Romacker und Adonai Knienieder markierten Romeos coole Kumpels, die einer zünftigen Schlägerei nicht aus dem Weg gehen konnten. Nicolai Ditzenbach mimte Julias despotischen Vater mit einer erschreckenden Gefühlskälte. Für heitere Momente sorgte Hannes Götz, der einen Drogen dealenden Pfarrer spielte und damit dem Liebespaar zum Verhängnis wurde.

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"Romeo und Julia" war die Abschlussarbeit des Literatur- und Theaterkurses. "Literatur und Theater" ist am Matthias-Grünewald-Gymnasium ein eigenständiges Fach und wird in der Oberstufe über vier Halbjahre unterrichtet.

Mögliches Prüfungsfach

Lernziel ist der Erwerb von Wissen, praktischen und gestalterischen Kompetenzen, Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit in vier wesentlichen Kompetenzbereichen: theaterästhetische Grundlagen, theaterästhetische Gestaltung sowie theaterästhetische und soziokulturelle Kommunikation. Am Ende können die Schüler des MGG "Literatur und Theater" sogar als Prüfungsfach im Abitur wählen. feu